Sternwarte Metzerlen
Charles Trefzger guckt nachts in die Röhre

Welche Sternenbilder gibt es aktuell zu sehen? Die bz besucht den Astronomen Charles Trefzger in der Sternwarte Metzerlen.

Claudia Maag
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Charles Trefzger mit dem Cassegrain-Teleskop in der Sternwarte Metzerlen.

Charles Trefzger mit dem Cassegrain-Teleskop in der Sternwarte Metzerlen.

Kenneth Nars

Man würde nicht denken, dass sich mitten in dieser hügeligen Landschaft mit Kuhweiden eine Sternwarte befindet, sähe man nicht von weither auf dem Gerenhübel die Kuppel der Regio-Sternwarte. Nach einem kurzen Fussmarsch steht man vor einem holzverkleideten Wohnhaus.

Dieses ist Teil des Observatoriums. Der Technische Leiter Charles Trefzger lebt dort und begrüsst die Besucher. Über einen eingeglasten Korridor gelangt man ins Reich der Astronomie: Einen runden, hohen Raum, der von einem hellgrauen Ungetüm beherrscht wird. Vorne streckt sich ein Teleskop gen Himmel; hinten eine grosse Kamera.

Um zum hinteren Teil zu gelangen, zirkelt man sich vorsichtig an den Instrumenten vorbei, über einige am Boden liegende Kabel. Dort stehen ein massiver Schreibtisch und ein alter Schrank. Das Cassegrain-Teleskop wurde nach dem Franzosen Laurent Cassegrain (1629–1693) benannt. Damit blickt das Publikum in die Sterne. Der Hauptspiegel wirft das ankommende Licht zurück und bündelt es. Das Licht trifft auf einen Sekundärspiegel, der es wiederum zurückspiegelt.

10'000 Mal besser sehen

Der Hauptspiegel-Durchmesser beträgt 60 Zentimeter. Das bedeutet, dass man damit 10'000 Mal besser als mit blossem Auge sieht. «Das ist ein recht kompaktes Spiegelteleskop. Das Rohr wäre zweimal so lang, wäre es ein Linsenteleskop», erklärt Trefzger. Wenn er einen Knopf an der Wand drückt, rumpelt und surrt es laut, während sich die Kuppel dreht. In Kontrast zur lärmigen Begleitung bewegt sich die hölzerne Innenauskleidung elegant.

Der Kuppelspalt ist geöffnet, es dringt Tageslicht und Vogelgezwitscher herein. Bedauerlicherweise ist es noch hell. Normalerweise könnte man jetzt Mond, Jupiter, Orionnebel, Doppelsterne und Galaxien bestaunen. Hinten im Raum hängt eine digitale Schmidt-Kamera. In der Schweiz ist es die einzige, die in Betrieb ist. «Damit kann man Objekte sehen, die Millionen von Lichtjahren entfernt sind», sagt der 69-Jährige.

Früher wurden die Fotos mittels Film erstellt und in der Dunkelkammer belichtet. Heute ist eine Digitalkamera eingebaut. Die Schmidt-Kamera und das Cassegrain-Teleskop werden in der Mitte von einer massiven Polachse getragen. Ihre Gewichte kompensieren sich gegenseitig.

Vom Schrauber zum Astronom

Ursprünglich studierte Trefzger Maschinenbau an der ETH Zürich. Zur Astronomie kam er einerseits über sein Interesse an optischen Geräten, andererseits war das Sterne Beobachten sein Hobby. Später studierte er in Heidelberg vier Jahre Astronomie. Seit rund 30 Jahren ist er Dozent an der Universität Basel. Physikstudenten können beim Observatorium ein Praktikum absolvieren.

Anfänglich gehörte die Sternwarte dem Astronomischen Institut der Uni Basel. 1959 wurde die Forschungsstation in Betrieb genommen. Trefzger arbeitete damals bereits dort. Bald wurde klar, dass Standort und Instrumentierung mit professionellen Sternwarten nicht mithalten konnten. 2007 schloss die Universität das Astronomische Institut. Nach vier Jahren verkaufte Immobilien Basel-Stadt die Liegenschaft.

Damit das Observatorium nicht zweckentfremdet wurde, gründeten einige Privatpersonen, darunter Trefzger, die Stiftung Regio-Sternwarte Metzerlen und erwarben das Grundstück. Das Motto der Stiftung lautet: Sehen-Staunen-Verstehen. Das Publikum soll lernen, genau hinzusehen, sich dann über das Gesehene zu wundern und letztlich zu verstehen, wie sich das Beobachtete erklären lässt.

Sternenbilder auf der Wiese

Hinten am Teleskop ist ein Suchfernrohr befestigt. Damit sehen Besucher ganze Objekte wie den Mond. Dann folgt die Detailansicht mit 300-facher Vergrösserung am Teleskop, etwa eine Mond-Kraterlandschaft. Um diese zu sehen, blickt man in das schwarze Okular, das sich ganz unten am Instrument befindet. Der Maschineningenieur führt das Publikum jeweils hinaus auf die Sternenwiese, die ebenfalls zum Anwesen gehört. Dort ist die Sicht uneingeschränkt und er erklärt die Sternenbilder. Verglichen mit der Stadt gibt es wenig Lichtverschmutzung. Laut Trefzger ist beim Publikum «grundsätzlich Interesse da». Doch ihm fällt auf: «Die Leute können nicht mal mehr die Mondphasen erklären. Es wäre gut, wenn es Astronomie als Schulfach gäbe.»

Öffentliche Sternabende ab Freitag, 18. März, von 19.30 bis 22 Uhr, nur bei schönem Wetter. www.regio-sternwarte-metzerlen.ch

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