Coronavirus
Brief der Privatspitäler: Ausgeliehenes Personal am Bruderholzspital zu schlecht geschützt?

Keine Freude hatten die vier Baselbieter Privatspitäler, als einige Mitarbeiter krank vom Leih-Einsatz am Bruderholzspital zurückkamen. In einem Brief an den CEO fordern sie, dass das KSBL seine Schutzvorkehrungen fürs Personal an ihre höheren Standards anpasst.

Michael Nittnaus
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Für Ärzte und Pflegende am Bruderholzspital ist ein guter Covid-19-Schutz sehr wichtig.

Für Ärzte und Pflegende am Bruderholzspital ist ein guter Covid-19-Schutz sehr wichtig.

Peter Klaunzer

Das Kantonsspital Baselland (KSBL) braucht Hilfe. Das eigene Personal ist bei der Pflege der Coronapatienten am Anschlag. Wie im Basler Universitätsspital und Claraspital helfen deshalb Pflegende und Anästhesisten der Privatspitäler aus. Im Moment sind sieben externe Pflegefachkräfte am KSBL im Einsatz. Diese Personalausleihe ist vertraglich vereinbart. Und keineswegs konfliktfrei. So sah sich der Kanton Basel-Stadt Anfang Dezember genötigt, den Basler Privatspitälern zu drohen, per Verfügung mehr Mitarbeitende abzuziehen. In Baselland lief die Zusammenarbeit bis jetzt eigentlich gut. Bis jetzt.

Nun erheben die vier Baselbieter Privatspitäler Hirslanden Birshof, Vista Klinik, Ergolz Klinik und Rennbahnklinik happige Vorwürfe ans KSBL. Am Montag versendeten sie einen Brief an den KSBL-CEO Norbert Schnitzler. Im Schreiben, das der bz vorliegt, beklagen die vier Klinikdirektoren, dass vier ans Bruderholzspital ausgeliehene Mitarbeitende vom Birshof und der Vista Klinik nach ihren Einsätzen auf den Corona-Bettenstationen des 6. und 12. Stockwerkes krank geworden seien. Zwei seien coronapositiv und zwei hätten einen anderen Infekt.

Bessere Masken und Schulungen gefordert

Im Brief halten die Privatspitäler zwar fest, dass dies auch bloss eine «unerklärbare Häufung» sein könne. Die Fälle lösten aber aus, dass sie die Arbeitsbedingungen am KSBL näher unter die Lupe nahmen: «Mit grossem Erstaunen mussten wir feststellen, dass sich das KSBL zwar an die Empfehlungen von Swissnoso (nationales Zentrum für Infektionsprävention, Anm. d. Red.) hält, jedoch keine zusätzlichen Hygiene-Schutzvorkehrungen für das Personal eingeführt hat», heisst es im Schreiben.

In den Privatspitälern müssten Mitarbeitende, die coronapositive Patienten betreuen, die besseren FFP2-Masken sowie Einwegkittel und Schutzbrillen tragen. Auch müssten sie sofort in Quarantäne, wenn sie sich haben testen lassen. Am KSBL ist dies erst nötig, wenn das Testresultat vorliegt, ausser man zeigt klare Symptome. Auch werden FFP2-Masken bloss auf der Intensivstation eingesetzt. Brisant: «Laut Aussage unserer Mitarbeitenden wurde ihnen das Tragen von FFP2-Masken untersagt», steht im Brief. Für die Privatspitäler steht der Schutz ihrer Mitarbeitenden im Zentrum. «Wenn wir nun Personal ins KSBL, namentlich ins Bruderholzspital, ausleihen, gehen wir davon aus, dass diese Aufgabe durch das Bruderholzspital übernommen wird.»

Ich hoffe nicht, dass es so weit kommt, dass wir unser Personal nicht mehr guten Gewissens ans KSBL schicken können.

(Quelle: Beatriz Greuter, Direktorin Hirslanden Klinik Birshof)

Doch nicht nur die Schutzmassnahmen kritisieren die Baselbieter Privatspitäler. Sie verweisen auf die Ende April unterzeichnete Absichtserklärung zwischen dem KSBL und ihnen. Dort sei definiert worden, dass das ausgeliehene Personal im Hinblick auf eine mögliche zweite Welle vom KSBL geschult werde. Diese «Refresher-Schulungen» hätten nie stattgefunden. «Unsere Mitarbeitenden sind nicht spezialisiert in der Betreuung von Patienten mit einer stark infektiösen Grunderkrankung wie Covid, geschweige denn in Sterbebegleitung.» Der Vorwurf hier: Mangelnde Unterstützung durch das Bruderholz-Fachpersonal.

Die Motivation des Briefes ist unklar

Der Brief schliesst mit der Beteuerung, dass die Privatspitäler «weiter bereit sind, unseren Beitrag in der Pandemie zu leisten». Allerdings müsste dafür das Personal bestmöglich geschützt werden. «Darum bitten wir Sie, das Schutzkonzept für ihre und unsere Mitarbeitenden auf den Kohortenstationen im Bruderholz dem Schutzkonzept des Basler Universitätsspitals anzupassen.» Sollte dies nicht möglich sein, würden die Privatspitäler ihre Mitarbeitenden selbst mit den erforderlichen Masken und Schutzbrillen ausstatten.

Der Vergleich zum Unispital erstaunt: Gerade was die Nutzung von FFP2-Masken angeht, hält sich dieses wie das KSBL an die Empfehlung von Swissnoso, dass die gewöhnlichen Schutzmasken für den normalen Umgang mit Coronapatienten ausreichen. Überhaupt stellt sich die Frage, weshalb die vier Privatspitäler sofort zum scharfen Mittel des offiziellen Briefes an den CEO griffen, zumal heute Mittwoch sowieso ein Treffen im Rahmen des Teilstabs Pandemie des Baselbieter Krisenstabs ansteht. Wollen sie so erwirken, ihre Leute bei sich behalten zu können?

Kantonsspital möchte nicht öffentlich Stellung nehmen

Auf Nachfrage der bz versucht Dietrun Grafahrend von der Vista Klinik, den Ball flach zu halten: «Wir unterstützen sehr gerne den Kanton und das KSBL.» Die Zusammenarbeit sei nicht gefährdet. «Da sich unsere Mitarbeiter aber freiwillig für den Einsatz am Bruderholz melden, würden wir ihnen dort gerne vergleichbare Standards ermöglichen.»

Beatriz Greuter vom Birshof wird etwas deutlicher: «Unsere Mitarbeitenden gehen gerne aufs Bruderholz, doch wir müssen ihre Rückmeldungen ernst nehmen. Es ist schade, dass so ein Brief nötig ist, es gibt Diskussionsbedarf. Ich hoffe nicht, dass es so weit kommt, dass wir unser Personal nicht mehr guten Gewissens schicken können.»

Weder der Kanton Baselland noch das KSBL wollten gestern zu den Vorwürfen Stellung nehmen. Das KSBL teilt lediglich mit: «Wir pflegen die Kultur, persönlich an uns gerichtete Schreiben auch persönlich an die Absender zu beantworten.» Die Antwort dürfte gesalzen ausfallen.

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