Persönlich

Selbertippen: Der neue (alte) Hausfrauensport

Benjamin Wieland
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Schon länger ein Thema: Self-Scanning-Bereiche, oder eben «Selbsttippkassen». (Themenbild)

Schon länger ein Thema: Self-Scanning-Bereiche, oder eben «Selbsttippkassen». (Themenbild)

Michael Hunziker

Plötzlich standen diese metallenen Kästen herum. Zuerst trauten sich nur wenige. Verloren harrten sie aus, alleine mit all den Tasten. Brauchten Minuten. Dabei wollten sie doch nur zwei Liter Milch kaufen. Und einen Salat. Doch es wurden immer mehr. Immer mehr Kästen, die herumstanden – immer mehr Kunden, die beschlossen, ihre Waren selber einzulesen. Das Wechselgeld nicht mehr aus einer warmen Hand entgegenzunehmen, sondern von einer Maschine, die nicht grüsst. Höchstens rattert.

Ja, die Selbstbezahlkassen. Die Dinger würden sie meiden, sagen einige: zerstören Jobs! Andere schwören darauf. Es gehe schneller, halt. Das Schweizer Fernsehen hat eine Umfrage gemacht. Die neue Bezahl-methode kommt gut an. Eine Kundin sagt, sie mache das jetzt nur noch so. Eine andere ergänzt, ihr falle das mit den Tasten leicht: «Ich habe früher an einer Rechenmaschine gearbeitet.» Kurios die Aussage der Frau, die als Letzte spricht. «Wunderbar» sei das Angebot. «Besonders einer Hausfrau gibt es das Bewusstsein, dass sie auch wieder mal etwas machen kann, auch wenn sie nicht in einem Geschäft arbeitet.» Die Sendung endet mit der Stimme aus dem Off: «Nun wissen wir es: einkaufen und registrieren – der neue Sport für die Hausfrau!»

Vielleicht denken Sie nun: Sexistisch! Sauerei! Zeit für eine neue Gebührenabschaffungs-Initiative! In diesem Fall darf ich Sie aber beruhigen: Es ist ein Weilchen her, seit die Frauen interviewt worden waren. Es war, als das erste Geschäft in der Schweiz Selbsttippkassen einweihte. Im Jahr 1965.