Landrat

Die Zukunft des Baselbiets heisst Verdichtung

Die Bau- und Planungskommission diskutiert kantonale Richtpläne.

Mirjam Bollinger
Drucken
Teilen
Im Baselbiet werden kantonale Richtpläne diskutiert. (Archivbild)

Im Baselbiet werden kantonale Richtpläne diskutiert. (Archivbild)

Roland Schmid

Diesen Donnerstag nimmt der Landrat Kenntnis von der Richtplanungstätigkeit zwischen den Jahren 2015 und 2018. Innerhalb zweier Kommissionssitzungen im März und Juni wurde der Richtplan bereits diskutiert. Die Vorlage, die letzten November eingereicht wurde, konzentriert sich auf die Themenbereiche Siedlung, Landschaft, Verkehr, Ver- und Entsorgung.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse im Bereich Siedlung betrifft das fortwährende Bevölkerungswachstum von 6700 Personen im untersuchten Zeitraum, wobei 90 Prozent davon Zugewanderte sind. Am stärksten gewachsen sind die Regionen Leimental und Rheintal/Hülften (0,7 Prozent); am wenigsten das Birstal (0,36 Prozent). Unüberbaute Wohnnutzungsfläche weist der Kanton Ende 2018 10,5 Prozent aus. Im Untersuchungszeitraum wurden 2554 Wohngebäude gebaut. Insgesamt beansprucht die Baselbieter Bevölkerung mit 329 Quadratmetern pro Einwohner eine geringere Siedlungsfläche als der schweizerische Durchschnitt von 407 Quadratmetern.

Die durch die fortschreitende Bautätigkeit unter Druck stehenden Fruchtfolgeflächen weisen eine Gesamtfläche von 9874 Hektaren auf, womit sie knapp über der Mindestvorgabe von 9800 Hektaren liegen. Ausserdem waren Ende 2018 8,8 Prozent der Kantonsfläche unter Schutz gestellt, 80 Prozent davon betraf Waldgebiete.

Nachhaltige Raumentwicklung trotz hoher Bevölkerungsdichte

Im Bereich Verkehr wurde das ÖV-Angebot erweitert und optimiert; dennoch war die U-Abo-Nutzerzahl rückläufig. Dies ist teilweise mit dem Zuwachs an E-Bikes zu erklären, der zwischen 2017 und 2018 20 Prozent beträgt.

Als Herausforderungen nennt der Bericht eine nachhaltige Raumentwicklung bei hoher Bevölkerungsdichte. Um diesem Trend Rechnung zu tragen, wurde am 1. Mai 2019 der angepasste kantonale Richtplan vom Bundesrat genehmigt. Seine zentralen Anliegen umfassen unter anderem Siedlungsbegrenzung und -verdichtung, Förderung der Siedlungsqualität, Sicherstellung eines funktionierenden Strassennetzes und Freiraumgestaltung in dichten Siedlungsgebieten.

Die Diskussion innerhalb der beiden Kommissionssitzungen zeigt das Spannungsfeld zwischen Bevölkerungswachstum einerseits und der anhaltenden Wohnflächenzunahme andererseits. So müssen 30 Gemeinden, die ihre Bauzonen zu weniger als 90 Prozent nutzen, aufzeigen, wie sie bis Juni 2022 eine Redimensionierung vornehmen. Weitere Diskussionspunkte betreffen die Umsetzung von Siedlungsverdichtung bei gleichzeitiger Verbesserung der Siedlungsqualität.

Hier lässt die Direktion verlauten, dass Wachstum dort stattfinden soll, wo Wege kurz sind, um Zersiedelung zu stoppen. Als Beispiel wird die geplante Fussgängerbrücke zwischen Dreispitz-Areal und Merian-Gärten genannt, die Arbeit und Erholung auf kleinstem Raum ermöglichen soll. Diskutiert wird ausserdem die Diskrepanz von Freiraum und Eingriff bei Planungen: So gehe in manchen Gemeinden viel Grünfläche verloren, weil Schotterflächen Gärten vorzogen werden. Hiermit zeigt sich auch, wie schwierig eine Definition von Siedlungsqualität ist.