Jubiläum

«Wünsch dir was»: Diese Ausstellung wurde von Baslerinnen und Baslern kreiert

Nach 125 Jahren Museum der Kulturen kreierten die Besucher eine Ausstellung. Rund 300 Baslerinnen und Basler haben die Objekte Anfang Jahr ausgewählt. Die 125 beliebtesten Stücke kommen ins Museum.

Alice Guldimann
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Wünsch dir was – Ausstellung im Museum der Kulturen
13 Bilder
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Platz 1 Der deutliche Gewinner des Votings: Fasnachtsmaske Rhiischnoog; Neuenburg am Rhein, Deutschland; 1964; Holz; H: 27 cm, B: 17.5 cm
Platz 2 Kopf des Vogels Garuda, Teil einer Prozessionsfigur; Rantau Benar, Region Jambi, Sumatra, Indonesien; vor 1913; Holz; L: 48 cm, H: 27 cm
Platz 3 Kopfschmuck zu einem Zeremonialkleid; Kayan oder Kenyah, Borneo, Indonesien; vor 1982; Tierhaar, Eberhauer, Feder, Fell, Messingblech; D: 18 cm, H: 23 cm
Platz 4 Figur Tod mit Narr aus dem Zyklus des Zizenhausener Totentanzes (inspiriert vom Basler Totentanz); Stockach, Baden-Württemberg, Deutschland; vor 1978; Ton bemalt; H: 14 cm, B: 8.7 cm
Platz 5 Streichholzschachtel mit Miniaturszene "Susanne im Bad" in Streichholzschachtel; Erzgebirge, Sachsen, Deutschland; um 1930; Holz, Karton; L: 6 cm, B: 4 cm, H: 2 cm
Platz 6 Messer zum Gemüseschneiden; Himalaya, Nepal; vor 1966; Eisen; L: 39.5 cm, H: 18 cm
Platz 7 Film "Farafin a ni Toubabou. black and white ethical projects. performances, instruction pieces & videos"; Adrien Sina; Bamako, Mali; 2007; Dauer: 05:07 min
Platz 8 Papierdrachen; Kabul, Afghanistan; vor 1971; Seidenpapier, Holz; B: 57cm
Platz 9 Schlichtmaschine, Marke PRAKMA; Berlin, Deutschland; 20. Jh.; Eisen, Leder; L: 48 cm, H: 41 cm
Platz 10 Zupfinstrument sanza; Demokratische Republik Kongo; 1. Hälfte 20. Jh.; Holz, Metall; L: 13.7 cm, B: 6.8 cm

Wünsch dir was – Ausstellung im Museum der Kulturen

Kenneth Nars

Eine unscheinbare Milchglas-Tür am Tellplatz oder ein Eingang zu einer anderen Welt. Masken, Skulpturen und Werkzeuge von überall lagern hier und warten darauf, entdeckt und bestaunt zu werden. Säuberlich in Kisten verpackt, verbergen sie Geschichten, die erzählt werden wollen. Wer hat auf dem über 100-jährigen Kinderkochherd gespielt? Wer war die Person, die von ihren Feinden in Südamerika zu einem Schrumpfkopf verarbeitet wurde?

125 solche Geschichten liegen zurzeit in der Restaurationsabteilung des Museums der Kulturen. Sorgfältig nebeneinander aufgereiht auf Tischen und Regalen. Ein zarter Haarschmuck aus China, ein mexikanischer Totenreiter, eine pastellfarbene Weihnachtskrippe aus Krakau, die stark an das berühmte Disney-Schloss erinnert.

Restauratoren unter Zeitdruck

Rund 300 Baslerinnen und Basler haben die Objekte Anfang Jahr ausgewählt. Weil sie sie «einfach wunderschön» fanden, weil sie vom Material fasziniert waren, oder weil sie sie berührten. «Viele Besucher wählten ein Objekt, weil es sie an ihre Kindheit oder an vergangene Reisen erinnert hat», erklärt Kuratorin Karin Kaufmann. Sie kümmert sich um die Ausstellung zum Museums-Jubiläum, die komplett von der Basler Bevölkerung bestückt wurde. Nach der Auswahl im Depot gab es im April ein Online-Voting auf der Seite der bz Basel. Die 125 beliebtesten Stücke kommen ins Museum.

Die gewählten Objekte werden nun in der Restaurierungsabteilung fit gemacht. Das kann bei gut erhaltenen Objekten eine halbe Stunde dauern, bei schwierigen Fällen mehrere Tage. Stephanie Wümmers ist eine von vier Restauratorinnen des Museums, die sich im Moment alle Mühe geben, bis im September mit allen 125 Ausstellungsstücken durchzukommen.

Mit feinen Pinseln bearbeitet Stephanie Wümmers eine Götterfigur aus Bali. Viel muss nicht gemacht werden, sie entfernt lediglich eine feine Staubschicht. Bei einer Restaurierung ist man heute viel vorsichtiger als früher: «Viele Materialien, die man verwendet hat, wären nach heutigen Standards zu aggressiv.» Man brauchte damals zum Beispiel giftige Pestizide für die Schädlingsbekämpfung. Heute achte man darauf, die Objekte möglichst im Urzustand zu belassen und lediglich erhaltende Massnahmen durchzuführen, so Wümmers.

Fragiles Material

Die Jubiläumsausstellung stellt die Restauratoren vor einige Herausforderungen. «Es ist eine ganz andere Vorgehensweise als sonst. Sonst arbeiten wir meist mit mehreren Objekten aus einem Themenbereich, die einander ähnlich sind», sagt Wümmers. Ebenfalls habe man bei einer regulären Ausstellung immer die Möglichkeit, einzelne Exponate im schlimmsten Fall auszuwechseln. Einiges, was die Basler ausgesucht haben, hätte es sonst womöglich nicht ins Museum geschafft.

Ein Papier-Drachen aus Afghanistan beispielsweise, der beim Voting auf dem achten Platz gelandet ist. Das Material ist gemäss Wümmers sehr fragil. Ein anderes Objekt, noch in der Verpackung, ist von Schimmel befallen und muss vor der Ausstellung aufwendig dekontaminiert werden. Gäbe es einen Ersatz, bliebe es wohl im Regal liegen.

Neben der Restaurierung werden die 125 Werke dokumentiert und die Kuratoren recherchieren die Hintergründe dazu. «Herauszufinden, wie alt genau all die Objekte sind, ist jedoch schier unmöglich», erklärt Wümmers. Ebenfalls fertigen die Restauratoren für die meisten spezielle Halterungen an. Diese sollen die Objekte schützen und im besten Licht darstellen.

Die Ausstellung «Wünsch dir was» findet vom 14. September bis zum 9. Januar im Museum der Kulturen statt.