Novartis-Kahlschlag

Basler Wirtschaftsdirektor: «Ich will von Herrn Jimenez ein Bekenntnis zu Basel»

Der Kahlschlag beim Pharmariesen steckt der Region immer noch in den Knochen. Nun richtet der Wirtschaftsdirektor von Basel Christoph Brutschin deutliche Worte an die Führungsspitze von Novartis.

Moritz kaufmann
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Keystone

Herr Brutschin, Sie treffen sich diese Woche mit der Novartis-Geschäftsleitung. Was werden Sie Joe Jimenez sagen?

Christoph Brutschin: Wir werden klären müssen, weshalb der Schritt von Novartis, so viele Stellen abzubauen, unausweichlich sein soll – insbesondere auch bei der Forschung. Wie ich schon mehrmals gesagt habe, kann ich die Beweggründe nicht nachvollziehen. Dann: Wie geht es weiter in der Region Basel? Da wollen wir Antworten.

Was erwarten Sie von ihm? Ein Bekenntnis?

Sicher! Ich will von Herrn Jimenez klar hören, dass dieser Stellenabbau ein schwarzer Tag ist, aber dass es hier weitergeht. Man muss auch sehen: Novartis hat zwischen 2008 und 2011 etwa tausend Stellen in der Region aufgebaut. Jetzt haben wir diesen bedauerlichen Einschnitt, über den wir diskutieren müssen. Wir werden von Novartis fordern, dass es bei den 760 Stellen, die aufgehoben werden, zu möglichst wenig Kündigungen kommt. Wir erwarten klare Massnahmen im Bereich interner und externer Umplatzierung.

Kann man schon etwas zum Sozialplan sagen?

Kann man nicht, weil das Konsultationsverfahren noch läuft. Wir stellen sicher, dass die Sozialpartner dieses durchführen. Ich werde fordern, dass in den Fällen, wo eine Kündigung unausweichlich ist, der Sozialplan grosszügig sein wird.

Haben Sie regelmässig Kontakt mit den Führungsspitzen der Pharmabranche.

Ja. Wir haben mindestens einmal im Jahr ein Treffen mit der Geschäftsleitung von Novartis. Das ist auch bei den anderen grossen Unternehmen in Basel so. Der Kontakt ist also da. Auch auf technischer Ebene haben wir relativ viele Besprechungen. Jetzt hat man ja gesehen, dass wir das Treffen sehr rasch bekommen haben. Der Kontakt ist gut.

Haben Sie früher enger zusammengearbeitet? Etwa unter Herr Vasella?

Nein, überhaupt nicht. Das Einzige, das mit Herr Jimenez geändert hat, ist, dass wir in der Regierung nun unsere Englischkenntnisse auffrischen können. Gerade Novartis ist auch sehr interessiert an einem guten Kontakt mit den Behörden. Jetzt liegen allerdings Entscheide auf dem Tisch, die ich ausserordentlich bedaure und auf die wir Antworten brauchen.

Letztes Jahr Roche, jetzt Huntsman und Novartis. In der Pharmabranche scheinen Stellenabbau und Verlagerungen en vogue zu sein.

Zurzeit haben wir diese Problematik in der ganzen Schweiz aus unterschiedlichen Gründen. Auch die Credit Suisse will ja noch einmal mehr Stellen abbauen. Das ist kein Phänomen, das auf Basel oder die Pharmabranche beschränkt ist. Man kann auch Roche, Huntsman und Novartis nicht miteinander vergleichen. Was bei Novartis neu ist: Es betrifft ein Forschungsteam.

Warum sind denn auf einmal auch Stellen in der Forschung gefährdet?

Das weiss ich nicht. Das ist auch der Grund, weshalb wir relativ rasch einen Termin brauchen.

Muss man sich um den Standort Basel Sorgen machen?

Nein, das glaube ich nicht. Basel bleibt mit Abstand der wichtigste Forschungsstandort von Novartis. Ich gehe davon aus, dass ein Auslöser des Stellenabbaus das Produkt Diovan ist, bei dem der Patentschutz ausläuft. Novartis macht 50 Milliarden Franken Umsatz, davon 6 Milliarden mit diesem Produkt.

Sie sagen es: Novartis erzielt Milliardengewinne und hat gemäss Analysten eine gut gefüllte Pipeline. Das muss einem der Stellenabbau doch zu denken geben?

Ich werde Herr Jimenez fragen müssen, ob es wirklich keine anderen Möglichkeiten gab. Man darf aber nicht vergessen: Die Entwicklung eines Pharmaprodukts kostet eine Milliarde oder mehr. Da muss man auch die hohen Gewinne der Pharmaindustrie relativieren.

Wird das Klumpenrisiko Life-Sciences zum Problem für Basel?

Nein. Die Ostschweiz hat ein Klumpenrisiko mit der Maschinen- und Werkzeugindustrie. Zürich hat eines mit dem Finanzplatz. Im Jurabogen ists die Uhrenindustrie. Wir sind gut gefahren mit der Pharmaindustrie. Basel und diese Branche werden miteinander weiterwachsen und sich entwickeln.