Souvenir

Wortwörtlich: Die Cup-Sieger haben Basel demontiert

Die Sion-Spieler präsentierten ihren Fans nicht nur den Cup-Pokal, sondern auch das «St. Jakobs-Strasse»-Schild. «Früher waren die Strassenschilder beliebte Objekte, besonders das Schild des Elftausendjungferngässleins», heisst es beim Tiefbauamt.

Samuel Hufschmid
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Die Sion-Spieler feierten ihren 13. Cup-Titel bis in die frühen Morgenstunden. Mit dabei nicht nur die begehrte Sandoz-Trophäe, sondern auch ein Basler Strassenschild.

Die Sion-Spieler feierten ihren 13. Cup-Titel bis in die frühen Morgenstunden. Mit dabei nicht nur die begehrte Sandoz-Trophäe, sondern auch ein Basler Strassenschild.

Keystone

Tausende Sion-Fans haben in der Nacht auf Montag den Cup-Triumph ihrer Mannschaft in der Sittener Innenstadt gefeiert. Auf einem offenen Lastwagen wurden die Spieler zur Bühne auf dem «Place de la Planta» chauffiert. Dabei wurde den Fans nicht nur die Sandoz-Trophäe präsentiert, sondern auch ein Basler Strassenschild, wie mehreren Fotos der Feierlichkeiten zu entnehmen ist.

Wie genau das «St. Jakobs-Strasse»-Schild auf das Sion-Podest gelangte, kann auch Sion-Pressesprecher Nicolas Pillet nicht mehr nachvollziehen. Er sagt, dass das Schild vermutlich von einem Fan gehalten werde, fügt aber gut gelaunt an, «dass der FC Sion auf jeden Fall spontan anbiete, das Schild zu ersetzen.»

300 Franken Schaden

Beim Basler Tiefbauamt wurde das fehlende Schild am Dienstagmorgen noch nicht entdeckt. Wenn der Verursacher gemeldet würde, werde die Strassentafel den Betreffenden in Rechnung gestellt, sagt Sprecher André Frauchiger auf Anfrage. Und: «Dass das Schild auf dem Gruppenfoto der Sion-Spieler zu sehen ist, sagt noch nichts über den Verursacher aus.» Die Herstellung einer neuen Tafel und die Montage koste rund 300 Franken und daure in der Regel zwei Tage.

Im Allgemeinen habe die Problematik gestohlener Schilder seit der Umstellung von Email auf Aluminium abgenommen, sagt Frauchiger. «Früher waren die Strassenschilder beliebte Objekte, besonders das Schild des Elftausendjungferngässleins. Dieses wurde so oft entwendet, dass es schliesslich wesentlich höher und nicht mehr abnehmbar montiert wurde.»

Grundsätzlich wird beim Tiefbauamt keine Statistik über entwendete Strassenschilder geführt. Daher kann Frauchiger nicht sagen, wie oft die St. Jakobs-Strasse-Schilder von Fussballfans als Souvenirs mitgenommen worden sind.

Ein kurzer Augenschein vor Ort zeigt, dass am Sonntag auf jeden Fall mehrere Strassenschilder entfernt worden sind. Das Strassenschild, das es bis auf das Walliser Cupfeier-Podest geschafft hat, wurde vermutlich von einem Pfosten vis-à-vis des Stadions entfernt. Dieser steht etwas verloren in der Landschaft, sein Pendant gegenüber der Strasse zeigt das Cupfinal-Schild.

Das Strassenschild wurde vermutlich von einem Pfosten vis-à-vis des Stadions entfernt.

Das Strassenschild wurde vermutlich von einem Pfosten vis-à-vis des Stadions entfernt.

Daniel Nussbaumer

Ob sich die Walliser Fussballfans und -stars der Bedeutung des Strassennamens bewusst sind, ist ebenfalls unklar. Dem Basler Geoportal ist auf der Karte «Basler Strassennamen» auf jeden Fall zu entnehmen, dass die St. Jakobs-Strasse 1861 amtlich benannt worden ist, und zwar nach dem aus dem 13. Jahrhundert stammenden Sakralbau, der 1894/95 abgebrochen und wiederaufgebaut worden ist. Namensgeber der Kirche und damit von Strasse und Stadion ist der Heilige Jakob, auch Jakobus der Ältere genannt, einer von Jesus’ zwölf Aposteln. Gemäss Wikipedia ist er der Schutzpatron Krieger, Hutmacher, Kettenschmiede und – in diesem Fall nicht ganz unpassend – der Pilger.