Neuausrichtung

Für CVP-Präsidentin Sabrina Mohn ist das C nicht mehr heilig

CVP-Präsidentin Sabrina Mohn schliesst eine Parteifusion mit der BDP so kurz nach den Wahlen aus. Sie könnte sich aber damit anfreunden, das C zu streichen.

Leif Simonsen
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Sabrina Mohn (li) und Klaus Kocher (re)

Sabrina Mohn (li) und Klaus Kocher (re)

AZ

In einem Punkt gibt die Baselbieter CVP-Präsidentin Sabrina Mohn ihrem Kollegen aus dem Aargau recht: «Nach diesem Wahlergebnis müssen wir eine neue Auslegeordnung vornehmen». Der Aargauer Parteipräsident Franz Hollinger war gegenüber dem «Sonntag» mit der Idee vorgeprescht, eine Fusion der serbelnden Christdemokraten mit der BDP zumindest zu prüfen.

Er wird seine Idee bei der Parteipräsidentenkonferenz am 22. November zur Sprache bringen. Für Sabrina Mohn ist nicht überraschend, dass die Idee aus dem Kanton Aargau kommt, wo der Frust nach den zwei verlorenen Nationalratssitzen noch tiefer sitzt als hier. Auch wenn Mohn einräumt, dass man parteiintern über die Bücher muss, stellt sie klar: Eine Parteifusion so kurz nach den Wahlen kommt nicht infrage. Und was längerfristig passiert: Dazu will sie nicht Stellung nehmen. Sie sieht die Verantwortlichkeit bei der Mutterpartei.

BDP erstickt Gelüste im Keim

Was Mohn allerdings nicht verhehlen kann, ist, dass es ihr der Flirt mit der BDP innerhalb der (selbst ernannten) starken Mitte angetan hat. «Die BDP ist die Partei, die uns am nächsten ist», sagt die CVP-Landrätin. «Das erkennt man auch, wenn man die Smartvote-Profile von Dieter Widmer (Baselbieter BDP-Präsident, Anm. d. Redaktion) und mir vergleicht».

Die Baselbieter BDP erstickt allfällige Fusionsgelüste im Keim. «Das ist momentan kein Thema», sagt Widmer. Er will auch in Zukunft am Erfolgsmodell der Listenverbindung festhalten. Widmer wehrt sich auch gegen die Kritik, wonach die Listenverbindungen das Wahlresultat verfälschen: «In einigen Punkten sind sich die beiden Parteien ja ähnlich. Eine Fusion kommt trotzdem nicht infrage: Es gibt ja auch Gebiete, wo jeder für sich politisieren will. Wir sind auch deutlich mehr rechts positioniert.»

Sabrina Mohn hält aber auch andere Wege für prüfenswert, die Partei wieder auf Erfolgskurs zu bringen. In der nationalen Parteispitze wurden zuletzt Rufe laut, das «C» aus dem Parteinamen zu streichen, weil es eine aussterbende Klientel anspreche. «Ich hänge nicht an diesem Buchstaben», sagt Mohn ebenfalls, um nachzuschieben: «An den christlichen Werten hänge ich hingegen sehr wohl».

Sie glaubt nicht, dass diese aus der Mode gekommen seien. Besonders in wirtschaftlichen Krisenzeiten würden sich die Menschen vermehrt daran orientieren. «Aber eben: Das Wort ‹christlich› zieht die jungen Menschen nicht unbedingt an». Insbesondere in nicht-katholischen Gebieten wie Bern würde man mit dem Wort manche Wähler vergraulen.