Baselland
Fukushima macht auch Elektra Baselland betroffen

Die Elektra Baselland (EBL) präsentiert den Jahresabschluss und plant ein Holzkraftwerk im Ergolztal. Die Ereignisse in Japan dominierten bei der Information zur Jahresbilanz. Welche Lehren zu ziehen seien, sei indes noch offen.

Daniel Haller
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Die EBL setzte schon vor dem Japan-Unfall auf erneuerbare Energie und will dies nun verstärken. (Juri Junkov)

Die EBL setzte schon vor dem Japan-Unfall auf erneuerbare Energie und will dies nun verstärken. (Juri Junkov)

Traditionellerweise ist eine Pressekonferenz zur Jahresbilanz einer Firma von Zahlen beherrscht. Zwar referierte auch gestern der neue EBL-Finanzchef Alain Jourdan Umsatz-Zuwachs, Jahresgewinn und Wachstums-Sektoren. Doch grundsätzlich dominierten die Ereignisse in Japan: «Die Energiewelt ist nicht mehr die gleiche», stellte EBL-Geschäftsleiter Urs Steiner fest.

Welche Lehren zu ziehen seien und wohin die Reise gehe, sei noch offen. Er begrüsse den AKW-Bewilligungs-Sistierungsbeschluss des Bundesrats. Doch könne er den Entscheiden des Verwaltungsrats nicht vorgreifen. Steiner präsentierte also keinen Atom-Ausstiegsplan. Vielmehr griff er auf bestehende Pläne und Visionen der EBL bezüglich Strom-Versorgung und neuer erneuerbarer Energien zurück, erklärte jedoch, dass man diese nun beschleunigen müsse.

Eigenproduktion forcieren

Die Konzessionen der beiden Kraftwerke Birsfelden und Augst, an denen die EBL beteiligt ist, laufen 2034 respektive 2045 aus. Wer die Rechte anschliessend ersteigert, sei offen. Auch die Stromlieferverträge mit Alpiq laufen 2013 (für rund ein Viertel) und 2029 (für rund die Hälfte des EBL-Stroms) aus. «Ab 2030 haben wir also eine Riesenlücke, die wir intelligent füllen müssen.» Deshalb sei es Ziel der EBL, im Jahr 2040 bei einem Gesamtbedarf von 700Gigawattstunden 660Gigawattstunden selbst zu produzieren.

Dafür ist nach den bisherigen Plänen für die Strombeschaffung der EBL ein Ziel-Portfolio von 100Gigawatt Gross-Wasserkraft, 10Gigawatt Klein-Wasserkraft, 161Gigawatt Biomasse, 97Gigawatt Wind und 37Gigawatt Sonne vorgesehen. Wie die EBL die restlichen 255 Gigawatt produzieren will, sei offen. «Geothermie, Gas, Atom, Wärme-Kraft-Koppelung – das wurde noch nicht definiert.» Doch in seinem Eingangsstatement hatte Steiner mit Blick auf Japan betont: «Die Sicherheit der Bevölkerung steht über allem.»

Holzkraftwerk im Ergolztal

Zu diesen bereits bisher gültigen Zielen zähle der Plan, dass bis 2020 30Prozent der verkauften Energie – also Wärme und Strom – durch erneuerbare Energien erbracht werden sollen. Ein konkretes Projekt auf dem Weg dahin ist der Zusammenschluss der bereits bestehenden EBL-Wärmeverbünde im Ergolztal zwischen Sissach und Pratteln zu einer einzigen Heizzentrale zusammenzuschliessen und diese als Holzkraftwerk mit 70 Gigawattstunden Stromleistung zu betreiben.

Auch diese «Erneuerbare Energieschiene Ergolztal», die 120 Millionen Liter Heizöl sparen soll, hat die EBL bereits vor Fukushima aufgegleist. «Wir setzen damit unser im Lauf der Jahre erworbene Kompetenz bezüglich Fernwärme um.» Neben diesen regionalen Projekten beteilige sich die EBL als kleiner Energieversorger an Grossprojekten wie Desertec (bz vom 26. März). «Ich bin wegen der Ereignisse in Japan sehr betroffen und nachdenklich. Aber deswegen in Hektik ausbrechen muss die EBL nicht», erklärt Steiner.

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