Basler Fasnacht

So hat der bestohlene Seibi-Major Thomas Giudici die Jagd nach seiner Eisbär-Larve erlebt

Die Eisbär-Larve der Seibi-Clique mutierte über Nacht zur berühmtesten der Basler Fasnacht. Am Anfang stand ein Diebstahl, es folgte eine Social-Media-Jagd und endete mit einem Happy End. Der bestohlene Tambourmajor Thomas Giudici und der Obmann der Clique erzählen, wie sich die Pinguine den Eisbären zurückholten.

Jürg Krebs
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Seibi Basel
12 Bilder
Der Eisbär des Tambourmajors.
Die Seibi-Clique mit ihrer aufsehenerregenden Laterne. epa06541644 Revelers wearing masks and holding lanterns parade through the streets during the so-called 'Morgestraich' in Basel, Switzerland, 19 February 2018. The traditional 'Morgestraich' starting at 4 a.m. is the kick-off for the carnival of Basel. EPA/ENNIO LEANZA
Drummeli 2018 - Seibi Jungi Garde
Dieses von Facebook-User Remo Max Schindlair gemachte Bild kursierte in den Sozialen Medien. Unter der Larve steckt wahrscheinlich der Dieb.
Der Eisbär des Tambourmajors.
Der Eisbär des Tambourmajors.
Laterne der Seibi Alti Garde.
Der Eisbär des Tambourmajors.
Die Fasnachtsgesellschaft Seibi Stamm beim Hotel Basel.
Dr Hofnarr, Fasnachtsgesellschaft Seibi Basel 1933.
Seibi Jungi Garde Schwytzerreisli

Seibi Basel

bz

Es ist eine der skurrilen Geschichten der Basler Fasnacht 2018: die gestohlene Eisbär-Larve der Seibi-Clique Basel 1933. Am Montagabend wurde sie dem Tambourmajor entwendet, um keinen Tag später wieder aufzutauchen. Dazwischen wurde über die Sozialen Medien Jagd gemacht auf den Eisbären. Er wurde zur wohl berühmtesten Larve der diesjährigen Fasnacht.

Pinke Sau statt weisser Eisbär

Die bz erreicht den Obmann der Seibi Clique an der Fasnacht. Lukas Minder ist froh, dass die Larve wieder aufgetaucht ist. Denn so ist die Clique für den Cortège vom Mittwoch wieder komplett kostümiert. Der Tambourmajor als Eisbär, die Clique als Pinguine.

Der bestohlene Tambourmajor Thomas Giudici ruft ebenfalls von uf dr Gass zurück. Am Montagabend habe er nach dem Diebstahl zu Hause ein neues Kostüm holen müssen. Er sei als pinke Sau verkleidet wieder zur Clique gestossen.

Geschichte eines Diebstahls

Doch wie wurde die Eisbär-Larve gestohlen? Die Erzählung von Obmann Minder und Tambourmajor Giudici geht so: Die Seibi-Clique ist nach dem Fasnachtsauftakt ins Restaurant Centro an der Streitgasse Abendessen gegangen. Doch der Tambourmajor sei mit Larve gut 2,5 Meter hoch. Zu gross, um damit ins Restaurant im Obergeschoss zu stapfen. Also habe Giudici sich der Larve am Eingang entledigt.

Um 18.15 Uhr sei man ins "Centro" gegangen und um etwa 19.45 Uhr wieder auf die Streitgasse getreten. Da sei der Eisbär weg gewesen. Laut Obmann Minder sei der Clique noch nie wesentliches Equipment gestohlen worden. Vielleicht mal eine der normalen Larven.

Den Eisbären mitzunehmen, sei gar nicht einfach, erzählt Giudici. Er selbst habe sich ein Taxi – einen Combi – kommen lassen, um zur Clique fahren zu können. Nicht nur, dass die Larve schwer sei. Sie sei auch unhandlich. Die Larve besteht nämlich aus einem Oberteil mit Kopf und Rumpf sowie einem Unterteil mit Bauch. Beide sind gestohlen worden. Mehrere Tage hat Giudici an ihr gebastelt, also viel Zeit investiert.

Alleine kommt man laut Giudici nicht in die Larve. Dem Tambourmajor helfen jeweils zwei Personen. Die Seibi-Clique glaubt deshalb, dass es mindestens zwei Diebe sein müssen. "Ein solches Ding abzuschleppen, dazu genügt eine Person nicht", so Giudici.

Die Jagd beginnt

Als der Verlust bemerkt wurde, startete die Clique gleich eine Jagd über Soziale Medien. Auch habe man die Polizei informiert, damit diese Meldung an die Patrouillen machen kann. Die Suche ging viral, Tausende Baslerinnen und Basler beteiligten sich daran, posteten die Vermisstmeldung, gaben Tipps oder kommentierten die Posts. So schrieb eine Fasnächtlerin über den Diebstahl: "Unglaublich! Dafür gibts keine Worte."

Dank der Hinweise konnte die Seibi-Clique die Spur des Eisbären verfolgen, wie Minder erzählt: Demnach bestieg der geklaute Eisbär beim Barfüsser das 3er-Tram, stieg beim Bahnhof SBB auf das 10er-Tram um und wurde später bei der Münchenstein-Brücke gesehen. Letztmals dann in der Gegend Dreispitz. Schliesslich bekam Barfi.ch einen Tipp von einem Gundeli-Quartier-Bewohner. Auf einem Balkon vis-à-vis habe er den Bären entdeckt. Dort wurde er dann am Dienstagmittag von zwei Barfi-Reportern abgeholt. Am Mittwoch soll er dem Tambourmajor zurückgegeben werden.

Wer ist der Dieb?

Ob die Person, die den Eisbären auf dem Balkon stehen und dann herausgegeben hatte, auch der - oder einer der Diebe ist -, das wollte Lukas Minder nicht kommentieren. Auch Giudici hat so seine Theorie.

Macht er Anzeige? Er glaube nicht. Jetzt, da die Larve zurück ist, nimmt er die Angelegenheit entspannt. Doch auch sonst: "Ich hätte das Geschehene nicht ändern können." Bis jetzt sei der Diebstahl des Eisbären eine lustige Geschichte gewesen, getragen vom Enthusiasmus der Fasnachtsgemeinde. Er wolle ihr nicht durch eine Anzeige eine dramatische Wendung geben. "Fasnächtler stehen zusammen", das ist seine Erkenntnis am Ende der Jagd. Und die stellt ihn zufrieden.

Auch Obmann Minder ist zufriden: "Morgen sind wir wieder komplett." Die Pinguine haben ihren Eisbären wieder.