Feldschiessen
Feldschiessen: Auch der Landratspräsident muss auf die Matte

Mehrere tausend Schützinnen und Schützen haben gestern am Feldschiessen teilgenommen. Im Baselbiet waren am Wochenende zehn Schiessanlagen turnusgemäss an der Reihe, Gastgeber für das Feldschiessen (Gewehr 300 m) zu sein.

Von Thomas Immoos
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 Mit ihrer Standarte sind die Schützen aus Arboldswil zum Feldschiessen zum Schiessstand Liedertswil angereist
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 Vor jeder Salve gibt der Warner ein Hornsignal für die Zeiger bei den 300 m entfernten Scheiben
 Nationalrätin Daniela Schneeberger musste zum Schiessen an der Pistole überredet werden
Feldschiessen im Baselbiet
 Mit dem Kleinkalibergewehr auf die Matte legte sich Landratspräsident Urs Hess
 Der Warner blickt Richtung Scheiben, wo der Zeiger mit Kellen angibt, wie gut geschossen wurde
 Pflichtbewusst trägt der Jugendliche Milan Markovic im Pistolenstand von Oberdorf die Ergebnisse der Schützen ein
 Stilleben Baumstrunk mit Kleinkalibergeweh
 Gehörschutz Kind vorbildlich, Mutter nicht ganz optimal

Mit ihrer Standarte sind die Schützen aus Arboldswil zum Feldschiessen zum Schiessstand Liedertswil angereist

Thomas Immoos

Den meisten Schützen ist das Feldschiessen keine lästige Pflicht, sondern ein gerne geübtes Hobby und natürlich willkommene Gelegenheit, mit Gleichgesinnten zu fachsimpeln. Deshalb war denn auch am Wochenende die wohl am häufigsten gestellte Frage unter Schützenkameraden: «Wivill hesch gmacht?».

Eine Nationalrätin an der Pistole

Wegen eines «fremdbestimmten Gruppenanlasses, privat» habe sich Sicherheitsdirektor Isaac Reber entschuldigen lassen, teilte Oberst Marcus Müller mit; gemeint ist das alljährliche «Schulreisli» des Regierungsrates. Aber es fanden sich andere prominente Gäste ein.

Es brauchte allerdings einige Überredungskunst von Kreiskommandant Oberst Martin Büsser, bis Nationalrätin Daniela Schneeberger in der Anlage der Pistolensektion Oberdorf zur Pistole griff. Sie schlug sich beachtlich gut. Und Landratspräsident Urs Hess legte sich in der idyllisch gelegenen Schiessanlage Tschoppenhof (sprich: Liedertswil) auf die Matte.

In Liedertswil, einer der wenigen noch bestehenden Feldanlagen im Baselbiet, ertönt vor jeder Salve das Horn. 300 Meter entfernt bestätigen die Zeiger ihrerseits mit einem Hornsignal, dass sie bereit und ausserhalb der Schusslinie sind. Ein Warner an einem Pult blickt mit dem Feldstecher angestrengt Richtung Scheiben, wo die Zeiger nach den Schüssen mit bunten Kellen anzeigen, wie geschossen wurde.

So ruft der Warner zum Beispiel jeweils laut zuhanden des notierenden Kameraden: «Scheibe drei, vier, zehn Uhr» - und dies nachmittags um fünf. Mit zufriedenem Kopfnicken oder aber oder mit unwilligem Brummen kommentieren die Schützen ihr Resultat. Mit den Einzel- und Serienschüssen dauert ein solcher Einsatz rund eine halbe Stunde. Der örtliche Standchef erteilt die knappen Befehle und gibt die noch verbleibenden Sekunden an.

Freundschaftlicher Wettstreit

Ein Feldschiessen ist für eine organisierende Schützengesellschaft jeweils ein Grossanlass, wo sich auch Ehefrauen und Kinder einfinden. So steht vor der Schiessanlage Dürlenberg hoch über Liedertswil eine Festwirtschaft bereit, im Cheminée brennt ein Feuer, auf dem Steaks gebraten werden.

Gerne tauschen die Schützen ihre Erfahrungen aus. Einer sagt: «Mir hat's gereicht, aber nur dank dem Veteranenbonus.» Und alt Nationalrat Christian Miesch flachst mit Oberst Thomas Zaugg: «Es ist ein besonderes Erlebnis, dass ich dich geschlagen habe.» Allerdings betrug die Differenz nur einen Punkt: 160 für Miesch, 159 für Zaugg.

Während vor den Schützenständen lockere Kameradschaft und Geselligkeit herrscht, gilt in den Schützenhäusern strenge Disziplin. Alle tragen Gehörschutz, geschossen wird erst nach dem Warnsignal und dem entsprechenden «Befehl».

Im Baselbiet waren am Wochenende zehn Schiessanlagen turnusgemäss an der Reihe, Gastgeber für das Feldschiessen (Gewehr 300 m) zu sein. Auf acht Anlagen konnten zudem Pistolenschützen auf die Distanz von 25 und 50 Metern schiessen.

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