Wallfahrt

Das Kloster Mariastein soll mehr Pilger anziehen – Junge und Migranten im Fokus

Immer weniger Personen besuchen die Gottesdienste in Mariastein. Dem möchte man entgegenwirken. Ab April soll eine Wallfahrts-Assistentin vor allem Angebote für Jugendliche und Besucher mit Migrationshintergrund erarbeiten.

Dimitri Hofer
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Das Kloster Mariastein ist nach dem Kloster Einsiedeln der zweitwichtigste Wallfahrtsort der Schweiz.
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Immer weniger Pilger besuchen das Kloster Mariastein.
Dr. Olivia Forrer ist die neue Assistentin Wallfahrt. Sie soll wieder mehr Pilger anziehen.
Beichte

Das Kloster Mariastein ist nach dem Kloster Einsiedeln der zweitwichtigste Wallfahrtsort der Schweiz.

Robert Grogg

Das Kloster Mariastein ist nach dem Kloster Einsiedeln der zweitwichtigste Wallfahrtsort der Schweiz. Doch seit einigen Jahren hat die Abtei im Schwarzbubenland mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Benediktiner, die seit dem 17. Jahrhundert die Wallfahrtsseelsorge übernehmen, sind überaltert und sterben langsam aus. Die klassischen Pilgerinnen und Pilger, die nach Mariastein kommen, nehmen ab.

Um diesen Problemen entgegenzuwirken, wurde nun eine neue Stelle geschaffen. Ab April wird Olivia Forrer, die derzeit noch im Basler Claraspital als Spitalseelsorgerin arbeitet, im Kloster für die Wallfahrt zuständig sein. Sie soll dafür sorgen, dass die Pilger in Mariastein besser betreut werden. Die 52-Jährige hat vor allem die Aufgabe, Angebote für Jugendliche und Menschen mit Migrationshintergrund zu erarbeiten.

Am Sonntag vielleicht nur noch zwei Gottesdienste

Mit der neuen Mitarbeiterin ist auch die Hoffnung verbunden, wieder mehr Menschen in die Gottesdienste zu locken. Obwohl die jährlichen Pilgerzahlen nicht statistisch erfasst werden, spüren die Benediktiner, dass immer weniger Besucherinnen und Besucher in den Gottesdiensten sitzen. «Vor einigen Jahren reduzierten wir die Anzahl Gottesdienste am Sonntagmorgen von vier auf drei. Nun denken wir darüber nach, sie auf zwei zu beschränken», sagt Pater Ludwig Ziegerer, der im Kloster Mariastein als Wallfahrtsleiter tätig ist. Auch beim Vespergottesdienst am Sonntagnachmittag registriere man einen Rückgang der Anwesenden. Die neue Angestellte Olivia Forrer wird Ziegerer künftig assistieren und ihn entlasten.

Pater Ludwig Ziegerer und seine Mitbrüder stellen immer stärker fest, was das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut in Sankt Gallen vor fünf Jahren in einer Wallfahrtsstudie für Mariastein prognostizierte: «Angesichts dieser Entwicklungen muss angenommen werden, dass die katholische Besuchergruppe aus dem Dreiländereck in den nächsten Jahrzehnten zunehmend wegerodieren und die traditionelle Wallfahrtspraxis weiter an Bedeutung verlieren werden. Vermutlich werden die katholischen Migrantenwallfahrten diese Verluste mittelfristig zu einem gewissen Teil kompensieren können.» Ziegerer erklärt, dass mittlerweile die Besucher mit Migrationshintergrund in der Überzahl seien.

Das Bedürfnis nach Mariastein ist da. Man muss es nur wecken.

(Quelle: Olivia Forrer, Neue Assistentin Wallfahrt)

Jugendliche seien die Pilger von morgen

Viele fremdsprachige Pilger aus der Region kommen in Gruppen nach Mariastein. Portugiesen, Italiener und Tamilen feiern dort ihre eigenen Gottesdienste. «Ich möchte Kontakt aufnehmen mit den Verantwortlichen dieser Gruppen», sagt Olivia Forrer. «Uns interessiert, was sie sich von uns wünschen und was wir ihnen anbieten können.» Es sei das Ziel, die fremdsprachigen Besucherinnen und Besucher besser zu integrieren.

Gleichzeitig hat man vor, Angebote für Jugendliche anzubieten, welche die Erstkommunion absolvieren. Hier gebe es noch Verbesserungspotenzial. «Bei den Firmlingen sind wir mit den Führungen jedoch gut aufgestellt», findet Forrer, die in Mariastein in einem 80-Prozent-Pensum tätig sein wird. Sie sei selber früher oftmals mit ihrer Familie an Sonntagen nach Mariastein gereist. «Ich verbinde mit dem Kloster viele schöne Erinnerungen. So soll es auch bei den Jugendlichen sein.»

Für Olivia Forrer ist klar: «Das Bedürfnis nach Mariastein ist da. Man muss es nur wecken.» Dann sei die Chance intakt, dass die Jugendlichen später als Erwachsene zurückkehren. Jugendliche seien schliesslich die Pilgerinnen und Pilger von morgen.