Coronavirus
Streit zwischen Unia und Unternehmen spitzt sich zu: Keine Gewerkschafter auf Baustellen geduldet

Der Streit zwischen der Unia und den Arbeitgebern um die Ansteckungsgefahr auf Baustellen eskaliert. Die Vorwürfe der Unia sind heftig.

Michel Ecklin
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Die Unia erhebt heftige Vorwürfe gegen die Zustände auf den Baustellen.

Die Unia erhebt heftige Vorwürfe gegen die Zustände auf den Baustellen.

Bilder: Sandra Ardizzone

Die Gewerkschaft beschuldigt die Baufirmen und die Behörden, nicht genug zu tun, um die Ausbreitung des Coronavirus auf Baustellen zu verhindern. So heisst es in einem Brief der Unia an den Verband Bauunternehmer Region Basel: «Ihre Mitglieder sind dafür verantwortlich, dass in den vergangenen Wochen auf einem Grossteil der Baustellen die Hygiene- und Abstandsregeln nicht eingehalten wurden.» Die Unia ist sogar der Meinung, dass nur dank dem Eingreifen ihrer Vertreter auf Baustellen deren Schliessung habe vermieden werden können (bz berichtete).

Für «inakzeptabel» hält Theodor Häner, Geschäftsführer des Verbands Bauunternehmer Region Basel, die eigenhändigen Kontrollen der Gewerkschaft auf Baustellen. Die Aufgaben bei der Umsetzung der Vorschriften des Bundesamts für Gesundheit seien klar verteilt. «Die Unia hat auf Baustellen nichts zu suchen. Sie hat dort keinen Auftrag zu erfüllen.» Der Verband behält sich «weitere Schritte» vor. «Im Moment sind wir Gewehr bei Fuss und schauen, wie wir vorgehen, wenn die Unia weiterhin so handelt wie bisher.» Um welche Schritte es sich handeln würde, will er nicht präzisieren.

Doch bereits hat der Verband seine Mitgliederfirmen angewiesen, dafür zu sorgen, dass sich auf den Baustellen «nur noch diejenige befinden, die auch wirklich dort sein müssen». Man brauche derzeit niemanden, der glaube, alles besser zu wissen. «Die geschulten Leute sind bei den Unternehmen, sicher nicht bei der Unia.»

Auch den Vorwurf, die Firmen würden ihre Mitarbeiter zu wenig schützen, weist der Baumeisterverband von sich. «Wir tun das schon nur aus Eigeninteresse», sagt Häner. Denn die Alternative seien kranke Mitarbeiter und geschlossene Baustellen, «und das will jetzt wirklich niemand». Häner räumt gewisse Anfangsschwierigkeiten bei der Umsetzung der Massnahmen an. So habe es manchmal dauern können, bis ein zweiter Container da gewesen sei, um genug Abstand zwischen den Mitarbeitern zu wahren. Und natürlich könne es sein, dass «ein, zwei Firmen im Ausbaugewerbe» es mit den Vorschriften nicht so genau nähmen. Diese würden aber bald Schwierigkeiten kriegen. «Ich habe schon mehrmals gehört, dass eine Firma eine andere vom Platz weist, weil diese die Sicherheit nicht hochhält.»

Unterschiede zwischen Land- und Stadtkanton

Die Vorwürfe der Unia richten sich nicht nur gegen die Baufirmen, sondern auch an die Behörden, vor allem in der Stadt. Baselland habe die Arbeitsmarktkontrolle für das Baugewerbe (AMKB) mit den Kontrollen beauftragt, die Unternehmen würden dort kooperieren, sagt Thomas Leuzinger, Bereichsleiter Politik und Kommunikation bei der Unia Region Aargau Nordwestschweiz.

Ganz anders im Stadtkanton: «In Basel schaut die Regierung mehr oder weniger tatenlos zu», sagt Leuzinger. Die Ressourcen für die Kontrollen der Baustellen würden schlicht fehlen. Das Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt (WSU) des Kantons Basel-Stadt widerspricht. Auf Anfrage heisst es, das Arbeitsinspektorat stelle die Baustellenkontrolle sicher, zusammen mit dem Gesundheitsdepartement sowie dem Justiz- und Sicherheitsdepartement. «Die bisher über 30 Kontrollen in Basel-Stadt ergaben ein gutes Bild der Umsetzung», schreibt das WSU. «Die Vorschriften werden eingehalten.»

Leuzinger hält 30 Kontrollen für zu wenig und weist darauf hin, dass Baselland schon nur in der letzten Märzwoche 91 Kontrollen durchgeführt habe. Für ihn ist klar: «Diese Zahlen sprechen für sich.» Häner seinerseits sagt, er kenne die Situation in Basel weniger gut als diejenige im Baselbiet. Aber auch hier seien die Aufgaben klar verteilt: «Es gibt auch in der Stadt für die Unia keinen Grund, selber Kontrollen durchzuführen.»