Wie Dagobert zufällig Schnulzensänger wurde und erstmals in der Stadt auftritt

Der gebürtige Aargauer Dagobert Jäger erfand in Berlin den «Indie-Schlager» – am Samstagabend tritt er zum ersten Mal in Basel auf. Er erzählt, wie er aus einem langweiligen Kaff in Deutschlands Hauptstadt gelangte.

Jasmin Grasser
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Dagobert Jäger singt ausschliesslich von der Liebe. Fabian Frost/ZVG

Dagobert Jäger singt ausschliesslich von der Liebe. Fabian Frost/ZVG

Fabian Frost ZVG

Rund 20 Minuten dauert der Dokumentarfilm «Dagobert-Schnulzensänger aus den Bergen». Darin begleitet ein Kameramann den Sänger Dagobert Jäger durch seine Wohnung in Berlin, zeichnet auf, wie der Künstler seine Haare mit Vaseline und Kamm frisiert. Dazwischen erzählt Dagobert aus seinem Leben. Deutsche Medien feiern ihn als Erfinder eines neuen Musikgenres: dem «Indie-Schlager.»

Nach dem Film bleibt die Frage, ob der Künstler echt ist, oder ob es sich um ein abgehobenes Projekt handelt. Dagobert besteht darauf, dass der Film die Realität abbilde. «Natürlich habe ich meine Geschichte mittlerweile so oft erzählt, dass ich sie auch vereinfacht habe», sagt der Sänger nonchalant am Telefon. Daher verstehe er, dass es ausgedacht klinge, wenn er von seinem Leben erzähle. Kümmern tut ihn das nicht. «Ich gebe mir keine Mühe, den Leuten ein bestimmtes Bild von mir zu geben.»

Ungewöhnliche Lebensweise

Dagobert wurde 1982 im Kanton Aargau geboren, «in einem langweiligen Kaff zwischen Basel und Zürich», wie er selbst sagt. Er ist das jüngste von fünf Kindern. «Meine Eltern haben nie versucht, etwas durch mich zu verwirklichen, dass sie selbst nicht erreichen konnten», sagt er ruhig. Da er keinen vorgeschriebenen Plänen folgen musste, verwirklichte er stattdessen seine eigenen: Nach der Matur zog er in den Proberaum einer befreundeten Rockband, «die wirklich schlecht war» und lebte zwei Jahre als «Penner». «Nach 20 Jahren Bürgerpflicht war mir klar, dass dieses Konzept für mich nicht funktioniert.»

Im Proberaum versuchte er sich an den herumstehenden Instrumenten. Die damaligen Kompositionen seien sehr primitiv gewesen. «Ich habe mir einfach drei bis vier Töne gesucht, die zusammengepasst haben», blickt der Musiker zurück. Dennoch gewann er mit seinen Aufnahmen einen Kulturpreis. Mit dem Gewinn von 18'000 Franken zog er für ein halbes Jahr nach Berlin. «Ich hatte eine Spitzenzeit», sagt er unaufgeregt. Er habe einige radikale Entscheidungen getroffen in seinem Leben. «Ich bin sehr konsequent bei dem, was ich will.» Nach einem halben Jahr in der bezahlten Wohnung in der deutschen Hauptstadt suchte er die komplette Ruhe.

Diese fand Dagobert in den Schweizer Bergen. «Die Musik, mit der ich den Preis gewonnen habe, war echt schlecht und ich wollte versuchen, konzentriert zu arbeiten.» Er wollte vier Wochen im Ferienhaus seines Onkels in Panix, Graubünden, bleiben – es wurden fünf Jahre daraus, in denen der Sänger isoliert an seiner Musik arbeitete. Diese Dauer erklärt Dagobert damit, dass er den Absprung nicht geschafft hätte.

«Ich wollte keinen beliebigen Job annehmen und mein Leben in den Bergen hat funktioniert.» Damals dachte er darüber nach, komplett aus dem Leben auszusteigen und in Afrika zu leben, um gar nichts machen zu müssen. «In den Bergen habe ich mich dafür abgehärtet.»

Inspirationsquelle Scorpions

Musik sei über zwölf Jahre das einzige gewesen, das ihn nicht gelangweilt hätte. Er sei nicht davon ausgegangen, dass sich jemand für seine Lieder interessiere, sagt der mittlerweile wieder in Berlin lebende Sänger. Es kam anders, sein Debütalbum erschien im April 2013.

Es passt irgendwie gut, dass er seine Musik keinem Genre zuordnen will. Inspiriert von den The Scorpions, «ich habe sechs Jahre nichts anderes gehört», David Hasselhoff und Olaf von den Flippers vertont er nach eigener Aussage Liebesbriefe. «Ich kann über nichts anderes singen als die Liebe», sagt er. Das würde in naher Zukunft so bleiben – obschon er hoffe, dass noch andere Themen dazu kommen würden. Dass die Kombination von einfachen Songstrukturen und deutschen Texten über Liebe nach Schlager klingen, ist ihm bewusst – lieber bezeichnet er sich als Schnulzensänger und Unterhalter. Heute spielt er sein erstes Konzert in Basel. «Man sollte nichts erwarten – weil es nie das ist, was man erlebt.» Seine Musik habe eine eigene Kraft – die habe bisher immer gut funktioniert, sagt er verschmitzt.

Dagobert, Konzert am Samstagabend im Restaurant Hirscheneck, 22 Uhr, 15 Franken.