Nach dem Aus

Sportmuseum am Ende: Jetzt soll das Historische Museum in die Bresche springen

Das Sportmuseum Schweiz gibt auf. Diesen Entscheid haben die Verantwortlichen am Donnerstag bekanntgegeben. Betroffen äussern sich Politiker und Kulturinstitutionen – dabei war es auch der Kanton, der zum Ende beitrug.

Andreas Schwald
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Die interessantesten Museumsstücke aus dem Basler Sportmuseum
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Diese goldfarbene Trillerpfeife hat das bekannteste Tor in der weltweit populärsten Sportart besiegelt. Die Schiedsrichterpfeife aus dem Final der Fussball-WM 1966 im Londoner Wembley-Stadion zwischen England und Deutschland.
Historische Fotos des FCB und der Nati Das Sportmuseum verfügt über eine umfangreiche Sammlung des Fotografen Walter Scheiwiller (geb. 1922) , der als bedeutender Pionier der Sportfotografie gilt. Zum FCB, der Schweizer Nati, aber auch zu den Radsportlegenden Ferdy Kübler und Hugo Koblet existieren von Scheiwiller Bilder und Sammelwerke, die für die Schweizer Sportgeschichte prägend sind.
Der Skischuh zum «Knie der Nation» Dieser Nordica-Skischuh gehörte Pirmin Zurbriggen. Mit ihm holte er an der WM in Bormio 1985 Gold in der Abfahrt. Dies nur zwei Wochen nach der schweren Meniskusverletzung. Der Schweizer Skistar wurde bei seiner Blitzheilung von den Medien auf Schritt und Tritt begleitet. Die ganze Schweiz sorgte sich um das «Knie der Nation» und fieberte mit, als Zurbriggen in Bormio auftrumpfte.
Sport und Militär Mit der abgebildeten Waffenlaufpackung gewann der heutige Baselbieter SVP-Landrat Georges Thüring 1979 den renommierten Frauenfelder Waffenlauf. Für Sportmuseums-Leiter Gregor Dill verweist die Packung auf die starke Verbindung von Sport und Militär hin, die heute nicht mehr so ausgeprägt, aber noch spürbar sei.
Marschall-Mantel Der populärste britische Heerführer im Zweiten Weltkrieg, Bernard Montgomery, verbrachte seine Winterferien in Mürren. Der berühmte Wintermantel, den «Monty» auch in den Ferien in Mürren trug, ist somit ein Symbol für den starken Einfluss britischer Wintertouristen in der Pionierzeit des Schweizer Skisports.
Alle Ausgaben der Schweizer Filmwochenschau sind digitalisiert im Sportmuseum erhältlich.
Eine beeindruckende Sammlung an Tennisrackets.
Die Skisammlung
Die Akkreditierungskarte des ehemaligen Bundesrates Emil Frey zum Eidgenössischen Turnfest in Liestal 1871.
Ein rares Voltigierpferd mit Kopf und Schweif aus dem Ende des 18. Jahrhunderts.

Die interessantesten Museumsstücke aus dem Basler Sportmuseum

Kenneth Nars

Nach vielen Monaten des Zitterns ist jetzt klar: Das Schweizer Sportmuseum ist selbst Geschichte. Die Stiftung, die hinter dem Museum steht, wird nun liquidiert. Die verbliebenen vier Teilzeitangestellten, die zusammen ein Pensum von 150 Stellenprozenten besetzten, haben Ende August die Kündigung erhalten. Im Oktober laufen die Verträge aus.

Bis dann hofft Stiftungsratspräsident Paul Engelmann auf einen Entscheid von Swiss Olympic. Der Schweizer Sportverband soll die Sammlung übernehmen und entscheiden, ob und wie sie zugänglich bleibt. Was mit der grössten Schweizer Sportsammlung passiert ist offen. In der Zeit seit der Gründung im Jahr 1945 sind 12'000 Objekte, 150 Laufmeter Aktenarchive und 11'000 Bücher, Zeitungen und Zeitschriften zusammengekommen, wie die Nachrichtenagentur sda berichtete.

"Verbaslert": Eine Gelegenheit einfach aufgegeben

Besonders betroffen zeigte sich der Basler SP-Grossrat Claudio Miozzari. Er hatte bis vor sechs Jahren selbst für das Museum gearbeitet, in vergangener Zeit aber kaum mehr hinter die Kulissen blicken können. In einem Tweet schrieb er nach Bekanntwerden der Schliessung: "Verbaslert!". Was heisst, dass man eine Gelegenheit sausen gelassen hatte.

Hans-Dieter Gerber (l.) und Beni Pfister beschwören an der Museumnacht im Sportmuseum den Mythos Rotblau.
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Ende des Sportmuseums Basel
Roger Federers Tennisschläger, benutzt im Finale des Australian Open 2009.
Und eine beeindruckende Sammlung an weiteren Tennisrackets
Das Historische Museum kann die Bestände des Sportmuseums nicht übernehmen. Es fehlen die Mittel.
Die Hoffnung war gross, das Sportmuseum doch noch retten zu können.
Dieses ist in seiner Existenz bedroht, nachdem sowohl der Bund als auch die beiden Basel ihre Subventionen gestrichen haben.
Einzig Swiss Olympic unterstützt das Museum noch bis Ende 2020.
Doch das reicht nicht einmal für die Miete.
Damit ist jetzt schon klar: Das Sportmuseum kann in seiner heutigen Form nicht weiterbestehen.
Einer der Skischuhe von Pirmin Zurbriggen von 1985
Besondere Exponate aus dem Fundus: Die Trillerpfeife vom Basler Schiedsrichter Gotti Dienst, mit der er am Finale von 1966 das beruehmte Wembley-Tor pfiff.

Hans-Dieter Gerber (l.) und Beni Pfister beschwören an der Museumnacht im Sportmuseum den Mythos Rotblau.

Kenneth Nars

"Dass das Schweizer Sportmuseum in Basel keine grosse Zukunft hat, ist nicht ganz neu", sagt Miozzari. "Der Überlebenskampf neigte sich bereits dem Ende zu." Er könne allerdings nicht beurteilen, wie realistisch die Weiterführung der Sammlung auf Bundesebene sei. "Man muss aber klar sehen: Das Sportmuseum ist schlicht das Archiv des Schweizer Sports."

Es wird ernst fürs Historische Museum Basel

Als Grossrat erwäge er nun einen Vorstoss oder zumindest eine informelle Anfrage, ob es für das Staatsarchiv oder das Historische Museum nicht wichtig wäre, bestimmte Teil der Sammlung mit Baselbezug wie beispielsweise die frühen FCB-Bilder im Notfall zu retten. Damit nimmt Miozzari eine Idee auf, die gegenüber der bz bereits geäussert wurde: Dass das Historische Museum in die Bresche springen möge.

Dort ist man mit Zusagen derzeit noch vorsichtig. Denn Übernahmen ganzer Konvolute von Museen hängen von einem Regierungsratsbeschluss ab. Einzelne Exponate mit Bezug zu Basel könnten hingegen in die Sammlung übernommen werden: "Wir hoffen aber nach wie vor, dass die Sammlung des Schweizer Sportmuseums erhalten wird oder zumindest in der Schweiz bleibt", sagt Manuel Eichenberger, kaufmännischer Direktor des Historischen Museums Basel.

Gedämpftere Stimmung beim Kanton

"Wir bedauern sehr, dass das Museum schliessen muss", so Eichenberger. Was mit Exponaten geschehe, hänge stets von der rechtlichen Lage ab. Grundsätzlich kann aber alles passieren, also auch eine Auktion: "Das ist ein grundsätzliches Thema bei Schliessungen von Institutionen dieser Art."

Beim Kanton klingt das Bedauern etwas gedämpfter: "Wir bedauern, dass das Sportmuseum für sich keine tragfähige Form für die Zukunft gefunden hat", wie es Sonja Kuhn, Co-Leiterin der Abteilung Kultur beim Präsidialdepartement, formuliert. Der Kanton hatte beschlossen, dass er dem Museum keine Gelder mehr zur Verfügung stellen will.

Über die definitive Schliessung sei die Abteilung Kultur via die Medienmitteilung vom Donnerstagmorgen informiert worden. Was eine allfällige Übernahme von hiesigen Exponaten angeht, hält es Kuhn ebenfalls knapp: "Die kantonalen Museen sind autonom zu entscheiden, was sie in ihre Sammlungen übernehmen möchten."