Strafprozess
Auf die eigene Tochter geschossen

Der ehemalige Muttenzer SD-Landrat F.A. muss sich wegen versuchten Mordes vor Gericht verantworten.

Regula Vogt-Kohler
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Landrat F.A.

Landrat F.A.

Polizei Basel-Landschaft

Heute beginnt am Strafgericht in Liestal der Prozess gegen den ehemaligen Muttenzer SD-Landrat F.A. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft an den heute 52-Jährigen sind massiv: Er soll während Jahren seine Tochter sexuell missbraucht und am 25. April 2004 auf sie und ihren Partner geschossen haben. Die Anklage lautet auf mehrfache versuchte vorsätzliche Tötung, eventuell mehrfach versuchten Mord, mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern, mehrfache sexuelle Nötigung, mehrfache Vergewaltigung und etliche weitere Delikte.

2002 kommt es zum Bruch

Gemäss Schilderung der Anklageschrift hat sich die Geschichte so abgespielt: Die sexuellen Übergriffe begannen, als die Tochter des Angeklagten elf Jahre alt war, und steigerten sich vom Streicheln über den Kleidern bis zum Geschlechtsverkehr. «Alle Väter machen das mit ihren Töchtern», bekam das Mädchen zu hören. Aber nicht nur das: Sie sei ein Nichts, für nichts zu gebrauchen, und niemand würde ihr glauben, wenn sie etwas erzählen würde.

Im Sommer 2002 kommt es zum Bruch. Die Tochter zieht aus, der Vater unterbreitet ihr einen diabolischen Vorschlag: Er sei bereit, den Freund der Tochter zu akzeptieren, ihre Erbrechte zu belassen und sie finanziell zu unterstützen, wenn sie ihm alle zwei Wochen sexuell zur Verfügung stehe. Die Tochter erstattet Mitte August 2002 Anzeige und bricht den Kontakt zu den Eltern ab. Von den sexuellen Übergriffen erzählt sie aber erst bei einer weiteren Anzeige im Februar 2003. Der Angeklagte hatte nach der ersten Anzeige den zukünftigen Schwiegersohn und dessen Familie mit Sachbeschädigungen und telefonischer Belästigung terrorisiert. Anfang Februar 2003 filmt ihn eine Überwachungskamera. Er wird verhaftet.

Nach einem Tag ist er wieder draussen, doch nach der neuen Anzeige kommt F.A. für mehrere Wochen in U-Haft. Ab Ende August 2003 ist es ihm gerichtlich verboten, sich seiner Tochter zu nähern.

Es kommt der Abend des 25. April 2004: F.A. wartet vermummt auf seine Tochter und ihren Partner am Wohnort des Paares in Muttenz. «Keine Bewegung!», schreit er, als die beiden ahnungslos auftauchen. Die junge Frau erkennt die Stimme des Vaters. F.A. zwingt sie zweimal dazu, den Partner mit Kabelbindern zu fesseln, beide Male kann sich der junge Mann befreien. Als ein Nachbar mit dem Türöffner die Haustüre öffnet, flüchten die beiden ins Haus. Ein erster Schuss verletzt die junge Frau mittelschwer im unteren Rücken, ein zweiter Schuss folgt, trifft aber niemanden. F.A. flieht mit dem Portemonnaie der Tochter und dem Schlüsselbund des Schwiegersohns.

Acht Verhandlungstage reserviert

So weit die Darstellung der Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte bestreite die Sexualdelikte und habe zum Vorfall vom 25. April 2004 bisher nicht ausführlich Stellung genommen, teilt Verteidiger Alain Joset auf Anfrage der Basellandschaftlichen Zeitung mit. Eine seiner Hauptaufgaben als Verteidiger bestehe darin, sich dafür einzusetzen, dass F.A. einen fairen Prozess bekomme. Die Basellandschaftliche Zeitung nennt deshalb den Angeklagten nur mit den Initialen und verzichtet auf die Publikation eines Fotos.

Für Beweisaufnahme und Plädoyers sind acht Verhandlungstage reserviert. Danach zieht sich die Strafkammer unter dem Vorsitz von Jacqueline Kiss zur Beratung zurück. Das Urteil wird am 12. November verkündet werden. Der Prozess ist nicht öffentlich.