Gastkommentar
Ein Botschafter des Waldenburgertals

Der FC Oberdorf! Ich bin nicht sein Sprachrohr, aber als Ehrenmitglied und treuer Supporter auch ein Teil der «Klub-Familie». Sie hat in letzter Zeit leider viel Ungemach erlitten.

Thomas Schweizer*
Thomas Schweizer*
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Die Spieler des FC Oberdorf (im Bild Thomas Hersberger im gelben Trikot) mussten dieses Saison häufig untendurch und steigen ab. (Archiv)

Die Spieler des FC Oberdorf (im Bild Thomas Hersberger im gelben Trikot) mussten dieses Saison häufig untendurch und steigen ab. (Archiv)

Esposito

Erneut gilt es, einen Abstieg zu verkraften, denn der Klub ist in die vierte Liga hinuntergepurzelt. Doch niemand verliert weder den Mut noch die Freude am Fussball. Unverzagt gilt es jetzt, gemeinsam die vom Vorstand vorgegebene Richtung weiter einzuschlagen: eigene Junioren in die 1. Mannschaft einzubauen und eine Rückkehr in höhere Sphären anzustreben.

Fast mehr zu schaffen machten dem Verein einige Nachbarn, die sich vom Lärm in ihrer Ruhe gestört fühlten. Wir alle fanden diese Klagen sehr belastend. Dadurch ist der Klub weniger durch sportliche Taten als durch Streitereien in die Schlagzeilen geraten. Wer ruhig und privilegiert in einer Komfortzone wohnen darf, sollte Verständnis für einen emotionalen Sport aufbringen. Fussball ist nicht Schach, sondern ein Stimmungsmacher erster Güte. Hier darf ich jubeln oder mich ärgern, die Spieler anfeuern und beim Schiri lautstark protestieren, ohne gleich als Rotzbengel zu gelten. Öfters unkontrolliertes Ausflippen tut unserem reglementierten, durchgestylten und normierten Leben nur gut. Der Vorstand verhielt sich aber klug und erfüllte die gesetzlichen Vorgaben voll und ganz. Die Lärmklage scheint vom Tisch. Scheint! Die endlose Affäre möge anderen Clubs als Warnung dienen: Fussballlärm hört man nicht gern.

Vor zwölf Jahren spielte der FCO sogar in der vierthöchsten Liga der Schweiz. Man glaubt es kaum. Möglich war es, weil die erste und zweite Liga noch ungeteilt waren. Damals schrieb ich den unerhörten Satz: «Der FC Oberdorf ist der beste Oberbaselbieter Fussballclub der Schweiz.» Und der FC Liestal? Den hatte ich kurzerhand ins mittlere Baselbiet befördert, kritisches Gemurmel musste ich in Kauf nehmen. Nur liess sich dieses hohe Level auf Dauer nicht mehr halten. Noch zehn Saisons in der zweiten Liga, dann folgten die Abstiege.

Ein ländlicher Fussballklub hat es generell nicht leicht. Die Verlockungen für die Jungen, sei es finanzieller Art, sei es die Aussicht auf eine grosse Karriere, sind in Basel oder Stadtnähe einfach grösser. Der FC Oberdorf, nicht auf Rosen gebettet, kann da nicht mithalten. Zudem ist das Fanionteam nur ein Teil des Ganzen. Zum Beispiel erreichte die 2. Mannschaft in der Fairplay-Rangliste der letzten Saison den ersten Platz. Sehr lobenswert.

Fussball wirkt integrierend und gibt vielen jungen Menschen die Gelegenheit, Disziplin und Durchhaltewillen zu lernen, dazu bereit zu sein, sich in einem Team ein- und unterzuordnen. Qualitäten, die auch Lehrmeister zu schätzen wissen und später in der Arbeitswelt gefragt sind. Unser regionaler Fussball hat so viele Vorzüge, dass es schade wäre, wenn er durch Kleingeist einen Teil seiner Vitalität und Lebensfreude verlöre. Doch immer wird sich der stolze FC Oberdorf gegen Unbill aufbäumen. Damit bleibt er ein exzellenter Botschafter des Waldenburgertals.

*Thomas Schweizer ist ein ehemaliger Lehrer am Gymnasium Bäumlihof und heute als Buchautor und Literat tätig. Er lebt in Füllinsdorf.

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