FC Vaduz

Simone Grippo: «Ich schätze sehr, was ich jetzt habe»

Der Baselbieter Simone Grippo spricht vor dem Spiel gegen den FCB über die Zeit bei seinem Jugendverein.

Michel Zumoberhaus
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«Als Basler freue ich mich natürlich» sagt Vaduz-Spieler und Ex-FCB-Junior Simone Grippo über den bevorstehenden Titel des FC Basel.

«Als Basler freue ich mich natürlich» sagt Vaduz-Spieler und Ex-FCB-Junior Simone Grippo über den bevorstehenden Titel des FC Basel.

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Simone Grippo, Sie stecken mit dem FC Vaduz mitten im Abstiegskampf. In der Rolle als unumstrittener Abwehrchef übernehmen Sie viel Verantwortung. Wie ist die Stimmung im Team?

Simone Grippo: Die Stimmung ist gut. Klar, wir hatten eine schwierige Phase vor der Nati-Pause. In St. Gallen lieferten wir aber eine starke Leistung ab. Auch gegen YB am letzten Wochenende haben wir Moral bewiesen. Es war bis zum Schluss sehr knapp. Leider hat es für Zählbares nicht mehr gereicht. Die Stimmung innerhalb der Mannschaft und die Moral für den Abstiegskampf stimmen aber.

Was machen Sie, wenn Sie mit Vaduz absteigen? Haben Sie einen Plan B?

Momentan ist alles ein Plan A. Mein Fokus ist nur auf den Abstiegskampf gerichtet. Ich versuche, mein Bestes zu geben und meine Leistung abzurufen. Mit allem anderen beschäftige ich mich nicht. Der Fokus liegt voll auf Vaduz.

Trotzdem ist es Fakt, dass die Spieler in der Challenge League weniger verdienen als in der Super League. Auch ein direkter Wiederaufstieg wäre nicht garantiert. Haben Sie manchmal Angst um Ihre Karriere? Sie waren eine Zeit lang vereinslos.

Angst um meine Karriere hatte ich eigentlich nie. Fussball ist ein Tagesgeschäft. An einem Wochenende bist du der Held, am darauffolgenden bist du salopp gesagt der «Löli». Das mit der Vereinslosigkeit war eine andere Situation. Da habe ich mich gröber verletzt. (hartnäckige Schleimbeutelentzündung am Knie, Anm. d. Red.)

Wie schwierig war diese Zeit? Haben Sie ans Aufhören gedacht?

Nein, daran habe ich nie gedacht. Fussballprofi zu werden war schon immer mein Traum. Dieser Traum hat sich bewahrheitet. Während dieser Pause liess ich diesen Gedanken, aufzugeben, einfach nicht zu. Es war keine einfache Zeit, aber ich habe hart gearbeitet und mich zurückgekämpft.

Während dieser Zeit haben Sie sich unter anderem beim FC Soleita Hofstetten fit gehalten haben. Warum der FC Soleita?

(Lacht) Ich habe mich vor allem beim FCB-Nachwuchs fit gehalten. Dafür bin ich dem FCB noch heute dankbar. Ich konnte in Begleitung eines Arztes die Verletzung auskurieren lassen. Das mit dem FC Soleita stimmt. Das war einfach mal zum Spass. Einige Freunde spielen dort und haben mal zusammen ein bisschen gekickt.

Solltet ihr den Klassenerhalt schaffen, spielt ihr auch nächste Saison eher um den Ligaerhalt. Wie sehen Ihre persönlichen Ambitionen aus?

In erster Linie möchte ich die sportlichen Ziele mit dem FC Vaduz erreichen. Der Klassenerhalt muss geschafft werden. Sobald wir dieses Ziel erreicht haben, kann ich mir neue Ziele setzen. Es macht keinen Sinn, das aktuelle Ziel aus den Augen zu verlieren und an Anderes zu denken.

Mit Ihren 27 Jahren haben Sie im Fussballgeschäft einiges erlebt. Sie haben den Schritt nach Italien gewagt, kehrten Jahre später in die Schweiz zurück und sind eine Zeit lang vereinslos gewesen. Bereuen Sie einen Schritt Ihrer Karriere?

Bereuen ist ein grosses Wort. Die Chance, ins Ausland zu wechseln, erhält nicht jeder. Ich habe in jungen Jahren ein gutes Angebot aus Italien erhalten und konnte so meinen Traum, in Italien zu spielen, erfüllen. Ich hatte die Möglichkeit, mich bei zwei Super-League-Vereinen weiterzuentwickeln. Natürlich kann man heute darüber streiten und finden, dass man sich zuerst in der Schweiz durchsetzen muss, um im Ausland bestehen zu können. Zu diesem Zeitpunkt war das für mich aber die richtige Entscheidung. Diese Zeit hat mich geschult und reifer werden lassen, weil ich in dem jungen Alter in Italien auf mich alleine gestellt war. Sportlich ist es mir nicht gelungen, mich in der Serie A durchzusetzen. Ich konnte aber in den unteren Ligen wichtige Erfahrungen sammeln und habe auch in der Serie B Spiele absolviert.

Ist es noch ein Ziel von Ihnen, wieder ins Ausland zu wechseln?

Ich schätze sehr, was ich jetzt habe. Ich bin Vaduz sehr dankbar, dass ich mich auf der höchsten Plattform im Schweizer Fussball präsentieren darf. Klar, als Profisportler ist man sehr ehrgeizig, weshalb das Ausland attraktiv bleibt.

Morgen ist der FCB zu Gast in Vaduz. Sie haben beim FCB alle Jugendstationen durchlaufen. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie gegen Ihren Ex-Club spielen?

Als Basler ist das natürlich immer eine spezielle Affiche. Es gibt ein paar Spieler in unserer Mannschaft, die eine FCB-Vergangenheit haben. Der FCB ist unser Heimatverein und der Ligakrösus, weshalb das Drumherum sicherlich ein bisschen aufregender ist, als vielleicht bei anderen Spielen. Aber das spielt für mich und den FC Vaduz keine Rolle, wer in unser Stadion kommt. Wir brauchen Punkte und auch in diesem Spiel werden drei verteilt.

Benötigt es eine spezielle Vorbereitung, wenn man es mit einem Ausnahmestürmer wie Embolo zu tun kriegt?

Ich bereite mich auf jedes Spiel hoch professionell vor. Da analysiere ich meine Gegenspieler ganz genau, wie ihre Laufwege und ihre Bewegungen am Ball aussehen. Auch unser Trainer Giorgio Contini stellt uns hervorragend ein.

Wandervogel Grippo

Simone Grippo lancierte seine Profikarriere beim FC Basel in der Saison 06/07, wo er als 17-Jähriger einen Vertrag bis 2009 unterschrieb und regelmässig für die U21 auflief. Den sofortigen Durchbruch in die erste Mannschaft schaffte er nicht, woraufhin er zum FC Concordia verliehen wurde. Dort konnte er sich einen Stammplatz erarbeiten.

Im Sommer 2008 wechselte er weiter auf Leihbasis zum AC Bellinzona, wo er kein einziges Spiel absolvierte, weil einen Monat später der italienische Serie A-Aufsteiger AC Chievo Verona anklopfte und ihn unter Vertrag nahm. Lediglich zwei Ligaspiele konnte er dort bestreiten, was mehrere Ausleihen zur Folge hatte: Piacenza Calcio (Serie B), AC Lumezzane (Drittligist), Frosinone Calcio (Serie B). Im Sommer 2011 beendete Grippo das Auslandsabenteuer und kehrte in die Schweiz zurück, zuerst zum FC Lugano, später zu Servette, wo sein Vertrag nicht verlängert wurde. Ein knappes halbes Jahr war er vereinslos. 2014 fand Grippo das Glück beim FC Vaduz. Seither trainiert und spielt er für die Liechtensteiner.

Der FCB hat Lugano 4:1 und 3:0 geschlagen und St. Gallen mit sieben Toren demontiert. Hat man da als Verteidiger des Tabellenletzten in der Super League noch mehr Respekt?

Nein. Das Selbstbewusstsein muss intakt sein. Wenn das nicht vorhanden ist, dann wird es eben schwierig. Wir haben uns gegen den FCB meistens als unangenehmer Gegner erwiesen, was auch am Sonntag das Ziel ist. Natürlich ist es der Liga-Krösus, aber in unserem Stadion wird es für den FCB sicher nicht einfach werden.

Ihr Vertrag läuft bis 2017. Walter Samuel und Philipp Degen hören auf, Behrang Safari wechselt und Manuel Akanji hat sich schwerer verletzt. Der FCB sucht gute Leute für die Verteidigung. Auch für die Innenverteidigung. Sieht man Sie in der nächsten Saison im FCB-Trikot?

Davon weiss ich nichts und es ist schwierig zu beantworten. Für jeden Spieler in der Super League ist es ein Ansporn, sich für den FCB interessant zu machen. Aber der FCB ist eigentlich mit Marek Suchy und Daniel Hoegh gut aufgestellt. Auch Akanji ist ganz stark, welcher sich leider verletzt hat. Aber der wird auch zurückkehren.

Haben Sie mit den Verantwortlichen des FCB noch Kontakt?

Nein, ich habe keinen Kontakt. Wenn man sich sieht, grüssen wir uns, weil wir uns kennen, aber mehr nicht.

Ihre Aufgabe ist es nicht das Verhindern von Toren, sondern auch Ihre Torgefährlichkeit bei Standards einzusetzen. Das spektakuläre Tor, welches Sie gegen YB geschossen haben, war kein purer Zufall. Diese Situation üben Sie gemäss Giorgio Contini regelmässig im Training.

Beim Flankentraining versuche ich in erster Linie, mit meinem Kopf den Ball erfolgreich im Tor unterzubringen. Anschliessend spielen mir meine Mitspieler ein, zwei lang gezogene Bälle, die ich per Bicicletta nehme. Das hat in den letzten Trainings gut funktioniert und hat auch gegen YB geklappt. Leider konnten wir nicht punkten. Bitter, dass der klare Penalty an Florian Stahel uns verwehrt wurde.

Der FCB könnte morgen im Spiel gegen Ihren Verein Meister werden. Sie sind in Ettingen aufgewachsen, haben viele Freunde in Basel und haben sich beim FCB ausbilden lassen. Gehen Sie an die Meisterfeier und feiern mit? Erlauben Ihnen das Verein und Teamkollegen?

Dass der FCB Meister wird, ist wirklich nur eine Frage der Zeit. Ich gehe aber bestimmt nicht an die Meisterfeier. Als Basler freue ich mich natürlich. Ein Kompliment an die Mannschaft und Urs Fischer. Sie spielen eine hervorragende Saison. Sehr variabel und hinten trotzdem kompakt. Daher bin ich mir sicher, dass auch im nächsten Jahr europäisch wieder etwas drin liegt.

Mit Simone Grippo im Kader?

(Lacht) Für meine Verwandten und mein Umfeld wäre das natürlich super.