Das Baselbiet ist besorgt: Klimawandel macht Trinkwasserquellen unsicher

Der Kanton will wegen befürchteten Trinkwasser-Engpässen das Wasserleitungssystem weiter vernetzen. Doch dieses Vernetzung birgt auch Risiken.

Andreas Hirsbrunner
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In Buus und Umgebung sprudelte das Wasser nicht so sauber, wie es sollte.

In Buus und Umgebung sprudelte das Wasser nicht so sauber, wie es sollte.

Nicole Nars-Zimmer

Das Trinkwasser steht dann im Fokus, wenn es knapp wird oder verunreinigt ist. So letztmals vor ein paar Tagen in Buus, als eine Desinfektionsanlage versagte und Fäkalbakterien ins Wasser von Buus, Maisprach und Rickenbach gelangten. Hemmiken, das am gleichen Verteilsystem hängt, hatte Glück, weil es im kritischen Zeitraum eigenes Quellwasser ins Netz einspeiste. Gestern konnten nun Buus und Co. das Wasser wieder freigeben, nachdem eine Wasserprobe tadellos ausgefallen war.

Das Beispiel Buus steht ein Stück weit stellvertretend für die Baselbieter Wasserversorgung: Verunreinigungen kommen heutzutage zwar selten vor, aber wenn, dann ist meistens ein grösserer Kreis davon betroffen. Das war auch in Liestal im Sommer 2019 so, dem zweitaktuellsten Verunreinigungsfall im Kanton. Auch damals mussten nicht nur die Liestaler, sondern ebenfalls die Einwohner von fünf umliegenden Gemeinden das Wasser abkochen.

Das hängt damit zusammen, dass die Wassersysteme zusehends vernetzter sind und es kaum mehr eine Gemeinde im Baselbiet gibt, die völlig autonom nur vom eigenen Wasser lebt. Achim Benthaus, beim kantonalen Amt für Umweltschutz und Energie für die Wasserversorgung zuständig, hält unmissverständlich fest: «Zur Vernetzung der Wasserversorgungen gibt es keine Alternative. Die Stärken dieser Systeme sind die hohe Versorgungssicherheit auch in ausserordentlichen Situationen.»

Handlungsbedarf vor allem im oberen Kantonsteil

Bis jetzt standen mögliche Störfälle im Zentrum. Mit dem Klimawandel steht nun eine neue, grosse Herausforderung an, die sich in den vergangenen Jahren im Oberbaselbiet bereits bemerkbar gemacht hat: Wasserknappheit als Folge der Trockenheit. Das verlangt auch dem Kanton in seiner Rolle als Aufsichts- und Planungsbehörde über die Trinkwasserversorgung einiges ab. Benthaus sagt: «Die Wasserversorgungsplanung ist für uns eine Daueraufgabe. Die wichtigsten künftigen Massnahmen sind zusätzliche Netzverbindungen, um die Versorgungssicherheit im Hinblick auf Störfälle und Wasserknappheit bei Trockenheit zu erhöhen.»

Man sei jetzt daran, die Leitbilder und Massnahmeplanungen für den Zeithorizont 2040 zu überarbeiten. Ziel sei dabei, durchgängige, leistungsfähige Verbindungen entlang der Talachsen mit Wasserliefermöglichkeiten in beide Richtungen zu schaffen. Das vor allem im Ergolztal und seinen Seitentälern. Hier gibt es laut Benthaus noch Lücken oder Engpässe zwischen Itingen und Sissach, Böckten und Gelterkinden, Tenniken und Diegten sowie in den beiden Frenkentälern. Sind diese beseitigt, kann theoretisch Grundwasser aus der Muttenzer Hard aus den Ormalinger Hähnen fliessen.

Keinen Handlungsbedarf gibt es im Birstal. Dieses sei dank einer neuen Transitleitung bis Duggingen schon heute sehr gut zusammengeschlossen und auch mit dem Leimental sowie den grossen Wasserwerken der IWB und Hardwasser vernetzt. Eine Verbindung weiter ins Laufental sei nicht geplant, weil dieser Kantonsteil über ein ausreichendes Wasserangebot verfüge und gut mit dem solothurnischen Thierstein verlinkt sei, sagt Benthaus.

Trinkwasser stammt zum grössten Teil aus Grundwasserbrunnen

Zu den wichtigsten Playern in der kantonalen Trinkwasserversorgung gehören nebst Gemeinden wie Liestal oder Buus, die Wasserüberschüsse an die Nachbarn abgeben, die zehn bestehenden Wasserwerke respektive Zweckverbände. Diese Wasserförderer – sechs im unteren und vier im oberen Kantonsteil – agieren als separate Organisationen ausserhalb der Gemeinden. Die drei grössten sind die Hardwasser AG (Fördermenge 14 Millionen Kubikmeter pro Jahr), das Wasserwerk Reinach und Umgebung (3,5 Mio.) und der Zweckverband Aesch-Dornach-Pfeffingen (2 Mio.). Nach wie vor in den Händen der Gemeinden ist die Wasserverteilung an die Konsumenten.

Quellen verlieren bei uns an Bedeutung für die Wasserversorgung.  

(Quelle: Achim Benthaus, Amt für Umweltschutz und Energie BL)

Das Trinkwasser stammt im Baselbiet zu 86 Prozent aus Grundwasserbrunnen und zu 14 Prozent aus Quellen. Letzteres vor allem in kleinen Gemeinden in höheren Lagen. Dabei zeigt sich in trockenen Jahren, dass Quellschüttungen schneller zurückgehen als Grundwasserpegel.

Und auch wenn die Quellen noch ausreichend sprudeln, lassen sie sich gerade in Trockenzeiten mit hohem Bedarf kaum verstärkt nutzen, weil sonst das Wasser in den Bächen knapp würde. Das wäre für die Fauna, allen voran die Fische, verheerend. Benthaus prognostiziert: «Die Tendenz geht bei uns in die Richtung, dass Quellen für die Wasserversorgung an Bedeutung verlieren.»

Trotz stark gewachsener Bevölkerung von über zehn Prozent ist der Wasserverbrauch im Baselbiet in den letzten 20 Jahren kaum gestiegen. Benthaus erklärt den sinkenden Pro-Kopf-Verbrauch in erster Linie mit modernisierten Armaturen und Geräten.

Wasser wird teurer

Die Wassergebühren sind im Baselbiet in den letzten Jahren vielerorts gestiegen. Und sie werden weiter steigen, sagt Achim Benthaus von der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion. Das betreffe vor allem kleinere Gemeinden, in denen die Leitungslänge im Verhältnis zum verteilten Wasser hoch sei. Oder mit andern Worten: Wer mit wenig verkauftem Wasser auch noch eine ausgedehnte Infrastruktur am Leben erhalten muss, braucht mehr Geld für dieses Wasser.

Obenaus schwingen preislich derzeit Arboldswil mit 4.31 vor Ramlinsburg mit 3.95 Franken pro Kubikmeter Trinkwasser. Unter dem Strich am meisten dürften aber die Nusshöfer fürs Wasser bezahlen: Sie haben nebst einem hohen Kubikmeterpreis von 3.49 Franken auch noch eine rekordhohe jährliche Grundgebühr von 307.50 Franken zu entrichten. (hi)