Gemeindeversammlung
Gelterkinden will in den Quartieren langsameren Verkehr

Die Gemeindeversammlung von Gelterkinden bewilligt einen Kredit für Tempo 30. Doch nicht alle sind mit diesem Entscheid zufrieden. Befürworter und Gegner lieferten sich einen argumentativen Schlagabtausch.

Simon Tschopp
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Künftig soll in den Quartieren von Gelterkinden Tempo 30 gelten.

Künftig soll in den Quartieren von Gelterkinden Tempo 30 gelten.

In der zu etwa drei Vierteln besetzten Dreifachsporthalle Hofmatt, wo die Versammlung unter Corona-Schutzmassnahmen stattfindet, erheben 102 Stimmberechtigte ihre Arme. Damit sagen sie Ja zum Investitionskredit von 336'000 Franken für die flächendeckende Einführung von Tempo 30 auf Gelterkindens Gemeindestrassen und folgen dem gemeinderätlichen Antrag. 46 Personen sind dagegen, drei enthalten sich.

Pro und Contra halten sich die Waage

Die Gemeindekommission ist gespalten und präsentiert zwei Anträge. Sabina Erny Körner vertritt die Mehrheit. «Das ist eine ausgereifte Vorlage und ein mustergültiger Prozess», wirbt sie für den Antrag der Exekutive. Konträrer Meinung ist Kommissionsvizepräsident Christian Tanner. Dieser spricht für die Minderheit, die den Kredit ablehnt. Unfallstatistik und Tempomessungen rechtfertigten Tempo 30 nicht. «Die Wohnqualität wird nicht erhöht, es bringt kaum Veränderungen.» Er sei nicht gegen Tempo 30, aber gegen diesen Vorschlag, betont Tanner.

Mehrere Stimmbürger und eine Stimmbürgerin melden sich zu Wort. Die Voten pro und contra halten sich die Waage. «Wir reden den ganzen Abend über Finanzen. Brauchen wir Tempo 30 jetzt?», fragt sich ein Mann nach der Beratung des Budgets und des Finanzplans. «Wenn nicht jetzt, wann dann?» entgegnet ein anderer.

Es sei doch klar, dass man tagsüber langsamer durch Quartierstrassen fahre als nachts, meint ein Redner; ein weiterer sagt: Wenn ein Kind mit Tempo 30 geschützt werden könne, «hätten wir etwas gewonnen. Ich kann nicht verstehen, weshalb man dagegen sein kann.»

Ob der Kanton das Projekt unterstützt, ist offen

Für alt Nationalrat Caspar Baader ist Tempo 30 eine «Glaubensfrage». Er ist überzeugt, dass das Projekt hohe Folgekosten nach sich ziehen wird wegen baulicher Massnahmen. Laut dem zuständigen Gemeinderat Stefan Ruesch sollen auch Abschnitte von Kantonsstrassen, die durchs Dorf führen, in die Tempo-30-Zone einbezogen werden. Ob der Kanton dazu jedoch Hand bietet, ist offen.

Eine vor drei Jahren eingereichte Petition der SP Gelterkinden und Umgebung mit rund 1000 Unterschriften liess das alte Anliegen Tempo 30 wieder auf die politische Agenda von Gelterkinden rücken.

Standpauke für den Gemeinderat

Mit dem Finanzplan 2021–2025 ist Caspar Baader gar nicht zufrieden: «Katastrophal, um es deutsch und deutlich zu sagen.» Die Investitionen von zehn Millionen Franken müssten auf sieben Millionen reduziert werden. Weiter kritisiert er den Zuwachs an verzinslichen Schulden von 28 auf 40 Millionen, die dauernd negativen Saldi in der Erfolgsrechnung und den prognostizierten Rückgang des Eigenkapitals von 16 Millionen auf 2,5 Millionen Franken. Baader verlangt vom Gemeinderat eine «Verzichtsplanung».

Für Stefan Degen, seit Mitte Jahr interimistischer Gemeindepräsident, ist diese Versammlung Premiere und Derniere zugleich. Ab Anfang 2021 ist der im Februar neu gewählte Gemeinderat Peter Gröflin Primus inter Pares.

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