Banntag
Erstmals seit acht Jahren wieder ein Stadtpräsident am Banntag dabei

Liestals neuer Stadtpräsident Lukas Ott durfte beim Banntag mitmachen – ganz im Gegensatz zu seiner Vorgängerin Regula Gysin. Nach wie vor ist der Banntag eben eine Männderdomäne.

Andreas Hirsbrunner
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Die Gäste waren in grosser Spendierlaune
9 Bilder
Viel Politprominenz am Liestaler Banntag
René Steinle, Chef der 4. Rotte, bei seiner Rede
Landratspräsident Jürg Degen für einmal ohne seine markante Brille
Die traditionelle Banntags-Ausrüstung
René Steinle, Chef der 4. Rotte (rechts), mit dem Chef der 1. Rotte, Ruedi Salathe
Abmarsch im Stedtli mit den vier Rottenfahnen und Liestals Stadtflagge
Manchen waren die Böller etwas zu laut
Präsidiales Winken von Sabine Pegoraro

Die Gäste waren in grosser Spendierlaune

Andreas Hirsbrunner

Keine Frage, die volkstümliche Regula Gysin wäre in den letzten acht Jahren gerne mit auf den Banntag. Aber da sind Liestals Regeln unerbittlich: Eine Frau, und ist sie auch Stadtpräsidentin, hat an diesem für viele Männer höchsten Feiertag im Jahresablauf nichts zu suchen. Deshalb bot die heutige, 608. Ausgabe des Liestaler Banntags ein seit acht Jahren nicht mehr gesehenes Novum: Unter den rund tausend Männern, die pünktlich um acht Uhr morgens das Stedtli mit geschulterten Stöcken und blumengeschmückten Hüten verliessen, schritt mit Gysins Nachfolger Lukas Ott auch der höchste Liestaler wieder mit.

Ott mit Vorbehalten

Und das war auch noch aus einem andern Grund bemerkenswert: Otts letzte Banntagsteilnahme geht in die 1990er-Jahre zurück. Damals tat er dies nicht in einer der traditionellen vier Rotten, sondern in der alternativen Fünften, die sich aus Protest gegen die Schiesserei und die Frauenverbannung bildete und mangels Interesse längst wieder versandet ist. Ott, der sich auf Einladung von Rottenchef René Steinle der vierten Rotte anschloss, meinte beim Znünihalt auf dem Muni an der Grenze zu Nuglar: «Der Banntag ist für mich ambivalent. Einerseits ist er mit seinem Brauchtum und seinen Ritualen ein wichtiger Kristallisationspunkt. Andererseits ist er überholt, weil er in einer vernetzten Welt Grenzen setzt, mit dem Ausschluss der Frauen auch gesellschaftliche.» Er, so fügte Ott an, wolle aber ein Stadtpräsident für die ganze Bevölkerung sein. Seine Teilnahme wurde jedenfalls in der vierten Rotte sichtlich geschätzt.

Banntag ist Triathlon

Auch geschätzt wurde beim ausgedehnten Znünihalt, der eigentlich mehr ein Mittagshalt ist, die traditionelle Rede des Rottenchefs. René Steinle traf mit seinen launigen Worten, die zwischen deftigem und subtilem Humor hin- und herpendelten, den Geschmack des 220-köpfigen Männerpublikums bestens. Steinle verglich den Banntag mit einem Triathlon mit den drei Disziplinen Gehen, Trinken und Reden. Diese müssten in einem Gleichgewicht zueinanderstehen, das allerdings spätestens dann gestört sei, wenn Banngängern Schnecken so gross wie Hunde vorkämen oder wenn sie Leitplanken sähen, wo gar keine seien. Damit spielte Steinle auch auf den Ryffengraben-Abstieg an, die heikelste, inzwischen mit Treppen etwas entschärfte Passage des Liestaler Bannumgangs, der in diesem Jahr der vierten Rotte auf ihrem Weitermarsch vom Znünihalt zum Bienenberg bevorstand. Ende gut, alles gut, konnte der Vizechef der vierten Rotte, Rolf Lerf, beim abendlichen Einmarsch ins Stedtli vermelden. Offenbar haben alle den Triathlon mehr oder weniger beherrscht.

Ein-Mann-Kabarett

Dass auch alte Banntagsrituale Raum für Innovationen lassen, bewies Mike Epple. Der vor allem in Deutschland tätige Schauspieler verfasste den letztjährigen Banntagsbericht der vierten Rotte, den er aber beim traditionellen Administrativhalt, der immer kurz vor dem Znünihalt stattfindet, nicht wie üblich verlas, sondern als Ein-Mann-Kabarett vortrug. Dabei liess Epple drei «Schwoben», die er zum letzten Banntag als Gäste eingeladen hatte, ihre damaligen Erlebnisse austauschen. Das Publikum amüsierte sich - als noch kein Alkohol geflossen war. Auch das ist Banntag.