Bauinspektorat

Sterbehelfer stören in Wohnquartieren wie Prostituierte

Das Basler Bauinspektorat fällt einen Grundsatzentscheid: Sterbehilfe passt nicht in ein Wohnquartier. Damit setzt das Bauinspektorat einen Sterbe- mit einem Sexbetrieb gleich. Beide können gemäss der Behörde Anwohner psychisch belasten.

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Ärztin Erika Preisig bereitet in ihrem Sterbezimmer eine der letzten Infusionen vor.

Ärztin Erika Preisig bereitet in ihrem Sterbezimmer eine der letzten Infusionen vor.

Juri Junkov/Fotograf

Das Baser Bauinspektorat behandelt einen Sterbe- und einen Sexbetrieb gleich: Beide können in Wohnquartieren als nicht zonenkonform eingestuft werden, wenn sich Anwohner über sogenannte ideelle Immissionen beklagen. Das bedeutet, dass schon alleine das Wissen über die Anwesenheit des moralisch umstrittenen Betriebs als psychische Belastung geltend gemacht werden kann.

Das Basler Bauinspektorat fällte diesen Grundsatzentscheid bei der Begutachtung des ersten Sterbezimmers des Kantons. Dies berichtet die «Schweiz am Sonntag».

Sterbehelferin Erika Preisig kritisiert den Vergleich zum Sexgewerbe. «Sex ist etwas, das oft mit dem Betrügen eines Ehepartners zu tun hat und Leben und Familien zerstört», sagt sie. Durch einen begleiteten Freitod hingegen würden Familien zusammengeführt, da sie dabei fast immer anwesend seien. Es sei unhaltbar, das Sexgewerbe mit einer «Kultur des guten Sterbens» zu vergleichen: «Denn Sterbekultur ist Liebe, Sex hat nichts mit Liebe zu tun.»