Urteil Rebgasse

Für das Gericht war es kein Mordversuch

Ein Gewalttäter wurde wegen versuchter schwerer Körperverletzung schuldig gesprochen.

Regula Vogt-Kohler
Drucken
Teilen
gewalt

gewalt

Keystone

Das Strafgericht unter dem Vorsitz von Kathrin Giovannone ist Staatsanwältin Franziska Frei nicht gefolgt: Es qualifiziert die Gewalttätigkeiten dreier junger Männer im November 2009 in der Rebgasse und am Wettsteinplatz nicht als versuchten Mord, sondern als versuchte schwere Körperverletzung, versuchte einfache Körperverletzung und Angriff. Dafür gab es Freiheitsstrafen von je sechseinhalb Jahren für Roman S. (21) und Daniel A. (22) und von fünfeinhalb Jahren für Marco S. (23). Im Falle von Daniel A. hat das Gericht den Vollzug der Strafe zugunsten einer Massnahme für junge Erwachsene aufgeschoben.

Zwar gab es die Aussagen von unbeteiligten Augenzeugen, doch hatte keiner den gesamten Vorfall gesehen. Und selbst wenn, so hätten sie die Frage, in welcher Absicht die Täter auf die Opfer einschlugen und -traten, nicht beantworten können. Als objektive Beweise standen dem Gericht die rechtsmedizinischen Berichte zu den Verletzungen der Opfer zur Verfügung, und dieses Resultat der von den Angeklagten ausgeübten Gewalt spielte für die Beurteilung eine entscheidende Rolle. «Das Gericht geht vom Ergebnis der Tat aus», betonte die Gerichtspräsidentin.

Die Verletzungen waren erheblich, im strafrechtlichen Sinn aber keine schwere, sondern bloss einfache Körperverletzung.

Die Gerichtspräsidentin sprach gar von «relativ geringfügigen» Verletzungen, was auch bei den Tritten gegen den Kopf zweier Opfer auf eine «relativ geringfügige Wucht» schliessen lasse. Allerdings könne man bei Tritten gegen den Kopf nicht darauf vertrauen, dass es wie in diesem Fall bei einer einfachen Körperverletzung bleibe, gab Giovannone zu bedenken. Daraus ergeben sich die Fragen: Wie viel mehr nimmt der
Täter in Kauf: eine schwere Körperverletzung oder gar eine Tötung? Muss man bei Tritten gegen den Kopf sogar immer von einer Tötung und einem darauf gerichteten Eventualvorsatz ausgehen? «Das Gericht ist zum Schluss gekommen, dass man auch da immer noch differenzieren können muss», sagte die Gerichtspräsidentin. Weil die Opfer nicht lebensgefährlich verletzt waren, die Täter keine Stiefel, sondern leichte Freizeitschuhe trugen und das Gericht auch keine Anhaltspunkte für eine Geringschätzung menschlichen Lebens durch die Täter sah, kam es zu einem Schuldspruch wegen versuchter schwerer Körperverletzung.

Aufgrund der ersten Reaktionen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung erscheint es als wahrscheinlich, dass sich auch das Appellationsgericht noch mit diesem Fall wird befassen müssen.