Innovation
So haben Sie die Steuerverwaltung immer im Hosensack

Es gibt für alles eine App. Das hat auch der Kanton Basel-Stadt gemerkt und einige eigene entwickelt. Mit mässigem Erfolg.

Fabio Vonarburg
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Steuerverwaltung und Polizei sind nicht die einzigen Ämter des Kantons, die den Nutzen von Apps für die Verwaltung austesten.

Steuerverwaltung und Polizei sind nicht die einzigen Ämter des Kantons, die den Nutzen von Apps für die Verwaltung austesten.

Nicole Nars-Zimmer

Wenn man will, ist sie auf Schritt und Tritt dabei; in der Hosentasche oder in der Handtasche: die Steuerverwaltung. Möglich macht es die App InfoTax BS. Seit Januar 2013 bietet die Steuerverwaltung Basel-Stadt eine App für Smartphones und Tablets an. Mit Informationen rund um die nächste Steuererklärung.

«Wir befinden uns wie alle Steuerämter immer noch in der Probephase und versuchen herauszufinden, wie man das Hilfsmittel App am besten einsetzt», sagt Andreas Lindenmann von der Steuerverwaltung Basel-Stadt. Die bisherige Erkenntnis: Die App ist praktisch, um zu informieren und zukünftig vielleicht um kleinere Transaktionen abzuschliessen. Aber: «Dafür, die Steuererklärung auszufüllen, ist eine App ungeeignet.» Grund: die Grösse des Bildschirms

App-Dezentralismus

Die Steuerverwaltung ist nicht das einzige Amt des Kantons, das den Nutzen von Apps für die Verwaltung austestet. Neben InfoTax BS gibt es vier weitere Anwendungen: Polizei Basel, Basler Stadtplan, Archeo Tour und Basler Luft. Alle kann man kostenlos im Apple Store und im Google Play Store downloaden.

Ob eine App entwickelt werden soll, liege in der Verantwortung der einzelnen Departemente, teilen die zentralen Informatikdienste des Kantons Basel-Stadt mit. Sie werden weder finanziell unterstützt, strategisch gefördert, noch fachlich betreut. «Die Zentralen Informatikdienste entwickeln bisher keine Apps», teilt der Medienverantwortliche Kaspar Sutter schriftlich mit. Sie konzentrieren sich darauf, die Inhalte von bs.ch mobil fähig zu machen beziehungsweise zu halten.

Wer sich eine App «Kanton Basel-Stadt» erhofft, wird enttäuscht. «Das Online-Angebot ist über bs.ch mobilfähig verfügbar, eine separate App ist darum nicht geplant.»

Eine andere Strategie fährt das Geoportal Basel-Stadt. Ihre Website mit dem interaktiven Stadtplan von Basel funktioniert auf einem Smartphone, trotzdem bieten sie zudem eine App an. «Wir möchten auch auf mobilen Geräten präsent sein», begründet Adrian Moser vom Geoportal. «Dazu ist eine App für den User viel praktischer, als der Umweg über ein Browser.»

Der zusätzliche Aufbau einer App sei in ihrem Fall nicht wirklich komplex, sagt Moser. Die App wird von der Basler Bevölkerung geschätzt. Zumindest lassen dies die Downloadzahlen erahnen. Auf rund 13 000 Geräten ist die App installiert. Trotzdem: Nur ein Bruchteil der Zugriffe auf den Stadtplan erfolgt über die App. Die meisten wählen noch die «altertümliche» Variante: Über den Desktop via Browser.

Ordentliche Download-Zahlen verzeichnet auch die App der Basler Kantonspolizei. Rund 24 000 User haben sich die App installiert. Monatlich laden sich weitere 200 Smartphone-Benutzer die App herunter. Trotzdem, dass die meist benutzte Funktion, die News, derzeit nur über einen Link zur Website funktioniert. Mediensprecher Martin Schütz verspricht: Ende Juli sei das Problem behoben.

Weniger als 1 Prozent

13 000, 24 000 Downloads - Zahlen von denen die Steuerverwaltung nur träumen kann. 1000 Smartphone-Besitzer möchten derzeit die Steuerverwaltung auf sich tragen. Offen, ob es am Thema oder an der Aufmachung der App liegt. Trotz tiefer User-Zahlen, die Steuerverwaltung zeigt sich zufrieden: «Wir sind in dem Bereich, den wir in etwa erwartet haben», sagt Andreas Lindenmann. «So viele Steuerpflichtige hat der Kanton Basel-Stadt nicht.» 125 000 Steuererklärungen werden pro Jahr versandt. Sprich: Die App InfoTax BS erreicht weniger als 1 Prozent der Zielgruppe. Dass es trotzdem als ein Erfolg gewertet wird, liegt auch an den tiefen Ausgaben. «Die Entwicklung von InfoTax BS kostete weniger als 10 000 Franken», sagt Lindenmann. «Ein kostengünstiges Werkzeug, um Informationen zu verbreiten.»

Auch das Lufthygieneamt beider Basel und das archäologische Bodenforschung Basel-Stadt haben die Vorzüge einer App entdeckt. Beide veröffentlichten in den letzten Monaten eine neue App Basler Luft, beziehungsweise Archeo Tour. Auch diese Apps beschränken sich auf die Vermittlung von Informationen. Doch wer weiss: Vielleicht ist es dank innovativen Departementen zukünftig möglich defekte Strassenabschnitte per App zu melden oder die Daten der Müllabfuhr via App abzurufen. Gemäss dem für zentrale Informatikdienste zuständigen Finanzdepartements eher in ferner, denn in naher Zukunft. Nach ihren Informationen gibt es nicht so bald eine neue App.