Briefmarken

Ein Phänomen im Laufental: Hier werden wertlose Briefmarken nachhaltig gehandelt

Marken Müller in Zwingen haucht alten, wertlosen Briefmarken neues Leben ein. Die Post kann sich freuen, selbst in unsicheren Zeiten der Corona-Epidemie.

Mirjam Bollinger
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Briefmarken wie diese sind ohne Sammlerwert. Gebraucht werden können sie dennoch.

Briefmarken wie diese sind ohne Sammlerwert. Gebraucht werden können sie dennoch.

Zur Verfügung gestellt

Eine misstrauische «Espresso»-Hörerin war es, die das Konsumenten-Magazin von Radio SRF auf den Plan rief. In der Sendung vom Mittwoch wird berichtet, wie die Frau auf ein unglaubliches Angebot stösst: Bei Marken Müller in Zwingen muss man für Briefmarken weniger bezahlen, als sie Wert sind. Wäre die Hörerin in der Laufentaler Gemeinde zu Hause, hätte sie wohl kaum gestutzt. Das Spezialgeschäft für Briefmarken gehört zu den schweizweit grössten Unternehmen dieser Art.

«Wir werden immer wieder von misstrauischen Leuten kontaktiert, die denken, dass hier ein Betrugsgeschäft vorliegt», bestätigt Christoph Glanzmann auf Anfrage der bz. Der Junior Geschäftsführer der Marken Müller AG lüftet das Geheimnis um die günstigen Briefmarken: «Manche Sammlungen, die uns angeboten werden, sind – abgesehen von wenigen Briefmarken – für Sammler wertlos.» Wenig Wert haben Marken dann, wenn sie in hoher Auflage produziert wurden. Anstatt diese Marken nun wegzuwerfen, «kaufen wir sie unseren Kunden zu einem günstigen Preis ab, um sie unter dem Postpreis weiterzuverkaufen». Denn: Briefmarken aus dem Jahr 1964 oder später sind grundsätzlich gültig und können für den Postversand gebraucht werden.

Kunden schätzen es, Briefe mit alten Marken zu bekommen.

(Quelle: Christoph Glanzmann, Junior Chef Marken Müller AG)

Mit einem Beispiel verdeutlicht der Experte, wie die Marken «aufgemotzt» werden: Trotz Gültigkeit seien alte 80-Rappen-Marken kaum brauchbar, da ein heutiger B-Postbrief 85 Rappen koste. «Also machen wir die Marken für eine Frankierung insofern verwendbar, als dass sie mit einer 5-Rappen-Marke ergänzt und somit verkauft werden können.»

Alte Marken – Kunden und Briefpost freut’s

Dieses Zusatzgeschäft betreibt die Briefmarkenhandlung bereits seit vier Jahren. Die Konzentration liegt dabei auf KMUs. «Während Grossfirmen ihre Post mittels Barcodes, Frankiermaschinen oder PP-Frankierung versenden, greifen KMUs auf Briefmarken zurück», weiss Glanzmann. Dank den Vergünstigungen von Marken Müller sei es den Unternehmen möglich, ein wenig zu sparen. Ausserdem erhalte man ein sehr positives Feedback: «Kunden der Unternehmen schätzen es, Briefe mit alten Marken zu bekommen», freut sich Glanzmann. Schliesslich sind sowohl die freudig überraschten Kunden, als auch die misstrauischen Anrufer Marketingträger für die Marken Müller AG. «Natürlich ist es auch ein tolles Gefühl, dass wir mit dem Zusatzgeschäft ein wenig Gegensteuer leisten zur schwierigen Situation der Briefpost.»

Unbedenkliches Ablecken: Keine Ansteckungsgefahr

In Zeiten der Corona-Epidemie liegt die Frage auf der Hand, ob die Post Empfehlungen bezüglich gummierten Briefmarken abgibt. Da diese Markenart für gewöhnlich abgeleckt wird, fragt sich, ob ein erhöhtes Ansteckungsrisiko vorliegt. Oliver Flüeler, Mediensprecher bei der Post, winkt ab: «Wir gehen nicht davon aus, dass bereits abgeleckte Briefmarken in der übertragbaren Zeit einer Ansteckung von weiteren Personen verwendet werden.» Ausserdem stünden vorsichtigen Kunden als Alternativen Web-Stamps und SMS-Briefmarken zur Verfügung.