Reinach

Fasnachtskomitee lehnt Geld aus SVP-Plakettenverkauf ab

Die Reinacher SVP hat an einem Stand im Gemeindezentrum Fasnachtsplaketten verkauft. Der Erlös daraus wollte die SVP dem Fasnachtskomitee Rynach spenden – doch dieses lehnte umgehend ab.

Benjamin Wieland
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Wahlkampf-Zone Fasnacht? Das darf nicht sein, findet das Fasnachtskomitee Rynach. bz-Archiv

Wahlkampf-Zone Fasnacht? Das darf nicht sein, findet das Fasnachtskomitee Rynach. bz-Archiv

Nicole Nars-Zimmer niz

Wahlkampf einmal anders. Kandidierende der SVP Reinach verkauften am vergangenen Samstag an einem Stand im Zentrum der Gemeinde auch Fasnachtsplaketten. Der Gewinn sollte dem Fasnachtskomitee Rynach zukommen. So jedenfalls hatte die Ortspartei ihr Vorhaben zwei Tage zuvor im «Wochenblatt» angekündigt. «Wir von der SVP sind überzeugt», hiess es im Zeitungsbeitrag, «dass dieser kulturelle Anlass unsere Unterstützung verdient.»

Doch die Partei hatte die Rechnung ohne die Fasnächtler gemacht. «Wir haben aus der Zeitung vom Vorhaben der SVP erfahren und der Partei umgehend schriftlich mitgeteilt, dass wir auf die Spende verzichten», sagt Rolf Siegenthaler, Obmann des Fasnachtskomitees Rynach. «Wir begrüssen es zwar, wenn man uns beim Plakettenverkauf unterstützt. Aber unser Verein ist politisch neutral. Wir grenzen uns somit klar ab von derartigen Aktionen.»

SVP: «War eine spontane Idee»

Auch ausserhalb des Komitees erntete die SVP Kritik. «Schnell wird einem klar», mutmasst ein erzürnter Leser im «Wochenblatt», «dass es sich hierbei um ein Wahlkampf-Mittel handelt.» Dies, weil in den Vorjahren «keine vergleichbare Aktion» stattgefunden habe. Der Vorwurf: Am 28. Februar sind im Baselbiet Gemeindewahlen – die Kandidierenden wollen unter den Reinacher Fasnächtlern um Stimmen buhlen.

Paul Wenger, Vorstandsmitglied der Reinacher SVP und deren Vertreter im Gemeinderat, verteidigt den Strassenverkauf. «Das war einfach eine spontane Idee.» Der im Leserbrief geäusserte Verdacht, es handle sich bei dieser Aktion um verkappten Wahlkampf, bezeichnet er als «unzutreffend» und «kleinlich». Die Partei unterstütze auch viele andere Vereine und Organisationen, «und da bald Fasnacht ist, dachten wir, es wäre doch eine gute Sache, bei dieser Gelegenheit gleich mitzuhelfen, möglichst viele Plaketten unter den Mann und die Frau zu bringen.»

Die Partei habe von den verkauften Bronze-Plaketten à 8 Franken jeweils die 2 Franken spenden wollen, die man als Verkäufer für sich behalten dürfe. «Es geht also um einen läppischen Betrag von vielleicht 50 Franken», enerviert sich Wenger. Und: «Was ist denn schlecht daran, einen Reinacher Verein mit einem 50er-Nötli zu unterstützen?»

Er wolle der SVP keine böse Absicht unterstellen, sagt Komitee-Obmaa Rolf Siegenthaler. «Die dachten wohl einfach, das sei eine gute Sache.» Häufig würde es aber nicht vorkommen, dass eine Partei explizit im Namen der Fasnacht für sich werbe. Er könne sich jedenfalls nicht an eine ähnliche Aktion erinnern.

Auch am Suppentag ausgeladen

Erst Anfang Dezember war eine andere SVP-Ortspartei auf Ablehnung gestossen beim Vorhaben, einen Publikumsanlass tatkräftig zu unterstützen. Die SVP Allschwil hatte geplant, am ökumenischen Suppentag im Service mitzuhelfen. Da die Mitglieder jedoch ihren Dienst statt in neutralen in eigenen Schürzen mit Parteilogo leisten wollten, lud das Organisationskomitee die Helfer der Volkspartei wieder aus.