Attraktion

Als es in Laufen noch ein Kino gab

Wo heute der Polizeiposten steht, wurden früher Actionfilme und Softpornos gezeigt. Seine Blütezeit erlebte das «Tonbildtheater Laufen» am Anfang der 60er Jahre

Thomas Immoos
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Nichts deutet darauf hin, dass sich hier einmal ein Kino befand: Der Polizeiposten Laufen.

Nichts deutet darauf hin, dass sich hier einmal ein Kino befand: Der Polizeiposten Laufen.

Yannette Meshesha

Dieser Tage jährte sich ein für Laufen wichtiges Ereignis: Vor 80 Jahren, am 1. Dezember 1936, übernahm Walter Bill-Messerli das Kino Laufen. Dieses war von einer Familie Erzer am 22. September 1922 in den Räumlichkeiten des ehemaligen Restaurants Sternen an der Baslerstrasse 20 gegründet worden. Das Kino trug denn auch den Namen «Sternen», später wurde es zum Kino «Modern».

Im Kino hatte es 110 Sitzplätze. Es gab noch keinen Balkon, wohl aber unterschiedliche Preise. In den ersten beiden Sitzreihen, bestehend aus schlichten Bänken, kostete ein Billett 80 Rappen. Dahinter folgten sieben bis acht, leicht ansteigende Reihen mit Klappstühlen, für welche die Betreiber pro Platz Fr. 1.20 verlangten. In den hintersten Reihen kostete der Platz Fr. 1.60.

Nach einem harzigen Anfang konnten die neuen Besitzer ab 1938 zunehmend Erfolge feiern. Bereits 1941 eröffneten die Bills am selben Standort ein neues Kino mit 200 Sitzplätzen und technischen Einrichtungen, die dem neusten Stand der Technik entsprachen. Schon fünf Jahre später wurde es um einen Balkon mit 56 Sitzplätzen erweitert. Sie tauften das Kino auf den Namen «Tonbildtheater Laufen» um. Aber in der Region nannte man es schlicht «Kino Bill». Im Juli 1954 eröffneten die Besitzer an der Baslerstrasse 22 einen Kinoneubau mit 357 Plätzen – heute befindet sich dort der Polizeiposten. Seine grössten Erfolge feierte das Kino in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg.

Walter Bill-Weber übernahm das Kino mit seiner Frau Anna im Jahr 1958 von seinem Vater. Die grossen Monumentalfilme aus Hollywood, wie «Vom Winde verweht» oder «Ben Hur» lockten die Zuschauer in Scharen ins Kino nach Laufen. Wöchentlich gab es neun Aufführungen, unter der Woche je eine, am Wochenende je zwei. Für die zahlreichen italienischen Gastarbeiter bot man während einigen Jahren fast im gleichen Rhythmus zusätzliche Aufführungen.

Ein zweites Kino in Breitenbach

Im Rekordjahr 1960 verzeichneten die Betreiber 72 000 Eintritte. Der Erfolg ermunterte die Bills, 1961 in Breitenbach an der Fehrenstrasse ein weiteres Kino mit 300 Plätzen zu eröffnen. Zusammen kamen die beiden Säle im Jahr 1963 auf rund 100 000 Eintritte. Regelmässige Kinogänger waren auch die beiden Laufner Originale Otto und Lisa Jegerlehner. Sie schalteten jede Woche einen Kinotag ein, ungeachtet, welcher Streifen gerade lief. Als ob sie zu Hause sässen, kommentierten sie das Geschehen auf der Leinwand: «E lueg ou da, Otti», «Neiaberou» und andere kurze Sätze amüsierten die andern Kinobesucher.

Ein Kassenschlager war der Film «Dr. Schiwago». Eine ältere Frau aus Laufen erinnert sich, diesen Film vier Mal im Kino Laufen angesehen zu haben. Ab 1964 gingen die Besucherzahlen immer mehr zurück. Das Fernsehen kam auf. Zudem besuchten die Leute die Basler Kinos, bevor sie die Filme in Laufen zu sehen bekamen.

Mit weniger anspruchsvollen Streifen wie Brutalo- und Actionfilmen versuchten die Bills, den Abwärtstrend zu stoppen. Man habe aber nie Hardcore-Pornos gezeigt, sagte Anna Bill im Jubiläumsjahr 1986. Stattdessen deutsche Softpornos, etwa «Liebesgrüsse aus der Lederhose» oder die diversen «Schulmädchen-Reporte».

Immer weniger Besucher

1969 schlossen die Bills das Kino in Breitenbach. Nach einer kurzen Erholung bis 1972 ging aber der Besucherschwund auch in Laufen weiter. Trotzdem versuchte die Familie Bill 1983, den Betrieb mit einem umfassenden Umbau zu modernisieren. Es gab bequemere Sessel, auf dem Balkon wurden die Abstände zwischen den Reihen vergrössert und es gab breite Fauteuils.

In den 50 Jahren Kino Bill sind mehrere Höhepunkte zu nennen. Dazu gehören die Monumentalfilme aus den USA, aber auch die deutschen und österreichischen Heimatfilme sowie die Schweizer Gotthelf-Filme. Einer der letzten Höhepunkte war 1985 die Nachpremiere des Films «Höhenfeuer» von Fredi Murer, den der Laufner Mäzen Fredi Richterich mitfinanziert hatte. Vreni Bill, die Tochter von Walter Bill-Weber erinnert sich: «Ich durfte dem Regisseur einen Blumenstrauss überreichen.» Sie und ihr Bruder, Walter Bill (der dritte mit diesem Namen) haben in ihrer Kindheit und Jugend regelmässig an der Kasse oder als Platzanweiser ausgeholfen. Dafür habe man Filme anschauen dürfen, aber «Mutter hat sehr genau darauf geachtet, welche Filme wir sehen durften», so Vreni Bill.

Allen Bemühungen, das Kino in Laufen am Leben zu halten, war kein Erfolg beschieden. 1987 wurde es geschlossen.