Reinach

Baden auf der Baustelle: «Man hätte Badi erst öffnen sollen, wenn sie komplett fertig ist»

Das Gartenbad ist erst halb fertig, aber schon eröffnet – nicht zur Freude aller.

Caspar Reimer
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Baustelle Reinacher Badi
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Baustelle Reinacher Badi

Caspar Reimer

Seit Wochen ist es fast ohne Unterbruch heiss, sonnig und trocken – für Gartenbad-Fans ein wahrer Prachtsommer. Einzig in Reinach scheint die Badefreude etwas getrübt zu sein: Seit dem 16. Juni ist die Reinacher Badi nach einjähriger Schliessung wegen Sanierung zwar wieder offen, doch wirkt noch einiges an der neuen Anlage provisorisch.

Einzelne Teile der eigentlichen Grünfläche sind abgesperrt, weil noch kein Rasen nachgewachsen ist – statt in schönem saftigen Grün zu erstrahlen, sind Teile des Gartenbades erdbraun. «Einzelne Besucher stören sich daran, dass die Umgebung um die Becken noch braun und nicht grün in Erscheinung tritt», sagt Gemeindepräsident Melchior Buchs (FDP).

Anlage kommt teurer

Noch gegen Ende vergangener Woche standen kleinere Baumaschinen auf dem Gelände, auch Gärtner waren in den abgesperrten Zonen bei der Arbeit zu beobachten. Einige Besucher empfinden den aktuellen Zustand des Gartenbad Reinachs als Unannehmlichkeit: «Man hätte die Badi erst öffnen sollen, wenn sie komplett fertig ist», sagt ein Badegast.

Bei der Gemeinde ist man sich des nicht gerade optimalen Starts der neuen Badi durchaus bewusst, weshalb die Eintrittspreise massiv reduziert wurden – so kostet der Badespass für eine Erwachsene Person nur gerade drei statt der sonst üblichen sechs Franken. Die Sanierung des Reinacher Gartenbads stand unter einem unglücklichen Stern: Noch im Mai sah es auf dem Badegelände aus wie auf einer Grossbaustelle, was bei manchen Reinachern Zweifel aufkommen liess, ob die Badi ihren Betrieb rechtzeitig würde aufnehmen können.

Im Juni wurde publik, dass die Sanierung weit teurer wird als ursprünglich angenommen: Statt der budgetierten 9,4 Millionen Franken kostet die Sanierung rund 11,4 Millionen Franken. Für die finanziellen Abweichungen waren neben zeitlichen Verzögerungen Kürzungen des Einwohnerrats und Fehleinschätzungen der Planer verantwortlich. Die ursprünglich beauftragte Bauleitungsfirma habe etwa «kostenrelevante Positionen im Voranschlag vergessen», erläutert Buchs.

Ende 2017 wurde der Firma das Bauleitungsmandat entzogen, es musste neu vergeben werden. Das neue Team hat den Terminplan teilweise aufholen können. Ganz gereicht hat es aber nicht. Wegen der Kostenüberschreitung von zwei Millionen Franken wird der Gemeinderat einen Nachtragskredit beantragen müssen.

Und es gibt noch einen weiteren Makel: Die Gehwegbeläge werden von vielen Gästen als zu rau empfunden. «Darauf kann man nicht gehen. Es ist, als ob man auf Rasierklingen spazieren würde», ärgert sich ein Gast. Melchior Buchs bestätigt: «Die Gehwege sind aufgrund ihrer Oberflächenstruktur schwierig, barfuss zu begehen.» Wegen der zurzeit noch fehlenden Rasenflächen werden die Gehflächen erst nach dem Ende der Badesaison ersetzt werden können: «In der nächsten Saison werden die Wege bequem barfuss zu begehen sein.» Zudem würden sie rutschfest und hitzeresistent sein.

Badegäste äussern auch Lob

Doch es gibt auch die andere Seite der Medaille: Alle Anlagen der Badelandschaft konnten mittlerweile in Betrieb genommen werden – zuvor war es bei der Rutschbahn noch zu Verzögerungen gekommen. «Ich komme gerne hierher. Weil es noch nicht ganz fertig ist, kommen weniger Leute, und man hat viel Platz, um zu schwimmen», sagt eine Besucherin.

Einzelne Gäste sind sogar aus Allschwil oder Oberwil angereist, um die neue Badi auszuprobieren: «Es ist ein wunderschönes Schwimmbecken und eine exzellente Wasserqualität», lobt Theo Ettlin, ein Badegast aus Oberwil. «Das Mehrzweckbecken mit Strömungskanal und Wasserdüsen ist super», sagt eine andere Besucherin.

Auch die Zahlen legen nahe, dass sich viele Badegäste bereits mit ihrer neuen Badi haben anfreunden können. Gemäss Melchior Buchs hat das Bad seit der Eröffnung 21 000 Eintritte verzeichnet. Das entspreche in etwa den Besucherzahlen derselben Periode aus dem Jahr 2016.