Gastronomie

Das sind die schönsten Bergbeizen der Region 2020 – und der neue Pächter auf dem Vogelberg überrascht

Armando Baumgartner hat als Gastronom die halbe Welt gesehen. Jetzt will er seine Karriere in der urigen Bergbeiz beenden. Persönlicher Erfolg und Geld werden für den neuen Pächter immer weniger wichtig, dafür setzt er auf innere Ästhetik.

Andreas Hirsbrunner
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Der vergangene Sonntag beruhigte den neuen Pächter Armando Baumgartner: Auf dem Vogelberg lief es wie geschmiert.

Der vergangene Sonntag beruhigte den neuen Pächter Armando Baumgartner: Auf dem Vogelberg lief es wie geschmiert.

bz

Seit dem plötzlichen Tod der Pächterin im letzten Dezember ist der Vogelberg, eine der beliebtesten Bergbeizen in der Region, geschlossen. Vergangene Woche öffnete nun einer die Türen wieder, dessen Lebensweg keinen Moment in diese Abgeschiedenheit auf 1100 Meter über Meer hindeutete: Armin Baumgartner, aufgewachsen im Thurgau, gelernter Koch, Absolvent einer Hotelfachschule, Restaurant- und Hotelbetreiber sowie Ausbildner in der halben Welt, vor allem aber in Afrika, von Kenia über Ruanda bis nach Ägypten, die letzten 12 Jahre in einem Hotel in Ascona tätig.

Erste Fahrt auf Vogelberg war eine Irrfahrt

Dass er, dessen Vorname im Verlaufe der Jahre in andern Erdteilen von Armin zum klangvolleren Armando mutierte, den Vogelberg nie auf dem Kompass hatte, zeigte das erste Kennenlernen. Baumgartner sah die ausgeschriebene Pächterstelle, fuhr im Februar vom Tessin nach Lauwil, in dessen Bann die urige Bergbeiz steht. Dort fragte er nach dem Weg und musste als erste Lektion lernen, dass man von Lauwil nur zu Fuss auf den Vogelberg gelangen kann.

Über diesen Link können Sie die Karte auch auf Google Earth in einer mehrdimensionalen Ansicht abrufen.

Also nahm er den fast einstündigen Weg über den Passwang, der einzigen Zufahrtsstrasse zum Vogelberg, unter die Räder. Er sei immer noch in einem permanenten Lernprozess, erzählt Baumgartner. Alles, vom Eröffnen eines Postfachs bis zur Abfallentsorgung sei etwas kompliziert auf dem Vogelberg, der zwar zum Baselbiet gehört, aber aufs Solothurnische ausgerichtet ist.

 «Ich habe im Herbst meines Berufslebens so etwas gesucht.» Armando Baumgartner Neuer Pächter des Vogelbergs

«Ich habe im Herbst meines Berufslebens so etwas gesucht.» Armando Baumgartner Neuer Pächter des Vogelbergs

Andreas Hirsbrunner

Doch wieso will ein Weltenbürger wie er überhaupt auf den Vogelberg? «Ich stehe im Herbst meines Berufslebens und habe so etwas Abgelegenes gesucht. Je älter ich werde, umso eine kleinere Rolle spielen Erfolg und Geld. Dafür wird die innere Ästhetik wichtiger.» Darunter versteht er etwa die Ruhe auf dem Vogelberg und das Vogelgezwitscher, das ihn empfängt , wenn er morgens die Läden öffnet.

Aber die Ruhe ist relativ. An schönen Wochenenden wird der Vogelberg von Wanderern überrannt, der Job des Wirts wird zum Stress. An feucht-nebligen Tagen lässt sich dagegen keine Menschenseele blicken. Baumgartner meint dazu: «Ich habe diese Extreme gerne. Ich habe das auch schon an meiner Stelle auf der Rigi erlebt.»

Und auch auf dem Vogelberg erhielt er schon einen Vorgeschmack: Die ersten Tage nach der Wiedereröffnung waren nass-kalt und praktisch ohne Gäste, am sonnigen Wochenende herrschte quirliger Betrieb, obwohl die Gondelbahn auf die Wasserfallen coronabedingt immer noch ausser Betrieb ist.

Kalbsbraten ja, Hummer und Kaviar nein

Baumgartner sagt: «Ich war überrascht, wie gut das vor allem am Sonntag gelaufen ist. Und es hat mich beruhigt, dass ich alle 30 Kalbsbraten-Portionen verkaufen konnte.» Den sonntäglichen Kalbsbraten aus dem Holzofen möchte er auch zu seinem kulinarischen Aushängeschild machen.

Generell habe er das eher bescheidene Angebot seiner Vorgängerin ausgebaut und möchte künftig auch Bankette durchführen. Dabei setze er auf Einheimisches, Hummer und Kaviar seien bei ihm nicht zu haben.

Der Vogelberg gehört der Familienstiftung Voegelin. Vertreter Max Voegelin sagt zur Pächter-Wahl: «Wir hatten ein halbes Dutzend Bewerber. Armando Baumgartner hat mit seiner Persönlichkeit, seinem Auftreten und seiner Ausbildung überzeugt.» Man blicke mit ihm zuversichtlich in die Zukunft.
Wie lange der Pachtvertrag läuft, will Voegelin nicht sagen. Baumgartner ist 62 Jahre alt.

Diese Baselbieter Bergbeizen sind einen Ausflug wert

Wirtschaft Stierenberg

Im März ist die Bergwirtschaft Stierenberg von einem neuen Pächterpaar übernommen worden. Dieses kann erst seit letzter Woche so richtig durchstarten. Andrea Kämpfer und Koni Andermatt heissen ihre Gäste von Donnerstag bis Samstag und am Montag um 10 Uhr willkommen; am Sonntag öffnen sie bereits eine Stunde früher. Wer nach einem kurzen Marsch von Bretzwil via Ramstein beim Stierenberg ankommt, kann sich auf der grossen Sonnenterrasse bei einem Glas Wintersinger und Pouletflügeli im Chörbli stärken. Für ein besonderes Erlebnis sorgt das Schlafen im Stroh, wobei für Reiter die Möglichkeit besteht, ihre Pferde einzustallen. Das Buurezmorge à discrétion am nächsten Morgen ist im Preis inbegriffen. (mbo)

Berghaus Oberbölchen

Das Berghaus Oberbölchen liegt auf knapp 900 Metern Höhe und wird seit 20 Jahren von Evelyne Streiff geführt. Sie und ihr Team verwöhnen die Gäste unter der Woche ab 10 Uhr und am Wochenende bereits ab 8.30 Uhr. Am Montag ist jeweils Ruhetag (ausser bei gutem Wetter). Hausspezialitäten sind das Indianersteak, ein pikantes Bison-Entrecôte, Fischknusperli und Calamares. Wer eine etwas längere Wanderung auf die Belchenfluh plant oder an einem der monatlich stattfindenden Tanzabenden bis zum Morgengrauen die Hüfte schwingen möchte, ruht sich am besten in einem der zehn Hotelzimmer aus. Besonderes Highlight dabei sind die thematisch eingerichteten Räume, die einen von Afrika, Amerika oder dem Orient träumen lassen. (mbo)

Bergwirtschaft Kall

Auch im Kallhof wird es Veränderung geben: Die fünfköpfige Familie Meury, die das Restaurant seit über zehn Jahren führt, lässt den Pachtvertrag auf Ende Juli auslaufen. Wer die saisonale Küche mit Produkten von den umliegenden Höfen ein letztes Mal geniessen möchte, sollte bald einen Spaziergang von Eptingen via Grueben zum Chall planen. Kinder kommen auf dem Spielplatz oder bei einem selbst gemachten Glace auf ihre Kosten. Im Winter kann die Wirtschaft dank Stübli samt Kachelofen mit einem gemütlichen Ambiente auftrumpfen. Wer den Kallhof übernimmt, ist noch unklar. Bislang gelten die normalen Öffnungszeiten: Dienstag und Mittwoch sind Ruhetage, an den restlichen Tagen öffnen die Türen um 9 Uhr morgens. (mbo)

Hintere Wasserfallen

Nur wenige Gehminuten von der Bergstation Wasserfallen entfernt, befindet sich das Gasthaus Hintere Wasserfallen. Somit ist es auch bei Gästen beliebt, die lieber die Aussicht als das Wandern geniessen. Ausser am Montag wird hier jeden Tag währschafte Schweizer Küche angeboten. Als Besonderheiten gelten der sogenannte Galgengrill, der wahlweise mit Schweins-, Rinds- oder Pferdefilet bestellt werden kann und die verschiedenen Fondue-Variationen. Jeden Donnerstag zwischen Mai und Oktober bietet das Restaurant Senioren ab 60 Jahren ein Kombiangebot von Luftseilbahnfahrt und Menü an. Wer die Region Wasserfallen mittels mehrtägigen Wanderungen erkunden möchte, dem bietet der Massenschlag Unterschlupf. (mbo)

Wirtschaft Sissacherfluh

Auf 700 Metern Höhe und inmitten eines Gebiets unzähliger Wanderrouten liegt das Restaurant Sissacherfluh. Von hier oben kann man sich einer traumhaften Aussicht erfreuen. Der Ort ist für seine Events bekannt, die von Konzerten bis hin zu Oktoberfesten reichen. 2017 gewann die Sissacherfluh den ersten Platz bei der Doku-Soap «Mini Beiz, dini Beiz» des Schweizer Fernsehens SRF. Damals wie heute überzeugt die Bergwirtschaft mit ihrer ausgezeichneten Küche: Nebst Spezialitäten wie Rösti-Variationen oder Tischgrill kann man sich am Sonntag mit einem Brunch à discrétion verwöhnen lassen. Zur Zeit bietet das Restaurant, das unter der Woche um 11 Uhr und am Wochenende um 10 Uhr öffnet, ausserdem einen Take-away-Service an. (mbo)

Restaurant Waldweid

Ebenfalls in der Region Wasserfallen befindet sich die Waldweid. Von Waldenburg ist das Restaurant über die Studenweid in eineinhalb Stunden zu erreichen. Nebst hausgemachtem Apfelstreusselkuchen, viel Gastfreundschaft und einer gemütlichen Atmosphäre ist die Küche von Kathleen und Frank Wolter vor allem für ihren Waldweidspiess und Angus-Rindspezialitäten bekannt. Direkt ab Hof verkaufen die beiden Mostbröckli und nach Hausrezeptur hergestellte Würste. Geöffnet hat die Waldweid ab 10 Uhr, ausser an den beiden Ruhetagen Montag und Dienstag. (mbo)

Weitere Berggasthäuser in der Region sind im soeben erschienenen Berg-Beizli-Führer 2020/2021 zu finden.