Binningen

Die Sterbehilfe-Organisation Exit fasst Fuss in der Region Basel

Zwei Jahre lang habe Exit nach geeigneten Räumlichkeiten in der Umgebung des Basler Bahnhofs gesucht. Nun hat sie solche gefunden, aber nicht am Bahnhof, sondern in Binningen. Die Mitglieder können sich jetzt dort statt in Zürich beraten lassen.

Andreas Hirsbrunner
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In diesem Gebäude an der Hauptstrasse in Binningen hat Exit ihre neue Geschäftsstelle eröffnet.

In diesem Gebäude an der Hauptstrasse in Binningen hat Exit ihre neue Geschäftsstelle eröffnet.

Kenneth Nars

Zwei Jahre habe man gesucht, sagt Saskia Frei. Die Anwältin und ehemalige Basler FDP-Grossrätin präsidiert die Schweizer Sterbehilfeorganisation seit drei Jahren. Nun ist man fündig geworden: Per ersten Oktober hat Exit an der Hauptstrasse 24a in Binningen nach Zürich, Bern und Giubiasco ihre vierte Geschäftsstelle in der Schweiz eröffnet.

15 000 Mitglieder leben in Region

Geschäftsführerin in einem vorerst auf 20 Stellenprozente beschränkten Pensum ist Ursula Vogt aus Gelterkinden. Vogt ist bei Exit schon länger als Freitodbegleiterin tätig und bildet mittlerweile auch selber künftige Freitodbegleiter aus; von Beruf ist sie medizinisch-technische Radiologieassistentin. Eigentlich ist es überfällig, dass Exit in der Region präsent wird, denn fast ein Viertel der 70 000 Mitglieder lebt in der Nordwestschweiz; in der Westschweiz gibt es eine eigenständige Schwesterorganisation mit 20 000 Mitgliedern.

Und auch in Vorstand und Ethikkommission sind die beiden Basel mit je zwei von fünf Mitgliedern gut vertreten. Im Vorstand sind das Saskia Frei und die Liestaler Ärztin und FDP-Stadträtin Marion Schafroth. In der Ethikkommission, die sich unter anderem mit heiklen Fragen rund um die Sterbebegleitung beschäftigt, sind das ebenfalls Schafroth und die Juristin und Basler SP-Grossrätin Tanja Soland.

Mit der neuen Geschäftsstelle in Binningen reagiert Exit auch auf Klagen ihrer meist älteren Mitglieder, den langen Weg nach Zürich unter die Füsse nehmen zu müssen. Denn Hauptteil der Exit-Arbeit ist die Beratung ihrer Mitglieder rund um Patientenverfügungen. 90 Prozent der Mitglieder haben denn auch so eine Verfügung ausgefüllt, die alle bei der Sterbehilfeorganisation elektronisch gespeichert sind.

Saskia Frei empfiehlt: «Patientenverfügungen sollten alle zwei Jahre überprüft und visiert werden. Denn aktuelle Verfügungen haben eine höhere Verbindlichkeit als alte, weil sie in der Regel weniger Interpretationsspielraum lassen.»

Ab nächstem Jahr will Exit in Binningen auch Sterbebegleitung anbieten, wobei nur wenig davon Gebrauch gemacht werden dürfte. Denn Frei sagt: «Die meisten Menschen wollen daheim oder im Altersheim, wo Exit meistens zugelassen wird, sterben. Nach Binningen kommen allenfalls Leute ohne eigenes Zuhause.»

Tag der offenen Tür im November

Im letzten Jahr begleitete Exit in der Deutschschweiz und im Tessin 350 Menschen in den Tod, 2011 waren es 307. Die Mehrheit der Exit-Mitglieder sterbe eines natürlichen Todes, ergänzt Frei. Die Möglichkeit, eine Freitodbegleitung in Anspruch nehmen zu können, wirke für die meisten aber wie eine beruhigende Versicherung.

In einem halben Jahr will der Exit-Vorstand Bilanz ziehen und die Öffnungszeiten der neuen Geschäftsstelle, die vorerst auf montags beschränkt sind, allenfalls erweitern. Am 6. November gibt es auch einen Tag der offenen Türe: Von 15 bis 19 Uhr kann die Bevölkerung die Räume in Binningen besichtigen und mit Exit ins Gespräch kommen.