Coronavirus

Volle Baumärkte, Coiffeure unter Hochdruck, Schlangen vor McDonald's: Der erste Tag der Basler Lockerung

Während der Andrang auf Gartencenter in beiden Basel gross war, herrschte in den Stadtquartieren Normalbetrieb.

Ayse Turcan, Dimitri Hofer, Kelly Spielmann
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Erster Tag der Lockdown-Lockerungen
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Am Tag der ersten Lockerungen wurden Pflanzen gekauft - oder gar gehamstert.
Grosser Andrang bei der Wiedereröffnung des McDrive in Allschwil.
Einschränkungen im Angebot bei Varibelle an der Schifflände.
Der Obi hat ab heute wieder offen. Es bilden sich Schlangen unermüdlicher Heimwerker und Hobbygärtner.
Der Obi hat ab heute wieder offen. Es bilden sich Schlangen unermüdlicher Heimwerker und Hobbygärtner.
Der Obi hat ab heute wieder offen. Es bilden sich Schlangen unermüdlicher Heimwerker und Hobbygärtner.

Erster Tag der Lockdown-Lockerungen

Andreas Schwald

Es ist schon eher sommerlich als frühlingshaft warm an diesem Montagmittag. Vor dem provisorischen Eingang des Obi-Markts am Dreispitz auf der Seite der Münchensteinerstrasse hat sich eine Warteschlange gebildet, die bis um die Ecke führt. Dort, vor der Fassade mit den verblichenen Sonnenblumen und der Aufschrift «Gartenparadies», warten etwa dreissig Personen in der prallen Sonne darauf, sich mit Garten- und Bauzubehör eindecken zu können.

Am Mittag bereits 600 Personen im Obi Dreispitz

«Blumen, Setzlinge, Erde, Kräuter und Holz – das läuft am besten», sagt der Filialleiter des Obi Dreispitz, Ralf Nötzold. Damit hatte er auch gerechnet. Die Anzahl Menschen, die heute hier einkaufen wollen, überrascht ihn jedoch eher: «Wir hätten nicht gedacht, dass es so viele werden.»
Nötzold schätzt, dass am Mittag bereits etwa 600 Personen eingekauft hatten. Auf der Ladenfläche seien jedoch nie mehr als 225 Personen gleichzeitig anwesend, damit die Abstände in jedem Fall eingehalten werden könnten.

Lange Schlangen sind auch vor den vier Landi-Filialen im Baselbiet zu beobachten. Das Unternehmen darf seine Gartenabteilung und den Baufachmarkt wieder öffnen. «In der Filiale in Aesch warteten die Menschen bereits eine Stunde vor der Ladenöffnung» sagt Beat Gisin, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Landi Region Basel. «Mit dem ersten Tag sind wir sehr zufrieden», bilanziert er. «Wir hoffen, dass es in den nächsten Tagen so weitergeht.»

Die meisten Coiffeursalons hatten am Montag geöffnet

Nicht nur Grossverteiler wie Do it + Garden, Obi und die Landi dürfen seit gestern wieder geöffnet haben, auch kleinere Gärtnereien und Blumenläden haben den Betrieb wieder aufgenommen. Anders als vor den grossen Zentren präsentiert sich in den Quartieren ein normaleres Bild. Während vor dem Jumbo am Claraplatz immerhin zehn Leute auf den Einlass warten, sieht es in Geschäften wie dem Blumenhaus Köpfer im Gellert aus wie vor Corona.

Auch im Kleinbasel herrscht am Montag beinahe die gewohnte Geschäftigkeit. Grund dafür ist mit die hohe Coiffeur-Dichte im Quartier. Denn auch Kosmetik-, Massage- und Friseursalons dürfen wieder Kunden bedienen – unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln. Obwohl der Montag traditionell der Ruhetag der Coiffeure ist, haben die meisten Läden geöffnet.

Die Polizei baut die Kontrollen in der Stadt aus

Trotz des Ansturms scheinen sich die Menschen an die Verhaltensregeln gehalten zu haben. «Aufgrund der Wiedereröffnung vieler Geschäfte haben wir dort unsere Patrouillentätigkeit erhöht», sagt Toprak Yerguz, Sprecher der Polizei Basel-Stadt. Meldungen über Streitereien in den Schlangen seien ihm nicht bekannt.
Ähnlich klingt es im Landkanton: Die Polizei habe keine Kunden büssen müssen, sagt Andrea Bürki, Sprecherin des Baselbieter Krisenstabs. Das Kantonale Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (Kiga) kontrollierte, ob die Läden die Sicherheitsbestimmungen einhalten. Nur einmal sei es unterlassen worden, genügend Markierungen auf dem Boden anzubringen. «Der Betreiber wurde darauf hingewiesen.» In den nächsten Tagen werde kontrolliert, ob sich die Situation verbessert habe.

Manche probieren’s sogar zu Fuss

McDonald’s 10:55 Uhr in Füllinsdorf: Einige Plakate sind die einzigen Hinweise darauf, dass der McDrive in fünf Minuten öffnet – nach der langen Pause startete McDonald’s gestern wieder mit dem Drive-in und dem Lieferservice. Der Ansturm kommt erst kurz nach der Wiedereröffnung, dann aber richtig: Um 11:15 Uhr stehen Dutzende Autos Schlange. «Nach so langer Zeit ohne McDonald’s musste ich heute einfach kommen», meint ein Kunde. Dies trotz begrenzter Auswahl – nur die «Klassiker» gibt es zur Zeit. «Wir haben unser Angebot beschränkt, damit es sicher und schnell geht. Aktuell fokussieren wir uns auf die Produkte, die am häufigsten bestellt werden», sagt Mediensprecherin Jae Ah Kim.

Gestern seien Big Macs und Happy Meals die meistverkauften Gerichte gewesen. Um an einen der Klassiker zu kommen, versuchen es in Füllinsdorf sogar zwei Frauen zu Fuss: Zwischen zwei Autos gehen sie langsam zur Bestellanlage vor, werden dort aber wieder weggeschickt. Denn, wie Kim sagt, dürfe der McDrive nur mit dem Auto oder dem Motorrad besucht werden.

In Pratteln steht vor dem McDrive-Eingang ein Mitarbeiter und weist mit einem Schild auf den Eingang hin, um Kunden anzulocken. Nötig wäre dies wohl nicht, denn auch hier stehen über ein Dutzend Autos an. So auch in Allschwil: Die Schlange geht um das ganze Restaurant. Und doch geht der Service schnell. Beim Selbstversuch dauert es nur 14 Minuten, bis eine Mitarbeiterin die braune Tüte mit Nuggets und Pommes aus dem Fenster streckt. Es sei unglaublich viel los, sagt sie. «Aber es ist schön, dass wir wieder etwas zu tun haben.»

Kelly Spielmann