Protest
Das Laufental vereint sich gegen geplante Deponien

An einer Landsgemeinde im Wasserschloss Zwingen sollen Politiker und Bevölkerung über die geplanten Deponien diskutieren. Sie soll allen offen stehen, um möglichst viele Stimmberechtigte davon zu überzeugen, das Mammutprojekt an der Urne abzulehnen.

Dimitri Hofer
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Das Wasserschloss Zwingen wird zur Hochburg der Deponiegegner.

Das Wasserschloss Zwingen wird zur Hochburg der Deponiegegner.

Roland Schmid

Was sich am 30. Oktober in Zwingen abspielen wird, hat das Laufental noch nie zuvor erlebt. Der Verein Depo-Nie im Quellgebiet organisiert im mittelalterlichen Wasserschloss eine Landsgemeinde. Grund für die ungewöhnliche Veranstaltung sind die geplanten Deponien im jüngsten Baselbieter Bezirk. In den Gebieten Stutz in Blauen und Sunnerai in Zwingen soll dereinst unverschmutztes Aushubmaterial abgelagert werden.

Die Idee für den Anlass stammt vom Laufner SP-Landrat Linard Candreia, der die Institution der Landsgemeinde aus seiner Heimat Graubünden kennt. «Eine Landsgemeinde, auch wenn es sie heute nur noch selten gibt, wird dann einberufen, wenn die Volksseele kocht. Und das ist momentan im Laufental wegen der Deponien ganz klar der Fall», sagt er. Die Menschen im Bezirk Laufen seien übergangen worden und würden sich zu Recht gegen das Mammutprojekt wehren. Gegen den Landratsentscheid vom April, die beiden Standorte in den kantonalen Richtplan aufzunehmen, entwickelte sich Widerstand. Knapp 4000 Personen – grösstenteils aus dem Laufental – unterschrieben ein Referendum, weshalb nun das Volk das letzte Wort hat. Ende November stimmt die Baselbieter Bevölkerung über das Begehren ab.

Deshalb soll die Landsgemeinde auch nicht nur Laufentalern, sondern allen Interessierten offen stehen. Ziel dabei ist, möglichst viele Stimmberechtigte vom Anliegen der Deponiegegner zu überzeugen. Im Schloss hat es Platz für rund 700 Menschen, und die Verantwortlichen hoffen, dass alle Stühle besetzt sein werden. «Wir möchten dem Baselbiet zeigen, dass sich die Laufentaler gegen Deponien und für Quellen einsetzen», erklärt Remo Stebler, Präsident des Vereins Depo-Nie im Quellgebiet. Durch die Errichtung der beiden Deponien müssten die für die Wasserversorgung von Zwingen bedeutenden Quellen Bernhardsmätteli und Pfandel aufgegeben werden.

Offenes Mikrofon für alle

Über diesen Umstand soll denn auch an der Landsgemeinde diskutiert werden. Es sei geplant, dass einige Landräte aus dem Laufental Reden halten, sagt Stebler. Bis auf Rolf Richterich (FDP) haben sich alle Laufentaler Parlamentarier an der Abstimmung im Landrat als Gegner der Deponien geoutet. Ausserdem habe man Vertreter von allen 13 Laufentaler Gemeinden eingeladen, erklärt der Präsident von «Depo-Nie». Der Verein hat momentan rund 50 Mitglieder, wobei jeden Tag neue dazustossen würden. «Es wäre wünschenswert, wenn aus jedem Dorf des Tals mindestens ein Gemeinderatsmitglied anwesend wäre.» Je mehr Einigkeit man zum Ausdruck bringe, desto grösser sei der Eindruck, den man hinterlasse.

Wie bei einer Landsgemeinde üblich besteht für alle Anwesenden die Möglichkeit, sich zu äussern. «Es wird ein offenes Mikrofon geben, auch wenn dafür nicht allzu viel Zeit vorgesehen ist aufgrund der Dichte des Programms», so Remo Stebler. Neben Auftritten von einigen lokalen Musikvereinen und einem gemeinsamen Mittagessen werde eine Art Sponsorenlauf um das Wasserschloss Zwingen stattfinden. Dies mit dem Ziel, Geld für den Kampf zur Rettung der Quellen zu sammeln.

Idee einer Resolution

Einen finanziellen Zustupf werden die Deponiegegner womöglich auch von der Gemeinde Zwingen erhalten. An der morgigen Gemeindeversammlung stimmt die Bevölkerung darüber ab, dem Verein Depo-Nie im Quellgebiet einen Kredit in der Höhe von 10 000 Franken für den kommenden Referendums-Abstimmungskampf zu gewähren. Unter demselben Traktandum schlägt der Zwingner Gemeinderat den Stimmberechtigten vor, einen Kredit über weitere 40 000 Franken für rechtliche Abklärungen im Zusammenhang mit den geplanten Deponien zu sprechen. Dies unter dem Vorbehalt, dass die Referendumsabstimmung verloren geht.

Um die Chance für eine erfolgreiche rechtliche Auseinandersetzung zu erhöhen, hat Linard Candreia eine Idee: «Wir könnten an der Landsgemeinde eine Resolution verabschieden und diese an den Kanton und den Bund schicken.» Darin soll man sich auf die Selbstbestimmung als Region berufen. Als Vorlage nennt der Sekundarlehrer eine ausserordentliche Landsgemeinde im hinteren Rheintal aus dem Jahr 1941. Damals sei es durch eine Resolution gelungen, einen überdimensionalen Staudamm zu verhindern.

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