Premiere
Drummeli setzt mit alten Mitteln neue Massstäbe

Zum erstenmal findet das Drummeli in diesem Jahr im Musical Theater in Basel statt. Der neue Spielort kommt beim Publikum bestens an. Die Bühne, die Schauspieler und die Hauptdarsteller, die Stammcliquen, sorgen für ein Drummeli der Superlative.

Jürg Gohl
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CCB mit dr Schummelschuel «100 und kai bitz erwachse»
11 Bilder
Basler Dybli mit Waggis
J.B:-Clique Santihans mit dr Luuser
Drummeli begeistert
Daengg y amme znacht an Basel
Daengg y amme znacht an Basel
Rhygwaeggi mit Urauffuehrung von E Zolli Safari
Basel Kocht(beidi Basel)
Basler Dybli mit Waggis
Daengg y amme znacht an Basel
Daengg y amme znacht an Basel

CCB mit dr Schummelschuel «100 und kai bitz erwachse»

Martin Töngi

Alle sind säälig. Oder selig? Ausgerechnet im Jahr nach dem Comité-Jubiläum sorgt das Drummeli für eine Jahrhundert-Ausgabe. Denn was die 20 Stammcliquen, die je zwei Gugge und Bängg sowie die sechs Schauspieler bei der doppelten Premiere auf die Bühne des Musical-Theaters gezaubert haben, davon wird in den vielen Fasnachts-Büchern, die auch nach dem 100. Geburtstag auf die Bebbis warten dürften, in grossen Lettern geschwelgt: Basel hat nach 18 Exil-Jahren sein Drummeli wieder.

Die Muskelschau der Stammcliquen gehört auf eine Theaterbühne, darin sind sich wohl alle der rund 1000 Aktiven und das Publikum nach den – netto – rund dreistündigen Anlass einig. Die Erinnerungen an das «Küchlin» (Oder heisst es «Kiechli»?) sind allgegenwärtig.

Mehr Neues als Nostalgie

Doch mit dem damaligen Drummeli hat die Ausgabe ausser der Bestuhlung nicht mehr viel gemein, und mit der zu neuem Leben erweckten Balkonszene nimmt die Schauspiel-Crew die Nostalgiker inklusive Comité gleich selber aufs Korn. Und es hält auch dem Publikum den Spiegel vor, indem es immer mehr in Cabaret-Rotstift-Humor abdriftet, bis einem die Lacher im Hals stecken bleiben. Die Cliquen spielen ihre Sujets und die gewählten Melodien im Vergleich zu früher mit immer mehr Fantasie aus. Der Drang, sich dabei mit allem denkbaren technischen Schnickschnack zu unterstützen, ist weiter am Abflauen, gliggligerwyys.

Ebenso das affektierte (von Affen später mehr) Baseldytsch. Es wird in der Balkonszene, die neu eigentlich Terrassenszene heisst, nur noch vom Doggter-Doggter gesprochen, der auch kein ckdt mehr ist. Und Schauspieler Urs Bihler widmet dem Dialekt die von der Wortakrobatik her beste Nummer des Abends: «Sage Si Epfel oder sage Si Öpfel?»

Stadt zankt sich wieder mit Land

Nein, nicht alles ist bei den Wortbeiträgen «s Maximum», wie der Tambourmajor des Schyssdräggzygli stets frohlockt. Das Kochduell zwischen der kecken Baslerin und dem hemdsärmligen Baselbieter ist gespickt mit Wortwitz. Den Höhepunkt setzt – nodyyrlig – der Rampass mit der Feststellung, Baselland benötige kein Kunstmuseum, «öis längt d Gallerie Schwyzerhalle». Und weil Fasnachtskunst nicht nur Lust und Lachen, sondern auch Frust und Wut auslösen soll, gebührt auch der «Schnitzelgeschichte» der drei Schauspielerinnen um eine fleissige Ameise ein uneingeschränktes Bravo. Hingegen ist, Hand aufs Herz, die Nummer um Verteidigungsminister Maurer so arm an Pointen wie seine Armee an Soldaten.

Bei den Bängg punktet der Fäärimaa mal mit bitteren Pointen (BaZ), mal mit Fantasie (Leuthard), ist mal wortverspielt (Blatter), mal einfach lustig (Frei). Der Drummel-Bangg setzt mehr auf den Running Gag mit dem übergangenen Guy, auf Chor und Choreo.

Hohe bis höchste Töne

Und schon hat die alte Drummeli-Falle wieder zugeschnappt: Hohe bis höchste Töne zum Wort, aber noch kein Wort zu den Tönen, die doch noch immer im Mittelpunkt des Drummelis stehen. Die 20 Stammcliquen beweisen einmal mehr neben musikalischem Können riesige Ideenvielfalt. Das reichte von der klassischen, stimmungsvollen Ode der Basler Dybli an den klassischen Waggis gleich zum Auftakt oder vom Rossignol der Glunggi am imitierten Pryysdrummle bis hin zur musikalisch herausfordernden Huldigung von AC/DC durch die Alte Stainlemer zum Schluss.

Dass die Chemie zwischen Basel und den Übervätern Novartis und Co. nicht immer stimmt, deuten die Rhygwäggi mit ihrer Zolli-Safari im Belafonte-Sound an. Und die Schnooggekerzli knüpfen mit ihren Moll-Tönen zu 25 Jahre Schweizerhalle an. Musikalisch einen Höhepunkt setzen die Santihans mit dem Grammophon; der Chaplin-Medley der Breo entwickelt in Bild und Umsetzung die grösste Wucht; die Gundeli beweisen mit ihren Samba-Tänzerinnen, dass ein Fasnachtskostüm auch arm an Stoff sein darf. Die AGB mit ihrer mitreissenden Muttenzerkurve, die Basler Rolli als Küken im Hühnerhaufen. Der Sister Act der Gugge. Und, und, und. Das Drummeli 2011 setzt neue Massstäbe, auch dank alten Mitteln.

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