Herbstmesse

Auf der Suche nach den Halsabschneidern auf dem Petersplatz

Bei Süssigkeiten, die bereits in Säckchen abgefüllt worden sind, ist es nicht so einfach abzuschätzen, ob das gewünschte Gewicht mit dem gekauften übereinstimmt. Die bz überprüft auf dem Petersplatz, ob in jedem 200-Gramm-Säckchen genug drin ist.

Muriel Mercier
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Der Glarner Confiseur vom Heidi-Land setzt neben dem Magenbrot und den gebrannten Mandeln auf Birnenbrot. Kenneth nars

Der Glarner Confiseur vom Heidi-Land setzt neben dem Magenbrot und den gebrannten Mandeln auf Birnenbrot. Kenneth nars

bz Basellandschaftliche Zeitung

Über dem Petersplatz hängt seit über einer Woche eine dicke Wolke süsser Düfte. Jeden einzelnen Geruch einer Gaumenfreude zuzuordnen ist unmöglich. Fest steht: Magenbrot, gebrannte Mandeln, Rahmdääfeli, Biberli, Klöpfer sowie Brat- und Rauchwürste sind vorne mit dabei. Bei Letzteren sieht jeder Wurst-Liebhaber auf den ersten Blick, ob sein Favorit frisch vom Grill kommt, durchgrilliert und gross genug ist.

Bei den Süssigkeiten, die bereits in Säckchen abgefüllt worden sind, ist es nicht so einfach abzuschätzen, ob das gewünschte Gewicht mit dem gekauften denn auch übereinstimmt. Der bz liegen Hinweise vor, dass an einigen Ständen mit dem Gewicht «bschisse» wird. Die bz macht sich auf dem Petersplatz also auf die Suche nach Marktfahrern, die es mit dem Gewicht nicht so ernst nehmen.

Stände, an welchen die Basler «Herbschtmäss»-Spezialitäten verkauft werden, gibt es dort allemal genug. Die bz wählt sechs aus und deckt sich mit je 200 Gramm Magenbrot, Rahmdääfeli und gebrannten Mandeln ein. Nach dem Wägen der Tütchen im bz-Büro (inklusive Säckchen) wird schnell klar: Die Hinweise stimmen – zumindest bei den ausgewählten Ständen – nicht: Keiner der Confiseure zieht die Herbstmesse-Besucher über den Tisch. Im Gegenteil: Überall sind mindestens fünf Gramm zu viel drin.

Käufer geniessen mehr als bestellt

Werner Hattstadt ist in Sachen Magenbrot der Grosszügigste: Kauft man beim Bülacher 200 Gramm, verdrückt man knapp 260. Dasselbe gilt mit 210 Gramm für die Rahmdääfeli – er hat hausgemachte und Basler im Angebot – und mit 208 Gramm für die gebrannten Mandeln. Die Toggenburger Käthi und Walti sind ihm mit 250, 202 und 206 Gramm auf den Fersen. Und sollte die Menge beim Crispy-Land aus Hildisrieden LU nicht stimmen, würden die Verkäuferinnen ihre Kunden dreist hereinlegen.

Diese nämlich wägen als Einzige die Ware vor den Augen der Käufer ab. Und geben einem ein Rahmdääfeli mit auf den Weg ins Gewühl. Überhaupt ist die Freundlichkeit der Frauen und Männer in den Bäckerschürzen gross und scheint echt zu sein – das Gegenteil ist zumindest nicht spürbar. Einzig die Preise fürdie Mäss-Spezialitäten schwanken zwischen 22 Franken bei den Toggenburgern und 18 Franken bei den Crispy-Ländlern. Dies beweist also: In den billigsten Säckchen ist nicht am wenigsten drin.

Modisch gesehen fallen die Veyelette, die ebenfalls ihre Süssigkeiten grosszügig abpacken, aus dem Rahmen. Violetter Pulli, violetter Rock, darüber natürlich die klassische weisse Schürze. Gleichauf liegen zum Schluss noch die Basler Confiserie Jonasch mit den beiden Ständen am Petersgraben und vor dem Botanischen Garten sowie die Glarner Heidi-Hütte. Rahmdääfeli führen die Glarner nicht, sie setzen auf ihre Spezialität des Birnenbrots.

Beggeschmutz als Alternative

Zuschlagen auf dem Peters-, dem Münster- und dem Messeplatz können die Herbschtmäss-Fans noch bis kommenden Sonntag. Wer Magenbrot, Rahmdääfeli und gebrannte Mandeln nicht zu seinen Lieblings-Schleckerein zählt, kann auf Zuckerwatte, in Schokolade getränkte Früchte und Beggeschmutz ausweichen. Das Gewicht dieser Naschereien zu vergleichen ist hinfällig. Süss sind sie allemal und voll ist man nach dem Genuss bestimmt.