Übergewicht

Bei den dicken Baselbieter Kindern wird abgespeckt

Die Anzahl Übergewichtiger ist stabil. Immer noch sind 18 Prozent der Baselbieter Kinder und Jugendlichen zu dick. Dennoch entscheidet der Landrat heute über die schlanke Version des Projekts «Gesundes Körpergewicht».

Leif Simonsen
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Vor allem ausländische Kinder sind übergewichtig.

Vor allem ausländische Kinder sind übergewichtig.

Keystone

Vor vier Jahren hat man im Baselbiet der Volkskrankheit Nummer eins den Kampf angesagt - mindestens vier weitere Jahre soll er gehen, wenn es nach Irène Renz geht. Die Leiterin der Gesundheitsförderung Baselland sagt: «Man könnte meinen, dass die Anzahl Übergewichtiger in der Schweiz nicht mehr zunehmen kann. Aber ein Blick nach Amerika genügt, um zu sehen, dass es noch einiges schlimmer sein könnte.»

Um amerikanische Verhältnisse zu verhindern, initiierte der Kanton vor vier Jahren das Aktionsprogramm «Gesundes Körpergewicht», das sich vor allem an Kinder und Jugendliche richtet. Seither hat sich die Zahl der Übergewichtigen stabilisiert, nachdem sie in den 30 Jahren zuvor gestiegen war. Es ist eine Stabilisierung auf hohem Niveau: 18,1 Prozent der untersuchten Baselbieter Kinder und Jugendlichen der 4. und 7. Klasse sind zu dick, 3,7 Prozent stark übergewichtig.

Spardruck hat Auswirkungen

Heute entscheidet der Landrat, ob nach Ablauf der ersten Staffel Ende dieses Jahres noch eine zweite angehängt werden soll. Selbst wenn er der landrätlichen Kommissionsempfehlung zur Annahme folgen sollte, wird der kantonale Kostendruck auf die zweite Staffel des Aktionsprogramms Auswirkungen haben. Statt 1,4 Millionen soll die nächste Vierjahres-Periode 712 500 Franken kosten - die Hälfte wird weiterhin von der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz bezahlt.

Stimmen die Expertenschätzungen, ist das ein Bruchteil der Kosten, welche Übergewichtige hierzulande verursachen: Ein Bericht, der vom Bundesamt für Gesundheit in Auftrag gegeben wurde, kam zum Schluss, dass Übergewicht und Adipositas (starkes Übergewicht) im Jahr 2009 Kosten von 5,8 Milliarden Franken verursachten.

Einige Angebote wie das «Tacco Flip» fallen nun weg: Hier wurde das gemeinsame Znüni und die zusätzliche Bewegung im Primarschul-Unterricht und in der Freizeit gefördert. Stattdessen soll der Fokus auf die Kleinkinder bis sechs Jahre gelegt werden, mit besonderem Augenmerk auf die Ausländer. 28 Prozent der ausländischen Kinder tragen zu viele Pfunde mit sich herum: Das sind doppelt so viele wie bei den Schweizern.

Vermittler stossen auf Offenheit

Bei den stark Übergewichtigen sind es mit 7,5 Prozent gar dreimal so viele. An der Aktion «Vitalina» will man indes nicht nur wegen dieser besorgniserregenden Statistik festhalten. Im Rahmen dieses Projekts suchen Vermittler in Parks, auf Spielplätzen oder in Quartierzentren den Kontakt mit ausländischen Eltern. «Sie sind sehr offen und interessierten sich für die Anregungen», sagt Irène Renz.

Vor allem Väter und Mütter aus ärmeren Schichten fehle schlicht das nötige Wissen, um die Kinder gesund zu ernähren. «Viele meinen, dass Eistee gesund sei, nur weil sich darin das Wort Tee versteckt», veranschaulicht sie. Oft wüssten die Eltern nicht, dass das Leitungswasser in der Schweiz trinkbar, ja sogar besser sei als Süssgetränke, da es keinen Zucker enthält.

Dass das Projekt «Vitalina» rege genutzt wird, zeigt der Blick auf die Halbjahresstatistik vom ersten Semester 2011: Gleich 450 fremdsprachige Eltern konnten so kontaktiert werden. Die weiteren Projekte, die der Kanton weiterführen will, betreffen mehrheitlich Säuglingsernährung («Förderung des Stillens») oder Kleinkinder (etwa mehr Bewegung im Kindergarten). Doch selbst wenn der Landrat den Kredit spricht, ist sich auch Renz bewusst: So schlank wie vor 30 Jahren wird die Bevölkerung hierzulande in absehbarer Zeit nicht werden.