Ausgewandert

Basler baut im «City Hospital» in Dubai die Spitzenmedizin aus

Seit Juli leitet der Basler Christian Schuhmacher das City Hospital in Dubai. Ein Traumjob, wie er sagt.

Benjamin Wieland, Dubai
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Dubai City Hospital, Christian Schuhmacher

Dubai City Hospital, Christian Schuhmacher

Das Dubai City Hospital – eines der grössten Spitäler im Emirat.

Das Dubai City Hospital – eines der grössten Spitäler im Emirat.

Levy Cruz

Bis im Juli sah Christian Schuhmachers Arbeitsweg in groben Zügen so aus: An der Maiengasse in Basel-Ost ins Auto steigen, in Richtung Bahnhof SBB fahren, dort ins Gundeli abbiegen, schon wenige Minuten später war das Ziel, die Birshof Klinik im Dreispitz, erreicht. Immer wieder im Blick: der Roche-Turm, das höchste Gebäude der Schweiz.

Seit Juli sieht Christian Schuhmachers Arbeitsweg in groben Zügen so aus: Vor seinem Haus in der Siedlung «Arabian Ranches» ins Auto steigen, die Autobahn in Richtung Dubai-Stadt nehmen, nach etwa zehn Minuten Fahrt in die Healthcare City abbiegen, ein letztes Mal Gas geben, schon ist das Ziel, das City Hospital, erreicht. Immer wieder im Blick: Der Burj Khalifa, das höchste Gebäude der Welt.

Seit Juli ist Christian Schuhmacher Direktor des Dubai City Hospitals, eines der grössten Spitäler im Emirat. Etwas mehr als ein halbes Jahr hat er den Posten inne – und er gefalle ihm sehr, wie er sagt. Ein Traumjob sei es: «So eine Gelegenheit hat man wohl nicht allzu oft in seinem Leben.»

Im August kam auch seine Familie nach: Frau Susanne Goepfert und die beiden Kinder Luzius (10) und Julia (8). Zuvor hatten die Kinder noch das Schuljahr in Basel beendet. Jetzt besuchen sie die frisch eröffnete Schweizer Schule in Dubai.

Geld soll im Land bleiben

Alles ist mindestens eine Nummer grösser für Schuhmacher, nicht nur auf dem Weg zum, auch am Arbeitsplatz. Statt einem Betrieb mit 50 Betten wie in Münchenstein leitet der 42-jährige Jurist nun einen mit deren 230. Von einer auf Orthopädie spezialisierten Klinik wechselte er in ein Haus, in dem viele Abteilungen untergebracht sind. Die Schwerpunkte sind Kardiologie, Gynäkologie, Geburtshilfe und Kindermedizin. Eine der Aufgaben, die Schuhmacher zu erledigen hat: Die Spitzenmedizin weiter ausbauen. Das entspricht genau der Strategie der Regierung: Die Emirati sollen für medizinische Eingriffe nicht mehr nach Europa oder in die USA jetten, sondern dies zu Hause erledigen. Die Absicht ist klar: Im Land bleiben soll das Geld.

Die Empfangshalle des Spitals ist fast leer, als die bz Schuhmacher besucht. Die zwei Angestellten im integrierten Starbucks-Café spielen mit ihren Smartphones. Es ist ein Freitag, und der Freitag ist in Dubai, wie in fast allen islamischen Ländern, ein Feiertag, vergleichbar mit dem Sonntag in Europa. «Heute haben die meisten Angestellten frei», sagt Schuhmacher, während er sich fürs Foto die Krawatte zurecht zupft. «Sie dürfen jetzt aber nicht meinen, hier sei es immer so ruhig», fügt er, fast ein wenig entschuldigend, an. «An normalen Wochentagen kommt man fast nicht mehr durch vor lauter Menschen.»

Schuhmacher steht unter strenger Beobachtung von vier Scheichen, zumindest symbolisch. In der Empfangshalle des City Hospital hängen nebeneinander die Porträts von vier wichtigen Personen in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE): es sind der Staatsgründer, der aktuelle Staatspräsident, dann Muhammad bin Raschid Al Maktum, der Herrscher des Emirats Dubai, des zweitgrössten Teilstaats der VAE, schliesslich auch dessen Sohn und Nachfolger. Bildnisse der Herrscherfamilie finden sich im Emirat an jeder grösseren Kreuzung.

Südafrika, Schweiz, Emirate

Man glaubt Schuhmacher gern, dass in der Eingangshalle unter der Woche mehr Betrieb herrscht. Das Spital floriert, Schuhmachers Arbeitgeber, Mediclinic International, will in den Emiraten weiter wachsen. Der Nahe Osten ist das dritte Standbein der südafrikanischen Spitalgruppe, neben ihrem Heimmarkt Südafrika und der Schweiz. In Dubai betreibt Mediclinic zehn Kliniken und neben dem City Hospital ein weiteres Spital, ein drittes ist im Bau. Das 2008 eröffnete City Hospital soll zur ersten Adresse in den VAE für die Behandlung und Therapie von Krebserkrankungen werden – ein Spezialisierung, die durchaus auf grosse Nachfrage stossen dürfte: Noch sind die Vereinigten Emirate bei der Onkologie auf der Weltkarte weitgehend ein weisser Fleck.

Dass Mediclinic diese Aufgabe einem Spitaldirektor aus der fernen Schweiz anvertraut, hat auch mit Schuhmachers Verdiensten in Münchenstein zu tun. Die Birshof Klinik gehört zur Schweizer Hirslanden-Gruppe, diese wiederum wurde 2007 von Mediclinic gekauft. Hirslanden-CEO Ole Wiesinger ist es nicht entgangen, dass Schuhmacher die Birshof-Klinik in relativ kurzer Zeit zu einer führenden Orthopädie-Klinik in der Region Basel ausgebaut hat. Er soll nun den Erfolg am Persischen Golf wiederholen. Das neue Onkologie-Angebot in Dubai wird in enger Kooperation mit Hirslanden aufgebaut.

Vorteil: deutschsprachig

«Das Gesundheitssystem in Dubai unterscheidet sich nicht fundamental von demjenigen in der Schweiz», sagt Schuhmacher. Seit kurzem besteht eine obligatorische Krankenversicherung, die Einheimischen können sich in staatlichen Spitälern gratis behandeln lassen, für private Institute brauchen sie eine Zusatzversicherung. Dann ist auch das Personal ähnlich international zusammengesetzt wie in der Schweiz. Der grösste Teil der Angestellten sind Gastarbeiter, die meisten aus Ländern wie Indien und Pakistan, die Philippinen stellen ebenfalls ein beträchtliches Kontingent. Das Spital könnte ohne die Arbeitskräfte aus dem Ausland nicht funktionieren – und ist damit keine Ausnahme im Emirat. Die Einheimischen stellen nur rund 15 Prozent der etwas mehr als 2,3 Millionen Einwohner Dubais.

Was Schuhmacher bei seinem Einstieg mit Sicherheit behilflich war: Europäische und insbesondere deutschsprachige Ärzte geniessen extrem hohes Vertrauen in den Emiraten. Da darf auch ein Klinikdirektor aus der Schweiz mit Goodwill rechnen.

Ganz von der Schweiz abgenabelt haben sich die Schuhmachers aber nicht. An Weihnachten war die Familie zuletzt wieder in Basel anzutreffen – ebenso in Dornach, wo Schuhmacher aufgewachsen ist. Und dann haben Christian Schuhmacher und Susanne Goepfert Erfahrung mit Auswandern und Heimkehren. Zwischen 2002 und 2004 führte das Paar eine Tauchschule auf den Malediven.

Auch der betrieblich bedingte Kulturschock dürfte zumindest für ihn nichts komplett Neues gewesen sein. Nach dem Jura-Studium in Basel fand er eine Anstellung bei der Gewerkschaft VPOD. Später war Schuhmacher unter anderem Mitglied in der Geschäftsleitung des Universitätsspitals Basel. Er ist sich also grössere Umstellungen gewohnt, nun ist es diejenige von der gemächlichen Schweiz in die Boomtown, die Stadtteile in die Einöde knallt mit Namen wie Internet City, Business Bay, Knowledge Village – oder eben: Healthcare City.

«Projekt der ganzen Familie»

Fünf Jahre gebe er sich Zeit, sagt Schuhmacher, die Ziele mit dem City Hospital zu erreichen. «Dann schauen wir weiter, wir verstehen das auch als Projekt der ganzen Familie.»

Und wie er das sagt, tönt er nicht danach, als habe er schon genug vom Job in der Wüste. Im Gegenteil: «Jedes Mal, wenn Du nach Dubai zurückkommst, hat sich die Stadt wieder verändert. Ein Teil davon zu sein, ist faszinierend.»