Systemwechsel

Dilemma beim Leistungslohn für Lehrer – Lösung in weiter Ferne

Der Leistungslohn für die Baselbieter Kantonsangestellten wird kommen. Daran bestehen kaum noch Zweifel. Schwieriger aber ist die Frage, ob der Abschied vom automatischen Erfahrungsstufenanstieg auch bei den Lehrpersonen vollzogen werden kann.

Michael Nittnaus
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Ab 2022 soll der Lohn der Kantonsangestellten – auch der Lehrer – einen leistungsabhängigen Teil beinhalten. Doch wie misst man diese Leistung? (Symbolbild)

Ab 2022 soll der Lohn der Kantonsangestellten – auch der Lehrer – einen leistungsabhängigen Teil beinhalten. Doch wie misst man diese Leistung? (Symbolbild)

Hanspeter Baertschi

13 Seiten lang waren die «Sprechnotizen» von Regierungspräsidentin Monica Gschwind und mehreren Abteilungsleitern der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD), die sie im Rahmen der gestrigen Jahresmedienkonferenz der BKSD aushändigten. Es war ein epischer Rück- und Ausblick auf die wichtigsten Geschäfte der Direktion, von der Lehrmittelfreiheit über die Spezielle Förderung, den Masterplan der Sekundarstufe II, die Digitalisierung an den Schulen oder die Kompetenzanpassungen von Schulräten und Schulleitungen, bis zum neuen Globalbudget und Staatsvertrag der Uni.

Doch das spannendste Thema schob Gschwind spontan dazwischen: die Schwierigkeit, ein Mitarbeitergespräch (MAG) für Lehrpersonen zu entwickeln, das die Basis für den einzuführenden Leistungslohn bilden soll.

Am Mittwoch hatte die Bildungsdirektorin an der Schulleiterkonferenz der Primar- und Sekundarschulen erneut das Gespräch gesucht. Die Baselbieter Schulleiter sträubten sich bislang komplett gegen den Systemwechsel vom automatischen Erfahrungsstufen-Anstieg zum Lohn mit einem leistungsabhängigen Anteil, wie ihn die Teilrevision des Personaldekrets für das gesamte Staatspersonal vorsieht. Doch Gschwind konstatiert: «Die Schulleitungen sind noch immer sehr kritisch eingestellt. Es bleiben viele Fragezeichen.»

Digitalisierung: persönliche Tablets an den Sekschulen

An den Sekundarschulen im Kanton Baselland sollen Schüler sowie Lehr- und Schulverwaltungspersonen künftig mit persönlichen Tablets ausgestattet werden. Die konkrete Umsetzung ist in Planung. Die Digitalisierung der Schulen sei eine grosse Herausforderung, sagte Bildungsdirektorin Monica Gschwind.

Konkret besprochen würden derzeit verschiedene Ausrüstungsszenarien, sagte Christoph Straumann, der in der Bildungsdirektion für Informatik zuständig ist. Dabei gehe es um die Frage, ob der Kanton das Betriebssystem festlegen soll oder ob die Schulen freie Hand erhalten sollen. Ein Entscheid dazu soll vor dem Sommer fallen. Flächendeckend ausgerüstet werden soll die Sekundarstufe I. Insgesamt müssen rund 7500 Tablets angeschafft werden.

An den weiterführenden Schulen laufen derzeit dagegen Pilotklassen, bei denen die Lernenden ihre eigenen Computer mit in die Schulen nehmen. Lehrpersonen sollen jedoch auch auf Sekundarstufe II persönliche Standardgeräte erhalten. (sda)

Gschwind gibt sich beharrlich

Die Bildungsdirektorin betont zwar, dass sie «die Ängste ernst nimmt» und ein lohnrelevantes MAG nur eingeführt werden könne, «wenn es für die Schulen massgeschneidert wurde». Doch sie hält auch fest: «Ich werde nicht locker lassen, bis wir ein taugliches Instrument haben.» Diese Bestimmtheit kommt nicht von ungefähr. Bereits kommenden Donnerstag wird der Landrat aller Voraussicht nach die Teilrevision des Personaldekrets absegnen, dies dank der Unterstützung durch die bürgerliche Ratsmehrheit.

Das Dekret soll Anfang 2021 in Kraft treten und sieht keine Ausnahme für das unterrichtende Personal vor. Unter Paragraf 15 steht: «Der Regierungsrat beschliesst jährlich die individuelle Lohnentwicklung der Mitarbeitenden auf Grundlage der jährlichen Mitarbeitendenbeurteilung, der Position im Lohnband sowie der zur Verfügung stehenden Mittel.» Das lohnrelevante MAG kommt also. Der einzige Unterschied zum restlichen Personal ist, dass es für Lehrer nicht schon kommenden Sommer sondern erst Mitte 2020 eingeführt werden muss, damit es 2022 erstmals auf den Lohn wirkt.

«Der Knackpunkt ist die grosse Führungsspanne», sagt BKSD-Generalsekretär Severin Faller. Schulleiter hätten oft um die 50 Lehrer unter sich und müssten zur Beurteilung den Unterricht besuchen. «Würde das verlangt, müssten die Schulleitungen personell aufgestockt werden.» Faller fragt sich – trotz eindeutigem Dekretstext –, ob die MAG für Lehrer wirklich jährlich stattfinden müssten.

Aktuell ist eine Arbeitsgruppe aus Vertretern aller Schulstufen, den Personalverbänden, dem Personalamt und weiteren daran, Vorschläge für Lehrer-MAG zu erarbeiten. Diese sollen dann einem sogenannten «Review-Team» unterbreitet werden. Dort sind wegen der Primarlehrer auch der Gemeindeverband und sogar eine Arbeitspsychologin dabei. Auch Faller sitzt in diesem Gremium. Er erwarte «in ein paar Tagen» die Vorschläge der Arbeitsgruppe.

Ohne die Schulen geht es nicht

«Das ist unrealistisch», sagt Michael Weiss auf Anfrage der bz. Der Geschäftsführer des Lehrervereins Baselland (LVB) sitzt in der Arbeitsgruppe und sagt offen: «Wir tun uns immer noch schwer und haben erst erste Ideen, wie das MAG ausgestaltet sein könnte, aber kein Modell, wie es mit der Lohnentwicklung verknüpft werden könnte.»

Besonders schwierig sei etwa, wie an den Schulen zwischen einer guten (A) und einer sehr guten (A+) Bewertung unterschieden werden kann. Und auch bei der ungenügenden B-Bewertung, bei welcher der Lohn auf dem Vorjahresniveau verharrt, bemängelt Weiss einiges. «Stellt die Schulleitung bei einem Lehrer Schwächen fest, die zu einem B führen könnten, so wird natürlich sofort mit der Person an der Verbesserung gearbeitet. Bis das B lohnwirksam würde, ist die Bewertung schon wieder überholt.»

Weiss ist skeptisch, dass man sich in der Arbeitsgruppe je findet. Wobei, ein Grossteil scheint sich einig: «Niemand will den Leistungslohn und das neue MAG bei Lehrern, weder der LVB, noch die Schulleitungen oder die Schulräte», redet er Klartext. Nur weil es in einem Dekret stehe, heisse das noch nicht, dass es auch sicher zustande komme. «Am Ende kann es auch am passiven Widerstand der Schulen scheitern.»