Massnahmezentrum
Der Arxhof steckt in den roten Zahlen

Für den Arxhof gab die Direktion von Justizdirektor Isaac Reber forsch eine Belegungsquote von 95 Prozent vor, obwohl diese selbst zu besten Zeiten des Massnahmezentrums nie erreicht wurde.

Christian Mensch
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MK- der Bau- und Umweltschutzdirektion: Eröffnung geschlossener Eintrittsbereich Massnahmenzentrum für junge Erwachsene Arxhof (MZjE).
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MK- der Bau- und Umweltschutzdirektion: Eröffnung geschlossener Eintrittsbereich Massnahmenzentrum für junge Erwachsene Arxhof (MZjE).
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Rundgang Arxhof
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MK- der Bau- und Umweltschutzdirektion: Eröffnung geschlossener Eintrittsbereich Massnahmenzentrum für junge Erwachsene Arxhof (MZjE).

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Juri Junkov

Die Eröffnung der geschlossenen Eintrittsabteilung des Arxhofs Anfang Jahr verlief symptomatisch: Drei Insassen suchten das Weite. Dabei sollte genau dies bei dem einst für seine Offenheit weit über die Grenzen hinaus bekannte Massnahmezentrum für straffällig gewordene Jugendliche ausbleiben.

Der seit Januar 2016 amtierende Direktor Peter Ulrich argumentierte mit einem therapeutischen Konzept, weshalb der Arxhof eine geschlossene Abteilung brauche. Das kognitive Niveau der Bewohner sei erheblich gesunken. Das verminderte Bildungsniveau führe nicht nur zu einem grösseren schulischen Aufholbedarf, die neu Eintretenden seien mit offenen Strukturen auch überfordert. Bis zu sechs Monate sollen deshalb Gitter das Abhauen erschweren. Eine solche Einrichtung sei zunehmend Anforderung wie Bedürfnis der zuweisenden Behörden.

Weniger Einweisungen

Der Landrat war von den Argumenten überzeugt und bewilligte 3,75 Millionen Franken. In der Vorlage der Regierung ist auf den mindestens so gewichtigen, wenn auch ganz anders gelagerten Grund verwiesen: Die Verweildauer der Insassen der offenen Abteilungen sei auf eine «existenzbedrohende» Weise gesunken. Mit der Verwahrung auf Zeit sollte denn auch weniger das unfreiwillige Abtauchen unterbunden werden, es sollte vielmehr die Rechnung des Kantons aufbessern.

Am Beispiel des Jahres 2014 rechnete die Regierung vor: Ohne geschlossene Eintrittsabteilung bleibe für den Kanton ein Defizit von knapp zwei Millionen Franken, das er auszugleichen hat. Mit einer solchen Abteilung steigt zwar der Aufwand um eine halbe, der Ertrag jedoch um 1,5 Millionen Franken. Anders gesagt: Die geschlossene Eintrittsabteilung ist schwer rentabel. Der Kanton spart – zumindest in der Theorie – eine Million Franken jährlich. Nach vier Jahren wäre die Investition amortisiert.

Aktuell läuft es allerdings nicht so rund wie geplant. Ulrich bestätigt, dass gemäss provisorischem Ergebnis auch 2018 ein Fehlbetrag von gut zwei Millionen Franken resultierte. Ulrich führt dies auf die «seit mehreren Jahren rückläufige Anzahl Verurteilungen» zurück. Budgetiert war gemäss kantonaler Finanzplanung allerdings eine Steigerung der Belegung von 73 auf 95 Prozent.

Im Dezember waren gemäss von den im Normalbetrieb 46 Plätzen aber nur 21 belegt. Sechs weitere hätten belegt sein sollen, die potenziellen Insassen befanden sich aber gerade auf der Flucht. Ulrich bestätigt: «2018 betrug die Belegung im Schnitt 28 Eingewiesene.» Obwohl ein Pavillon aufgrund des Umbaus geschlossen war, blieben Kapazitäten frei.

Die Sicherheitsdirektion von Isaac Reber erweckt den Anschein, die Situation im Griff zu haben. Für den Aufgaben- und Finanzplan der Regierung für die Jahre 2019 - 2022 gab seine Direktion forsch eine anhaltende Belegungsquote von 95 Prozent vor, obwohl diese selbst zu den besten Zeiten des Massnahmezentrums nie erreicht werden konnte. Sowohl «Termine», «Kosten» als auch «Qualität» seien «auf Kurs». Für die «Herausforderung» der Regierung, der Arxhof solle den «Kantonshaushalt substanziell entlastet», hatte Reber mit der geschlossenen Abteilung die «Lösungsstrategie».

Reber im Wahlkampfmodus

Der Öffentlichkeit ein poliertes Bild zu präsentieren, hat System. Vor vier Jahren kriselte es im Arxhof bedenklich, da der damalige Direktor, erst kurz zuvor von Reber ins Amt gehievt, den Laden nicht in den Griff bekam. Reber, der sich damals wie heute wieder im Wahlkampfmodus befand, schickte seinen Generalsekretär Stephan Mathis auf den Arxhof, um den Direktor eng zu begleiten. Kaum eine Sitzung, so erzählen damals Involvierte, habe ohne Mathis stattgefunden. Nach erfolgter Wiederwahl wurde der Direktor dann «in gegenseitigem Einvernehmen» entlassen. Reber hatte die Sache erfolgreich ausgesessen.

Chronik mit Auslassungen

Erst zwei Jahre später, Reber hatte mittlerweile Peter Ulrich zum Direktor ernannt, eskalierte die Situation und sie wurde auch öffentlich. Die Stimmung in der Institution war ins Bodenlose gesunken, 22 Mitarbeiter verliessen den Arxhof. Reber duckte sich zunächst weg, stellte sich dann hinter die Führung. Mit den Plänen für die geschlossene Abteilung schien zudem der Beweis erbracht, dass er trotz aller Unkenrufe den richtigen Mann an die Spitze des Arxhofs gesetzt habe.

Eine selektive Darstellung zeigt sich auch in der Chronik, wie sie auf der Website aufgeschaltet ist. Die Turbulenzen der vergangenen Jahre sind ausgeblendet. Vielmehr seien seit 2015 «Neue Herausforderungen» zu meistern, da sich die «Struktur der Zugewiesenen deutlich verändert» hätten.

Einer jener Bewohner, die schon kurz nach Einweihung der geschlossenen Abteilung geflüchtet war, konnte übrigens kurze Zeit später wieder in Gewahrsam genommen werden. Allerdings nur für kurze Zeit. Seither ist er wieder auf Achse.

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