Basel
Umstrittene BKB-Honorare: Albrechts Kanzlei machte eine Million

Die Basler Kantonalbank legt Aufträge an Bankräte und «zugewandte Orte» offen. Geschäftspartner des scheidenden Bankratspräsidenten Andreas Albrecht kassierten 1,13 Millionen Franken.

Stefan Schuppli, Moritz Kaufmann
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Mit der Auflistung sämtlicher Bezüge von Bankräten oder ihrer Firmen versucht die BKB Transparenz herzustellen.

Mit der Auflistung sämtlicher Bezüge von Bankräten oder ihrer Firmen versucht die BKB Transparenz herzustellen.

Kenneth Nars

Die Basler Kantonalbank setzt ihre Flucht nach vorn fort: Gestern legte sie alle Bezüge offen, die Bankräte (oder ihre Firmen) während den vergangenen fünf Jahren (bzw. von 2009 bis 2012) für Dienstleistungsaufträge der Bank erhalten hatten.

Albrechts Vischer AG

Am meisten kassierte die Kanzlei des scheidenden Bankratspräsident Andreas Albrecht: 1,13 Millionen Franken Honorare in fünf Jahren. Die von der BKB an Vischer vergebenen Mandate würden nicht an Albrecht, sondern an andere Partner der Kanzlei Vischer vergeben, teilt die BKB mit.

Albrecht sei zwar als einer von knapp 30 Partnern auch indirekt am Nettoerlös beteiligt. Da er an den betreffenden Mandaten aber nicht persönlich beteiligt sei, «ist der Einfluss dieser Mandate auf seinen persönlichen Gewinnanteil minimal» – deutlich unter 5000 Franken für das ganze Jahr 2013. Vischer sei die grösste Kanzlei in Basel. «Es ist daher nicht verwunderlich, dass die BKB einem kleinen Teil ihrer Rechtsberatungsbedürfnisse auch bei Vischer einkauft», rechtfertigt die Bank die Geschäftsvergabe.

Die Geschäftsleitung bzw. die ihr unterstellten Funktionen entscheiden alleine über die Auftragsvergabe und kaufen jeweils dort ein, wo es aus ihrer Sicht sinnvoll ist. Bei den Honoraren an Vischer sei keine einzige Arbeitsstunde von Albrecht enthalten. Seine Bemühungen sind vollumfänglich mit dem Bankrats-Honorar abgegolten; er vereinnahmt dafür kein separates Honorar.

Lehmanns Balrisk

Auch Lehmanns Firma Balrisk hat von BKB-Aufträgen profitiert. In den Jahren 2009 bis 2012 habe sie «für die Optimierung der Versicherungen, Beratungs- und Betreuungsleistungen sowie Schadenerledigungen» insgesamt 163 000 Franken an Courtagen von den Versicherungsgesellschaften eingenommen. Nach Abzug der Rückerstattungen von insgesamt gut 40 000 Franken an die Bank Coop und die BKB waren es 123 000 Franken. Die Abrechnung der Courtagen für das laufende Jahr liegt naturgemäss noch nicht vor.

«Ich bekomme kein Honorar von den beiden Banken, für die wir arbeiten. Balrisk wird von den Versicherungen entschädigt, wir sind unabhängige Broker», sagt Lehrmann zur bz. «Den Banken haben wir noch einen Viertel der uns zustehenden Courtage zurückbezahlt.»

Die Bank habe durch die Beratungen von Balrisk in erheblichem Umfang Kosten eingespart, so die BKB. Diese übersteigen die von Balrisk vereinnahmten Courtagen der Versicherungsgesellschaften um ein Vielfaches. Die von der Balrisk erbrachten Dienstleistungen seien zu marktüblichen Konditionen erbracht worden.

Hersbergers Orna

Die Orna Management AG von Helmut Hersberger wurde «aufgrund der spezifischen Expertise» in den Jahren 2009 bis 2010 zwei Mal beauftragt und kassierte insgesamt 28 000 Franken. Seither wurde Orna Management AG nicht beauftragt. Hersberger: «Ich nehme an, mit der Veröffentlichung dieser Liste wollte die BKB einfach noch mal höhere Transparenz schaffen.»

Jan Goepfert hat im Auftrag des Audit-Committees eine juristische Stellungnahme geschrieben. Diese wurde unter Selbstkosten abgerechnet (1000 Franken).

Sturms Sturm AG

Auch Andreas Sturm kassierte – bei der Bank Coop. Er habe in seiner Funktion als Mitglied des «Beirats Nachhaltigkeit» der Bank Coop diesen bei der Auditierung der nachhaltigen Fonds in den Jahren 2009 bis 2011 unterstützt. Er erhielt dafür 14 000 Franken. Dieser Auftrag bestand allerdings schon vor seiner Wahl in den Bankrat. Sturm ist nicht Mitglied des Verwaltungsrates der Bank Coop.

Kürzlich sagte der interimistische Bankratspräsident Sturm, er habe den im August erhaltenen Auftrag für die Erstellung des Jahresberichts zurückgegeben (die bz berichtete).