Laufenthal
Berntreue Laufentaler sind längst nicht mehr so treu

Ein Blick in den Kanton Bern zeigt: Dort gäbe es kaum noch ein Bezirksgericht, ein Spital oder gar einen Bezirk Laufen. Ist Laufen also am Ende mit dem Kantonswechsel gar besser gefahren?

Michael Nittnaus
Drucken
Teilen
Wären die Laufenthaler dem Kanton Bern angeschlossen, hätten Sie längst nicht mehr so viele Rechte.

Wären die Laufenthaler dem Kanton Bern angeschlossen, hätten Sie längst nicht mehr so viele Rechte.

Keystone

Die Vereinigung Berntreuer Laufentaler (VBL) setzt sich seit Jahrzehnten für die Rechte des jüngsten Baselbieter Bezirks ein. Möchte der Kanton Ämter abziehen, fällt ein Wort garantiert: der Laufentalvertrag. Jüngst reichte die VBL etwa eine Beschwerde beim Kantonsgericht ein, die in der Auflösung des Bezirksgerichts Laufen eine Verletzung des Vertrags moniert (siehe bz von gestern). Was die Berntreuen aber ausblenden, ist, dass sie in ihrem namensgebenden Kanton wohl bereits deutlich mehr Rechte verloren hätten, als aktuell in Baselland. Dies zeigt ein Blick auf die umfassenden Strukturreformen, die Bern besonders in den vergangenen Jahren umgesetzt hat.

Bern hat sich stark verändert

Mit der Bezirksreform wurden per 1.Januar 2010 die 26 Berner Amtsbezirke von 10 Verwaltungskreisen abgelöst, die sich auf 5 übergeordnete Verwaltungsregionen verteilen. «Die Hypothese, dass es in Bern keinen Amtsbezirk Laufen mehr gäbe, ist sicher nicht falsch», sagt denn auch Christian Cappis. Der Stabschef der Berner Justizleitung wählt klare Worte, wenn er sagt, dass der Kanton «territorial aufgeräumt hat». Auch Cappis eigentliches Steckenpferd hat sich stark verändert. Ähnlich der Justizreform, der die Baselbieter am 17.Juni zugestimmt haben, wurden in Bern per Anfang 2011 aus 13 Gerichtskreisen deren 4 mit insgesamt 5 Standorten. «Das Ziel waren grössere Einheiten, die dafür professioneller arbeiten konnten», sagt Cappis und schliesst daraus, dass der Standort Laufen zumindest sehr genau überprüft worden wäre.

Nicht besser wäre es wahrscheinlich dem Spital Laufen ergangen: Die Institution, die in Baselland nur noch dank dem Laufentalvertrag eine Grundversorgung anbietet, wäre in Bern auf ein noch weit aggressiveres Zentralisierungsklima gestossen. «Seit Ende der Neunzigerjahre setzte eine eigentliche Flurbereinigung bei kleinen Spitälern ein», sagt Annamaria Müller. Die Leiterin des Berner Spitalamtes sähe für Laufen schon alleine wegen der geringen Kapazität von 60 Betten schwarz. In Bern gibt es nur noch 7 Regionalspitalzentren mit 16 öffentlichen Spitälern. Deren Grösse bewege sich zwischen 150 und 200 Betten. Zwölf Spitäler seien bisher bereits gestrichen oder umgewandelt worden. Und es geht noch weiter. Das Ziel sei nur noch ein Spital pro Region. Müller sagt klar: «Eine Bestandesgarantie für das Spital Laufen gibt es bei uns nicht. Es müsste selbstständig rentieren.» Einzig der Status des Bezirk Laufens als Berner Exklave ohne direkte Kantonsanbindung liesse Deutungsspielraum.

Berntreue pochen auf Vertrag

Ist Laufen also am Ende mit dem Kantonswechsel gar besser gefahren? «Das ist eine bösartige Behauptung», reagiert Hans Herter empört. Das Ehrenmitglied der Berntreuen legt keinen Wert auf die «Meinung von Verwaltungsangestellten». Er weist aber auf den für ihn alles entscheidenden Unterschied hin: «Bern hat uns nie eine Bestandesgarantie gegeben. Uns geht es nur darum, was uns Baselland versprochen hat.» Überhaupt haben die rund 120 verbliebenen Berntreuen ihren Blick längst vom Hauptstadtkanton abgewandt. Herter: «Es gibt heute wohl keinen einzigen Laufentaler mehr, der wirklich zurück nach Bern möchte.»

Aktuelle Nachrichten