Uni-Rektor will die Studiengebühren für Ausländer erhöhen – aber nur leicht

Der Ständerat hat den Bundesrat beauftragt, die Zahl ausländischer Studenten mit Quoten zu beschränken. In Basel wehrt sich Unirektor Antonio Loprieno gegen diese Lösung; sie sei eine Diskriminierung.

Andreas Maurer
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Uni-Rektor

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Hat die Universität Basel zu viele ausländische Studenten, Herr Loprieno?

Antonio Loprieno: Nein, diesen Eindruck habe ich nicht. Im Schweizer Durchschnitt bewegen wir uns im oberen Mittelfeld. Universitäten wie Zürich oder Bern haben zwar weniger ausländische Studierende. Angesichts unserer geografischen Position an der Grenze haben wir aber eine sinnvolle Zahl ausländischer Studenten. Aktuell sind es 2500, also rund zwanzig Prozent.

Es braucht in Basel also keine Quote, welche die Zahl der Ausländer begrenzt?

Nein, wir haben kein Problem im Sinne einer Zahl, die wir nicht kontrollieren könnten. Das ist nur für einige Studiengänge in Technischen Hochschulen ein Thema.

Würde eine Quote der Uni Basel schaden?

Ja, denn ausländische Studenten sind für uns von grosser Bedeutung. Für die Universität sind sie vor allem auf höheren Ebenen wichtig, da wir ein demografisches Problem haben: Für Doktoratsprogramme fehlt oft der Schweizer Nachwuchs. Zudem sind ausländische Studenten ein Innovationsfaktor für die Wirtschaft. Und sie spielen auch eine Rolle bei Rankings: Die Zahl ausländischer Studenten weist auf die Attraktivität einer Universität hin.

Drücken ausländische Studenten nicht das Niveau der Uni Basel?

Das ist ein interessantes Thema, das vor allem von ETH-Seite diskutiert wird. Die eidgenössische Matur hat in der Tat ein höheres Niveau als vergleichbare Abschlüsse in anderen Ländern. Wir können von Studienanfängern aus dem Ausland aber nicht verlangen, dass sie schweizerisches Maturniveau haben. Denn das wäre eine Diskriminierung und würde die Mobilität in Europa gefährden. Das könnte auch Konsequenzen für unsere Studenten haben, die im Ausland studieren wollen. Deshalb sehe ich in Basel keinen Handlungsbedarf.

Politiker beider Basel sehen diesen vor allem bei den Studiengebühren: Diese sollen für Ausländer erhöht werden.

Wir müssen uns mit der Idee vertraut machen, dass wir ausländische Studierende hauptsächlich mit unseren Steuergeldern finanzieren. Es wäre unfair, wenn sie die Vollkosten tragen müssten, da unsere Studenten dies in den meisten Ländern auch nicht müssen. Da wir in der Schweiz den Sonderfall haben, dass primär die Kantone und nicht der Bund für die ausländischen Studenten aufkommen müssen, könnte ich mir aber einen symbolisch höheren Betrag für Studierende aus dem Ausland vorstellen.

Wie viel mehr möchten Sie von Ausländern verlangen?

Vielleicht 1000 Franken pro Jahr zusätzlich. Man muss sich bewusst sein, dass dies nur ein Tropfen auf den heissen Stein wäre. Die 2500 ausländischen Studierenden würden so das Budget um 2,5 Millionen Franken erhöhen. Das ist nicht viel bei einem Aufwand von 550 Millionen Franken. Eine stärkere Erhöhung der Gebühren ohne ein Stipendiensystem wäre aber eine Diskriminierung ausländischer Studenten.

Kann die Universität Basel die Studiengebühren für Ausländer im Alleingang leicht erhöhen?

Das wäre theoretisch möglich. De facto ist das aber schwierig, da wir dazu einen eidgenössischen Konsens anstreben. Die Frage der Studiengebühren müssen wir unbedingt auf eidgenössischer Ebene lösen.

Vor kurzem haben Sie in der Basellandschaftlichen Zeitung angeregt, dass man die Studiengebühren nur für Nicht-EU-Ausländer erhöhen könnte. Sind Sie davon abgekommen?

Nein, so würde ich das nicht sagen. Ich habe eine Unterscheidung zwischen EU- und Nicht-EU-Ausländern vorgeschlagen, da die Studenten in den meisten EU-Ländern wie in der Schweiz nur eine symbolische Studiengebühr zahlen müssen. In vielen Nicht-EU-Ländern hingegen müssen sie für die Vollkosten aufkommen - auch Schweizer, die dort studieren. Aus diesem Grund wären unterschiedliche Gebühren für EU- und Nicht-EU-Ausländer sinnvoll. Ich weiss aber nicht, ob diese Unterscheidung mit internationalen Abkommen vereinbar wäre. Als Denkanstoss möchte ich meinen Vorschlag aber beibehalten. Ich möchte damit auch zeigen, dass es absurd wäre, die Studiengebühren für Deutsche oder Franzosen massiv zu erhöhen, da Schweizer in diesen Ländern zu ähnlichen Bedingungen studieren können.

Die Basler Studentenorganisation Skuba wehrt sich laut gegen höhere Gebühren und Quoten für Ausländer. Ist dieser Protest voreilig?

Ja, das Wort «voreilig» würde ich unterstreichen. Das habe ich auch den Kolleginnen und Kollegen von der Skuba gesagt: «Alles mit der Ruhe. Es wird noch viel Wasser den Rhein hinabfliessen, bis diese Themen für die Universität Basel akut werden.»