Wirtschaft
Das ist die neue Kantonalbank-Tochter für die ganze Schweiz

Die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) will bis 2022 eine neue und schweizweit tätige digitale Finanzdienstleisterin aufbauen. Der bisherige BLKB-Finanzchef Herbert Kumbartzki wechselt zur neuen Einheit. Luca Pertoldi wurde zudem von der BKB abgeworben.

Bojan Stula
Drucken
Teilen
Die BLKB ist die grösste Bank im Baselbiet.

Die BLKB ist die grösste Bank im Baselbiet.

GEORGIOS KEFALAS

«Inside Paradeplatz» war am Freitag mit einem Urteil rasch zur Hand: Eine «irre Offensive» schimpfte das Branchenportal die Expansionspläne der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB). Ebenso wenig Applaus dürfen die Baselbieter von jenem Teil ihrer Kundschaft erwarten, der noch immer wegen einzelner Filialschliessungen frustriert ist. Für CEO John Häfelfinger dagegen sei es das grössere unternehmerische Risiko, «sich nicht nach den Neuerungen in der Branche und den veränderten Marktbedürfnissen zu richten».

Nach dem Umbau des Filialnetzes, der forcierten Digitalisierung und der Eröffnung von Zweigstellen in Basel und im Fricktal steht jedenfalls der nächste strategische Meilenstein bevor: Bis Mitte 2022 will die BLKB eine unabhängige, schweizweit tätige Digitaltochter im Markt einführen. CEO Häfelfinger und Bankratspräsident Thomas Schneider informierten am Freitagmorgen in einer Videokonferenz die Medien. Das sind die wichtigsten Eckwerte des Vorhabens:

Name und Sitz

Intern läuft das Projekt noch unter dem Arbeitstitel «New Corporation». Gründungsort wird Liestal sein, die Arbeitsplätze aber über die ganze Schweiz verteilt. Viel mehr Details zum äusseren Auftritt – wie auch zu den meisten anderen Bereichen – wollten die Verantwortlichen gestern noch nicht verraten. Stattdessen verwiesen sie auf die Bilanz-Pressekonferenz am 10. März 2021. Klar ist, dass es keinerlei Markenbezug zum Baselbiet geben wird. Mit einem derartigen Label hätte man in Zürich oder im Tessin keine Chance. «Die neue Einheit soll sich unabhängig entwickeln», betonte Häfelfinger.

Angebot und Kunden

Die neue Tochterfirma soll hauptsächlich im Online-Kommissionsgeschäft, also im Verkauf von Anlageprodukten und der Vermögensberatung, tätig sein. Die Betonung soll dabei auf dem Nachhaltigkeitsgedanken liegen. Angesprochen wird Kundschaft «aus dem Mittelstand». Explizit nicht vorgesehen sind «Billigangebote» oder ein Gratiskonto, womit man sich von den rund 170 Konkurrenten in diesem Bereich, etwa der neuen CS-«Handybank» CSX, abheben möchte. «Wir sehen ein klares Bedürfnis von Kunden, die ein digitales und nachhaltiges Angebot wollen», sagte Häfelfinger zur Geschäftsidee.

Finanzierung

Vorerst gibt es weder zur Höhe des Startkapitals noch zum künftigen Businessplan genauere Angaben. Gerüchteweise wird ein Startkapital von 100 Millionen Franken herumgeboten, was am Freitag weder bestätigt noch dementiert wurde. Stattdessen betonten die Verantwortlichen, dass die BLKB die neue Tochter mit einer einmaligen und abschliessenden Anschubfinanzierung ausstatten wird, an der sich mehrere Partner beteiligen sollen. Man stehe derzeit in vielversprechenden Verhandlungen, auch mit anderen Kantonalbanken. Dabei sei nicht einmal gesagt, dass die BLKB zwingend eine 51-Prozent-Mehrheit halten müsse.

Zu einer finanziellen Belastung des Kerngeschäfts wird es laut Häfelfinger nicht kommen. Die Anschubfinanzierung wird aus dem 2018 geäufneten internen Innovationsfonds entnommen, wo dieser Betrag regulär eingestellt wurde. Wie viel Geld in diesem Fonds steckt, verrät die Kantonalbank nicht.

Ohne Staatsgarantie

CEO und Bankratspräsident betonten mehrfach, dass die neue Tochtergesellschaft als unabhängige Einheit ausserhalb der Staatsgarantie des Landkantons laufen werde. Baselland wird also allfällige Verluste nicht decken müssen – anderseits aber auch nicht direkt am Gewinn beteiligt sein. Vorgängige rechtliche Abklärungen hätten die Konformität mit dem Kantonalbankengesetz und der Eigentümerstrategie bestätigt. Offen sei noch, ob für das neue Finanzdienstleistungsunternehmen bei der Finma eine Bankenlizenz beantragt wird.

Personelles

Noch sei man daran, die künftige Geschäftsleitung zu rekrutieren. Beim Aufbau soll der bisherige BLKB-Finanzchef Herbert Kumbartzki (58) die Nachhaltigkeitsstandards garantieren, weshalb er per 31. Juli 2021 zur neuen Einheit wechselt und zusammen mit «Loanboox»-Gründer Stefan Mühlemann (48) Verwaltungsrat wird. Als VR-Präsident ist Bankrat Marco Primavesi (61) vorgesehen. Neuer BLKB-Finanzchef wird Luca Pertoldi (49), den man aus der Konzernleitung der Basler Kantonalbank abgeworben hat.

Aktuelle Nachrichten