Urteil
Zweimal die eigene Wohnung angezündet – Nun muss der junge Basler in die geschlossene Psychiatrie

Ein 22-jähriger Basler zündet zweimal seine Wohnung an. Schuldig gesprochen wird er aber auf Grund einer Schizophrenie nicht. Jedoch bleibt er nach dem Urteil des Strafgerichts in der Psychiatrie.

Patrick Rudin
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Der 22-Jährige leidet unter Schizophrenie. Nachdem er zwei Mal seine Wohnung angezündet hat, kommt er in die geschlossene Psychiatrie. (Symbolbild)

Der 22-Jährige leidet unter Schizophrenie. Nachdem er zwei Mal seine Wohnung angezündet hat, kommt er in die geschlossene Psychiatrie. (Symbolbild)

Keystone

«Wie lange muss ich dort bleiben?», fragte der 22-jährige Mann nach der Urteilsverkündung. «Das kann ich Ihnen nicht sagen», versuchte Gerichtspräsidentin Sarah Cruz ihm zu erklären. «Dort», das bedeutet geschlossene Psychiatrie, oder auch ein Massnahmenzentrum, mit etwas Glück mit der Möglichkeit einer Ausbildung.

Die Kombination ist ungewöhnlich: Das Dreiergericht verhängte am Montag sowohl die berüchtigte stationäre Massnahme von unbestimmter Dauer nach Artikel 59, gleichzeitig aber auch die mildere Massnahme einer Arbeitsintegration für junge Erwachsene nach Artikel 61.

Geschlossene Psychiatrie an Stelle ambulanter Therapie

Der 22-Jährige leidet an einer paranoiden Schizophrenie und hatte sich vor allem gegen die schärfere Massnahme gewehrt, er wollte eine ambulante Therapie. Daraus wird nun nichts: Am Montag gab es Schuldsprüche wegen zweier vorsätzlicher Brandstiftungen, von einer rein ambulanten Begleitung wollte das Gericht nichts wissen.

Der Mann hatte im Mai 2019 seine eigene Wohnung in der Basler Münchensteinerstrasse angezündet. Die Feuerwehr rückte an, das gesamte Haus musste evakuiert werden. Im Januar 2020 wiederholte sich die Szene in seiner pädagogischen Wohngruppe in Reinach, auch hier gab es einen Grosseinsatz der Feuerwehr.

Kein Vertrauen mehr in die Justiz

Verteidigerin Cinzia Santo sprach von Fahrlässigkeit, drang damit aber vor Gericht nicht durch. Sie betonte, ihr Mandant habe nach einer früheren ungerechtfertigten Haft das Vertrauen in sein Umfeld und die Justiz verloren, in ihm sei damals etwas zerbrochen. Für sechs Monate Haft habe er damals eine Entschädigung von rund 22 000 Franken erhalten, damit sei er völlig überfordert gewesen. «Er hat das Geld zerrissen», sagte Santo.

Der Mann hat eine jahrelange Geschichte von Cannabiskonsum und kurzen stationären Aufenthalten in der Psychiatrie hinter sich, die Verteidigerin betonte, keiner dieser Aufenthalte habe etwas gebracht. «Der Familie wurde immer gesagt, es könne erst etwas unternommen werden, wenn etwas passiert. Eine präventive Behandlung gebe es nicht», so Santo.

Eltern erwirken Kontaktverbot gegen eigenen Sohn

Die Familiensituation ist inzwischen prekär: Seine Eltern haben gegen den Mann ein Kontaktverbot erwirkt. Zwei Wochen nach dem Brand an der Münchensteinerstrasse klingelte er bei seinen Eltern, was die Staatsanwaltschaft als Ungehorsam gegen eine amtliche Verfügung anklagte. Doch Gerichtspräsidentin Sarah Cruz sagte, das Kontaktverbot enthalte keinerlei Strafandrohung, deshalb gab es in diesem Punkt am Montag einen Freispruch.

Technisch gesehen gab es sowieso Freisprüche in allen Punkten: Die Forensiker gehen für den Zeitpunkt des ersten Brandes von einer Schuldunfähigkeit des Mannes aus. Beim zweiten Brand in der Wohngruppe sei zumindest seien Steuerungsfähigkeit klar eingeschränkt gewesen. Eine eigentliche Strafe gibt es daher nicht, der Mann wartet nun in Sicherheitshaft auf einen Therapieplatz. Er kann das Urteil noch weiterziehen.