Sperrgutabfuhr

Wegen Stadtbild: Basler Gratis-Sperrgutabfuhr ist am Ende

Die Basler Regierung hat genug von den Müllbergen auf den Trottoirs. Sie stellt nach zwei Jahren den schweizweit einzigartigen Pilotversuch ein.

Hans-Martin Jermann
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Gratis-Sperrgutabfuhr

Gratis-Sperrgutabfuhr

bz Basellandschaftliche Zeitung

Der Schuss ist nach hinten losgegangen: Mit der Gratis-Sperrgutabfuhr wollte der Kanton Basel-Stadt eigentlich das wilde Deponieren bekämpfen und das Stadtbild verschönern.

Erreicht wurde das Gegenteil: Laut Jürg Hofer wird heute doppelt so viel Sperrgut illegal entsorgt wie vor Einführung des Pilotversuchs. Der Leiter des Amts für Umwelt und Energie erklärt sich das so: Das Angebot habe zu einem sorglosen Umgang mit Abfall geführt: «Jetzt müssen wir der Bevölkerung aufzeigen, dass Entsorgung mit Aufwand verbunden ist.» Auch das Stadtbild wurde kaum verschönert; im Gegenteil präsentierten sich die Quartiere an Abfuhrtagen als Mischung aus Müllhalde und Flohmarkt.

Steuerzahler bezahlte Gratis-Abfuhr

Die Menge des abgeführten Sperrguts übertraf kühnste Erwartungen: 2009 transportierte die Stadtreinigung 5000 Tonnen ab, dieses Jahr waren es immer noch 3300 Tonnen.

Die Hoffnung, nach der Gratis-Hysterie zu Beginn würde sich die Situation normalisieren, hat sich nie erfüllt. Pro Abfuhrtag sank das Gewicht des abgeführten Sperrguts in den beiden Jahren nur unwesentlich von 186 auf 152 Tonnen.

Sperrgut in rauen Mengen

Der Tagesrekord liegt bei 360 Tonnen im Frühling 2009 im Gundeli. Hofer erinnert sich: «Die Leute von der Abfuhr erhielten kurzfristig Verstärkung von Strassenwischern. Gemeinsam krampften sie bis spätabends.»

Hofer ärgert sich, dass neben dem für die Abfuhr vorgesehenen brennbaren Sperrgut wie Sofas, Bettgestelle, Matratzen, Tische und anderen Möbeln in rauen Mengen auch andere Güter wie Elektronikgeräte, Metall und Papier auf die Strasse gestellt wurden, für die andere, kostenlose Entsorgungsmöglichkeiten bestehen.

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Die ungeheuren Mengen haben hohe Kosten verursacht: 3,5 Millionen Franken hat der Kanton in den zwei Jahren für die Gratis-Abfuhren ausgeben, im selben Zeitraum aber nur eine Million via Sackgebühren hereingeholt.

Die Gratis-Abfuhren sind also kräftig aus Steuergeldern mitfinanziert worden: «Das ist ein Verstoss gegen das Verursacherprinzip, wie es im Umweltschutzgesetz des Bundes verankert ist», stellt Hofer klar. Aus den genannten Gründen zieht die Regierung jetzt einen Schlussstrich: «Die Basler konnten ihre Estriche räumen. Jetzt gehen wir wieder zum normalen Regime über», sagt Hofer erleichtert.