Strafgericht Muttenz

Finanzielle Löcher mit fremdem Geld gestopft: Architekt verurteilt

Finanziell angeschlagener Architekt veruntreute Gelder einer Bauherrin. Das Urteil: eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten bedingt.

Patrick Rudin
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Ein Architekt wurde verurteilt, da er das Geld einer Bauherrin in die eigene Firma steckte. (Symbolbild)

Ein Architekt wurde verurteilt, da er das Geld einer Bauherrin in die eigene Firma steckte. (Symbolbild)

Tele M1

Beim Strafmass blieben die drei Richter des Baselbieter Strafgerichtes in Muttenz gestern zwischen den Anträgen von Verteidigung und Staatsanwaltschaft: Sie verurteilten den 65-jährigen Architekten zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten wegen mehrfacher Veruntreuung.

Der Mann hatte 2015 zweckgebundene, laufende Akontozahlungen der Bauherrschaft statt für eine Villa in Dornach für andere Projekte verwendet und damit Finanzlöcher in seiner maroden Einzelfirma gestopft.

Kooperation führte zu einer milderen Strafe

Gerichtspräsident Beat Schmidli sagte, der Verurteilte sei offenbar nicht in der Lage gewesen, jederzeit Ersatz für das zweckentfremdete Geld zu leisten. Somit kam es in diesem Punkt zu mehreren Schuldsprüchen wegen Veruntreuung. Die Strafe fiel leicht milder aus als beantragt, weil der Mann geständig und kooperativ war. Auch sah das Gericht bei ihm eine aufrichtige Reue. Leicht strafmildernd wirkte sich auch die relativ lange Verfahrensdauer aus.

Die Unregelmässigkeiten bei einem Bauprojekt in Nunningen hingegen wertete das Gericht nicht als strafrechtlich relevante Täuschung: Die Reservationszahlung von 80000 Franken sei nicht zu beanstanden. Der 65-Jährige sei damals davon ausgegangen, dass die Baubewilligung noch gelte. «Er wollte seinen Verpflichtungen nachkommen und seine Leistung erbringen», sagte Schmidli dazu. Der Mann habe indes seine Fähigkeiten überschätzt. Deshalb gab es in diesem Punkt einen Freispruch.

Verteidiger Matthias Aeberli hatte betont, sein Mandant sei über Jahrzehnte hinweg ein erfolgreicher Geschäftsmann gewesen. Dann sei er von einem Baukonsortium nicht mehr bezahlt worden und finanziell abgestürzt. Es folgten Alkoholsucht, Depressionen und ein Burn-out. «Mit dem unrechtmässigen Geld hat er sich kein schönes Leben gemacht, sondern Löcher gestopft.»

Beim Verurteilten bleiben teilweise die Verfahrens- und Gerichtskosten von über 10000 Franken hängen. Auch muss er den Anwalt einer der Geschädigten mit 5000 Franken entschädigen. Das Urteil können alle Parteien noch weiterziehen.