Liestal

Aussteller kritisieren hohe Standpreise

Der Weihnachtsmarkt zog vor allem am Samstag viele Besucherinnen und Besucher an. Glühwein, «Gschänggli-Egge» und Strickwaren-Stände erfreuten sich vor allem am Samstagnachmittag grosser Beliebtheit.

Alessandra Paone
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Weihnachtsmarkt Liestal

Weihnachtsmarkt Liestal

«Die Engeli sind in der Regel besonders gefragt», erzählt Theres Gysin. Eingepackt in eine warme Jacke und einen dicken Schal, glücklich, dass sich jemand für ihre Artikel interessiert, steht die quirlige Marktfrau in ihrem Holzhäuschen, dem «Gschänggli-Egge». Ihr Angebot reicht von klassischen grossen sowie kleinen frechen Engeln über Elfen bis hin zu Duftkerzen. Seit bald zehn Jahren stellt die Läufelfingerin am Weihnachtsmarkt in Liestal aus.

Nieselregen und eine leichte Bise prägen am Freitagabend den Auftakt des dreitägigen Weihnachtsmarkts im Stedtli. Problemlos, ohne zu drängeln, kommen die wenigen Besucher an den rund 80 teilweise sehr bescheiden dekorierten Chalets und Ständen in der Rathausstrasse vorbei. An eine Hausmauer angelehnt, vor Regen und Wind geschützt, wärmt sich ein Pärchen mit einem Glühwein. Eine Frau wirft hastig einen Blick auf die bunten Amedisli und eilt dann ins gegenüberliegende Kaufhaus. Der grosse Run auf die Weihnachtsartikel bleibt aus – vorerst.

«Noch ein Guetzli»

Bedeutend grösser ist der Besucherauflauf dann am Samstagnachmittag. Das Karussell am Eingang des Weihnachtsmarktes dreht unermüdlich seine Runden. Am Stand nebenan wird fleissig Glühwein ausgeschenkt. «Nehmen Sie doch auch noch ein Guetzli», ruft der Standbetreiber und streckt seinem Kunden eine Dose mit Änisbrötli und Mailänderli hin.

Grosser Andrang herrscht bei den Strickwaren-Ständen. «Sie dürfen die Mütze gerne anprobieren», sagt Esther Thommen und reicht ihrer Kundin den Spiegel. Die Ramlinsburgerin, die alles selbst strickt, nimmt bereits zum vierten Mal teil am Liestaler Weihnachtsmarkt. Socken und Puppenkleider seien der Renner, berichtet sie. Der grösste Teil des Verkaufserlöses dient einem guten Zweck. Für ihre Schwester, die ihr am Stand hilft, soll auch noch etwas übrig bleiben. Der Verdienst ist für Thommen aber zweitrangig: «Ich habe einfach Freude an der Sache.»

Thomas Schmutz: «Nullsummenspiel»

530 Franken müssen die Aussteller zahlen, damit sie am Liestaler Weihnachtmarkt drei Tage lang einen Stand erhalten. Der Stromanschluss kostet zusätzlich. Sie müsse am Ende noch draufzahlen, weil sie nie so viel verdiene, um die Kosten zu decken, bemerkt eine Standbetreiberin. Ihren Namen will die Frau aus Angst, im nächsten Jahr nicht mehr kommen zu dürfen, nicht nennen. Zusammen mit anderen Ausstellern wolle man nun Unterschriften sammeln gegen die hohen Standpreise, erzählt sie. Eine andere Marktbetreiberin, die ebenfalls anonym bleiben will, teilt die Kritik ihrer Kollegin: Am Basler Weihnachtsmarkt koste ein Stand für einen Monat 2000 Franken.

«Dieser Vergleich hinkt», wehrt sich Thomas Schmutz, Mitglied von KMU Liestal und Hauptverantwortlicher des Liestaler Weihnachtsmarkts. Denn kostentreibend sei vor allem das Aufstellen und Abmontieren der Stände. Die Dauer des Marktes spiele da keine Rolle. Schmutz hält die Preise angesichts des Aufwandes, den der Organisator KMU Liestal betreibe, keineswegs für überrissen. «Für uns ist der Weihnachtsmarkt auch ein Nullsummenspiel», betont er. Denn der Verein KMU Liestal werde von niemandem unterstützt - auch nicht von den Behörden. Schmutz: «Die Stadt beteiligt sich lediglich an den Stromkosten - und auch nur, weil die Weihnachtsbeleuchtung am selben Stromnetz hängt.» (ALE)