Fondation Beyeler
Verkehrskonflikt um Fondation Beyeler – wohin bloss mit all diesen Besuchern?

Für die Erweiterung der Fondation Beyeler liegt das Verkehrsgutachten vor.

Christian Mensch
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Das Verkehrsgutachten für den Erweiterungsbau der Fondation Beyeler liegt vor.

Das Verkehrsgutachten für den Erweiterungsbau der Fondation Beyeler liegt vor.

Kenneth Nars

Die Gemeinde Riehen steht hinter ihrer Fondation Beyeler. Einstimmig nahm der Einwohnerrat im vergangenen November die Subvention für die kommenden Jahre an und stimmte einem Baurechtsvertrag zu einem symbolischen Preis zu. Damit erhielt die Museumssammlung grünes Licht vom grünen Dorf, ihren Erweiterungsbau zu realisieren. Nur das stetig steigende Verkehrsaufkommen bereitet den Kommunalpolitikern Sorgen. Zumindest ein Verkehrskonzept müsse das Museum deshalb vorlegen, lautete die Forderung.

Mit der Baueingabe, die das Architekturbüro Zumthor diese Woche eingereicht hat, lieferte die Fondation Beyeler ein solches Verkehrsgutachten mit. Die Autoren des Planungsbüros Gruner signalisieren in der 20-seitigen Studie Entwarnung.

Nach Szenario 1 werde es durch den Erweiterungsbau gar keinen «relevanten Mehrbesuch» geben, sondern lediglich eine «längere Verweildauer der Besucher». Szenario 2 sieht immerhin einen Zuwachs von zehn Prozent Besuchern vor. Bei Szenario 3 werden «mögliche Massnahmen» aufgezeigt, die zu realisieren seien, wenn sich «wider Erwarten» mehr als ein zehnprozentiger Besucheranstieg einstelle.

«Unkritisch» bei weniger als 1000 Besuchern täglich

Die Fondation steht gemäss Gutachten weder in der Pflicht noch hätte sie die Möglichkeit, selbst für eine wesentliche Ausweitung der Parkiermöglichkeiten zu sorgen. Die Planer rechnen vor: Unter Berücksichtigung aller rechtlichen Restriktionen könnte die Fondation mit der Museumserweiterung lediglich drei bis sechs neue Parkfelder erstellen, was zu «keiner nennenswerten Verbesserung der Parksituation führen» würde. Im Gegenteil: Mit dem Erweiterungsbau fallen zehn bestehende Plätze weg.

Eine Analyse des bestehenden und künftigen Individualverkehrs lässt die Planer zum Schluss kommen: Bei einem normalen Besucheraufkommen von unter 1000 Personen pro Tag sei die Situation «unkritisch». Dies dank der rund 100 Parkfelder, die im benachbarten Parkhaus zur Verfügung stehen.

Anders sei die Situation während erfolgreicher Ausstellungen wie der Picasso-Ausstellung im vergangenen Jahr. Diese wurde an Spitzentagen von 4200 Besuchern frequentiert. Bei solchen Blockbustern wird die kritische Schwelle nicht nur an den Wochenenden, sondern auch werktags überschritten. Wegen der starken Schwankungen des Besucherstroms würde sich allerdings auch bei einem Anstieg um zehn Prozent an der Ausgangslage wenig ändern; allenfalls werde es mehr Tage pro Jahr geben, in denen die Situation verkehrstechnisch nicht «unkritisch» ist.

Viele Besucher reisen mit dem ÖV an

Eine Befragung belegte die bisherige Annahme, dass drei von fünf Besuchern mit dem öffentlichen Verkehr anreisen. Bei 2500 Museumsbesuchern wären dies 455 Wagen, die sich in Riehen auf Parkplatzsuche machen. Die Gruner-Planer meinen deshalb: Für Veranstaltungen mit mehr als 2000 erwarteten Besuchern pro Tag «sind flankierende Massnahmen erforderlich».

Mehr als Hinweise enthält das Verkehrsgutachten dazu jedoch nicht: Auf der Website solle die Fondation über die Parksituation informieren und auf die ÖV-Angebote hinweisen. Zudem befinde sich beim Badischen Bahnhof ein öffentliches Parkhaus, das zusammen mit den BVB ein Kombiticket anbieten könnte.

Eine gute Nachricht enthält das Gutachten: Mit dem Erweiterungsbau der Fondation Beyeler fallen zwar am Zubringer Bachtelenweg zehn Parkfelder weg. Dadurch und ohne Parksuchverkehr reduziere sich in dieser Stumpenstrasse das Verkehrsaufkommen jedoch «erheblich».

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