Lärmschutz

Widerstand der Bass-Freunde gegen die Lärm-Bekämpfer

Das Basler Amt für Umwelt und Energie (AUE) schränke die künstlerische Freiheit der Festivalveranstalter und Club-Betreiber in der Stadt ein. Dies ist der Vorwurf des Vereins «Kulturstadt jetzt!».

Nicolas Drechsler
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Club- und Festivalbetreiber befürchten Probleme für einige Musikrichtungen. Auch das Open Air Basel könnte von den neuen amtlichen Regelungen betroffen sein.

Club- und Festivalbetreiber befürchten Probleme für einige Musikrichtungen. Auch das Open Air Basel könnte von den neuen amtlichen Regelungen betroffen sein.

Zur Verfügung gestellt

Techno, Electro, Drum and Bass und so weiter tanzen in Basel düsteren Zeiten entgegen. Die Regelungen des Amts für Umwelt und Energie (AUE), welche die Lärmmessung bei Musiklokalen betreffen, wirbeln in der Basler Kulturszene zünftig Staub auf. Der Verein «Kulturstadt Jetzt!» wehrt sich in einer Medienmitteilung gegen die am Dienstag von der bz publik gemachten Messverfahren, die insbesondere die tiefen Frequenzen stärker kontrollieren sollen.

«Diese neuen Regelungen haben massive Auswirkungen. Wir gehen davon aus, dass diese Regelungen einem Aufführungs-Verbot gewisser Musikstilrichtungen gleichkommen», sagt SP-Grossrätin Kerstin Wenk, die auch eine Interpellation zu diesem Thema eingereicht hat. Dass die Regelungen nicht neu seien, sondern bereits ein Jahr alt, ändere daran wenig. Denn die Clubbetreiber würden erst dann davon erfahren, wenn sie ihre Bewilligungen erwerben oder erneuern müssten. Man könne kaum erwarten, dass jeder Clubbesitzer täglich auf der Internetseite des AUE nachschauen gehe, ob es denn zufällig wieder eine neue Regelung gäbe.

Probleme für Drum and Bass

Fakt sei, gewisse Musikstilrichtungen beruhten speziell stark auf den Bässen. Ausserdem seien die Musikanlagen der Clubs in den letzten Jahrzehnten immer besser geworden. Aber der nun gewählte Wert für die Bässe sei willkürlich und zudem viel zu streng, so der Verein «Kulturstadt Jetzt!» weiter.

«Was auch sehr störend ist, ist die Aussage von Matthias Nabholz, dass der «Lärm» der Musik mit einer Säge gleichzusetzen sei. Das sind zwei verschiedene Dinge, die es auch zu unterscheiden gilt», kritisiert Wenk den Leiter des AUE. Vor allem aber sei die Vorgehensweise nicht in Ordnung: «Wenn ich einen Club habe und nie Probleme hatte, finde ich es schwierig, wenn man nun die Spielregeln ändert. Ohne dass vorab informiert, geschweige denn das Gespräch gesucht wurde.»

Eingriff in die Freiheitsrechte

Die Regeln des AUE gelten für alle Messungen. Sie verunsichern neben den Clubbetreibern vor allem auch die Festivalveranstalter bei «Kulturstadt Jetzt!». In ihrer Interpellation zieht Wenk eine Parallele zum Kulturfloss im Rhein. Dort hatte das Bundesgericht entschieden, dass die Lärmschutzmassnahmen zugunsten der Anwohner nicht dazu führen dürften, dass ein Konzert seinen eigentlichen Zweck nicht mehr erfüllen könne.

Genau das sei aber der Fall, wenn bei elektronischer Musik der Bass so weit zurückgedreht werden müsse, dass die Musik verfälscht werde. Deshalb fragt Wenk in ihrer Interpellation an: «Wie rechtfertigt der Regierungsrat diese Einschränkung der Programmierung im Zusammenhang mit der künstlerischen Freiheit?»

Unabhängig von den neuen Richtlinien für Messingenieure ist die Basler Clubszene derzeit in einer Phase des Wandels, weil mit dem Nordstern und dem Hinterhof gleich zwei Zwischennutzungen zu Ende gehen. Das hat zu politischen Diskussionen geführt, von einem «Clubsterben» ist die Rede. Kerstin Wenk stört sich nun daran, dass die Regierung vor kurzer Zeit in einer Antwort auf einen Vorstoss dazu noch geschrieben hatte: «Der Regierungsrat vertritt grundsätzlich die Haltung, dass keine unnötigen Regelungen angewendet werden sollen.» Er hatte zudem zugesichert, die bereits geltenden Regelungen zu prüfen.

Nun werde nahezu zeitgleich eine neue, noch strengere Regelung verfügt, die an der Realität vorbeiziele und deren Rechtsgrundlage sich ihr nicht erschliesse. Auch sei ihr unverständlich, dass man Musik als reinen Störlärm betrachte: «Man kann Musik nicht einfach als Lärm irgendwo zwischen Flugzeugstart und Schiessstand einstufen.»