170 Jahre Tradition

Allschwiler Männerchor verstummt für immer - wegen mangelndem Nachwuchs

Ein Phänomen der heutigen Zeit: Der 170-jährige Männerchor Allschwil verabschiedet sich von der Bühne. Der Grund dafür ist vor allem mangelnder Nachwuchs – man hat versäumt, zur rechten Zeit um neue Mitglieder zu werben.

Claudia Maag
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Einst: Der Männerchor Allschwil anlässlich der 100-Jahr-Feierlichkeiten 1945.

Einst: Der Männerchor Allschwil anlässlich der 100-Jahr-Feierlichkeiten 1945.

Jakob Schaub

Eine Ära ist zu Ende: Der Männerchor Allschwil, einer der ältesten Vereine im Dorf, löste sich nach 170 Jahren auf. Der ehemalige Präsident Norbert Sieber erzählt, diesem Entscheid sei ein längerer Prozess vorausgegangen. Der Gedanke sei in den letzten zwei Jahren gereift. Gegen Ende hatte der 1845 gegründete Verein noch knapp 20 Mitglieder. Das Durchschnittsalter betrug 75 Jahre.

Nach 170 Jahren verstummt der Chor, hier das Abschiedskonzert.

Nach 170 Jahren verstummt der Chor, hier das Abschiedskonzert.

Jakob Schaub

Der Hauptgrund für das Vereinsende liegt am mangelnden Nachwuchs. Sieber: «Die traditionellen Vereine haben ein Problem, dessen Ursprung mindestens 50 Jahre zurückliegt. Sie hatten es in der Hand, ihren eigenen Nachwuchs zu fördern. Diese Chance wurde grösstenteils verpasst. Die Telekommunikationsentwicklung und die Freizeitorientierung haben vieles verändert. Der Graben zwischen Alt und Jung wurde in den letzten Jahren immer grösser.»

An der letzten Generalversammlung am 23. Januar wurde über die Vereinsauflösung abgestimmt. Der Entscheid fiel sehr deutlich aus: 17 stimmten dafür, 2 Mitglieder enthielten sich. Das verbleibende Vermögen von 5000 Franken habe der Männerchor Allschwil einem guten Zweck zukommen lassen. Sieber meint: «Es macht keinen Sinn, dass man so weiterfährt. Die Auflösung ist schade und ich bedauere es. Aber lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.»

Klaus Meier war 34 Jahre Mitglied beim Männerchor Allschwil. Es fällt ihm schwer, über das Aus des Chors zu sprechen. «Es macht mich sehr traurig.» Dennoch stimmt er Sieber zu, dass es die richtige Entscheidung war. Immer mehr Männerchöre stürben aus und sie seien einer davon. Bezüglich Nachwuchs hätten sie zwar mit Inseraten und einer Standaktion versucht, die Jungen zu erreichen. Allerdings, fügt er selbstkritisch an, wie das so sei, wenn es einem gut ginge: «Man vergisst, an die Zukunft zu denken. Man hätte vielleicht schon vor Jahren an den Schulen Werbung machen müssen.» Er stellt fest: «Die 13 Jahre mit Dirigent Christophe Dopler waren für mich eine der schönsten Zeiten im Männerchor.»

Manche Vereine haben Zulauf

Claudio Lupi, Präsident des Chorverbands beider Basel, sagt, der Männerchor Allschwil sei nicht der einzige Chor, der aufhörte. 2015 seien es fünf gewesen. «Sehr schade», findet Lupi. Vereine, die etwa gleich lange existieren, gebe es nur noch zwei bis drei in beiden Basel. Einen generellen Trend im Nachwuchsschwund der Vereine relativiert er: «Das ist nicht überall so.»

Einige der gemischten Chöre hätten Zulauf. Auf die Frage, was die Vereine dagegen unternehmen können, antwortet Lupi: «Das fragen wir uns auch.» Der Chorverband bearbeite und diskutiere dieses Problem, um entsprechende Antworten und Lösungen zu finden. «Wir suchen den Kontakt zur Jugend, aber wir wissen nicht, wie viele Schul- und Jugendchöre es gibt.» Wenn sie wüssten, warum die Jungen ausblieben, würden sie es den Mitgliedschören kommunizieren. Ob das bis zur Präsidentenkonferenz am 6. Februar sein wird, sei noch unsicher, so Lupi.