Chronologie

Der Arxhof hat einige turbulente Jahre hinter sich – wir haben die Ereignisse zusammengefasst

Lange galt das Massnahmenzentrum für junge Erwachsene Arxhof (MZjE) als Vorzeigeinstitution. Bis sich 2016 die Ereignisse überschlugen. Eine Chronologie:

Alice Guldimann
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Arxhof (MZjE)

Arxhof (MZjE)

Juri Junkov

Anfang 2016: Peter Ulrich tritt sein Amt als Direktor des Arxhof an. Ein halbes Jahr später will er die Betreuung der Straffälligen neu strukturieren. Künftig sollen die Psychotherapeuten die Massnahmen bestimmen, im Austausch mit der Bezugsperson, einer Sozialpädagogin und einer Person aus dem Lehrbetrieb.

Unter Vorgänger Renato Rossi verstanden sich Sozialpädagogen und Therapeuten mehr als Team, das alle Entscheidungen gemeinsam trifft. Einige Mitarbeiter sahen diesen Paradigmenwechsel sehr kritisch, rund ein Drittel der 42 Betreuungspersonen reichte in den kommenden Monaten die Kündigung ein.

März 2017: Arxhof-Mitarbeiter wenden sich mit einem anonymen Brief an Sicherheitsdirektor Isaac Reber, Regierungspräsident Thomas Weber und Vizepräsidentin Sabine Pegoraro. Sie werfen der Arxhof-Direktion unter Peter Ulrich «Einschüchterung, Blossstellung und mobbingähnliche Mittel» vor.

Gegenüber der bz kritisieren Mitarbeiter nicht das neue System an sich, sondern den Umgang der Leitung mit Kritikern. «Wir wurden regelrecht mundtot gemacht», sagte ein Mitarbeiter. Gleichzeitig fürchteten die Angestellten, ihnen entgleite die Kontrolle über die jungen Männer, die sich gegenüber den Betreuern bedrohlich verhielten und «offensichtlich Drogen konsumieren».

Sowohl die Baselbieter Sicherheitsdirektion als auch Direktor Peter Ulrich dementieren die Inhalte des Briefes. Für Ulrich sind die Vorwürfe «nicht nachvollziehbar». Die Sicherheitsdirektion spricht ihm ihr uneingeschränktes Vertrauen aus.

Ende Mai 2017: Schlechte Nachrichten für den Arxhof: Einer der Jugendlichen ist in zwei brutale Raubüberfälle in der Basler Innenstadt verwickelt und sitzt in Untersuchungshaft. Beide Opfer mussten mit Verletzungen ins Spital gebracht werden.

Anfang Juni 2017: Erstmals äussert sich Sicherheitsdirektor Isaac Reber, der bis anhin zu den Vorgängen geschwiegen hat. Man habe die anonymen Hinweise aus dem Brief geprüft und sei zum Schluss gekommen, dass die Mitarbeitenden und Bewohner des Arxhof nicht gefährdet seien. Reber habe sich selber davon überzeugen können, dass die Mitarbeitenden «engagiert sind und ausgezeichnete Arbeit leisten». Auch nach dem Rückfall des Jugendlichen sieht er keinen Handlungsbedarf.

Ende Juni 2017: Die Regierung publiziert eine Baukredit-Vorlage für eine geschlossene Eintrittsabteilung im Massnahmenzentrum Arxhof. Die Abteilung soll inklusive weiteren Modernisierungen an den Gebäuden 3,75 Millionen Franken kosten.

Im Bericht geht die Regierung unter anderem darauf ein, dass die Bewohner vermehrt Mühe mit den offenen Strukturen des Eintrittsbereichs hätten. Es komme vermehrt zu Fluchten, was auch die Betreuer immer mehr überfordere. Damit bestätigt die Regierung indirekt die Berichterstattung der letzten Monate.

Nach diesen Ereignissen flachte der Medienrummel ab und es wurde wieder ruhiger um den Arxhof. Die Ruhe dauerte bis zum 17. Januar 2019, kurz vor der offiziellen Eröffnung der neuen geschlossenen Abteilung. Drei Jugendliche konnten mithilfe von Inventar und roher Gewalt aufs Dach der Abteilung gelangen und flüchten.